Nachdem ich ja schon einige Jeans Schnitte getestet habe, war es ja eigentlich nur eine Frage der Zeit auch mal eine konfigurierte Jeans nach Maß von smartPattern zu testen. Als ich mit dem Jeansnähen angefangen habe, gab es smartPattern noch nicht und ich glaube gerade für Anfänger*innen die sowohl mit dem Jeansnähen als auch mit den Anpassungen hadern ist das richtig gut. Ob es das auch für mich ist, kann ich mit keinem klaren JA beantworten.

Die Idee meine Maße loszuschicken und eine Jeans für meine Passform zu bekommen finde ich schon mal grandios. Mittlerweile hat smartPattern schon eine recht gute Auswahl an verschiedenen Hosenschnitten und dann gibt es alle ja sogar noch in mehren Varianten mit verschiedenen Passformen, Reißverschluss oder Knopfleiste, unterschiedliche Passen und Hosentaschen usw. Das allerdings ist für mich nicht nur pro sondern leider auch kontra, denn ich erhalte immer nur genau die Jeans die ich mir konfiguriert habe. Preislich verstehe ich das absolut. Gerade weil ich den Schnitt nach meinen Maßen bekomme ist das einfach ein kompletter Neuaufwand den Schnitt mit anderen Details zu erstellen. Bei anderen Schnitten habe ich nur die Maßtabelle, muss sehr wahrscheinlich enige Anpassungen vornehmen, kann dann aber alle Varianten nutzen, wenn der Schnitt mehrere Varianten beinhaltet.
Für meine erste Jeans nach Maß habe ich mir die Girlfriend Jeans ausgesucht, weil ich die vordere Passe ein nettes Detail fand, dass ich so bei noch keiner von mir genähten Jeans hatte. Und ausgerechnet dieses Detail sieht man jetzt eigentlich gar nicht, weil mein Stoff sehr dunkel ist:

Der Stoff ist nicht komplett schwarz. Von nahem sieht man einen ganz leichten melierten Effekt. Aber weil ich zuvor gar keine schwarze Hose besaß und die neue Hose auch mal schicker kombinieren möchte, habe ich alles Schwarz belassen: Die Absteppnähte, den Reißverschluss und den Jeansknopf. Auf ein großes Label an der Bundrückseite hab ich aus diesem Grund auch bewusst verzichtet. Nur die Münztasche hat ein kleines schwarzes Label bekommen.

Auch für die Innentaschen wollte ich von der Farbe nicht abweichen und habe extra schwarzen Patchworkstoff (mit-)bestellen müssen, weil ich in der Farbe in der Regel nichts daheim habe.
Wenn ich einen Jeansschnitt zum ersten Mal nähe, dann arbeite ich gerne mit einer tragbaren Probe. Ich freue mich, wenn die Hose passt und tragbar ist, aber falls nicht, habe ich vorsichtshalber einen sehr günstigen Stoff verwendet. In diesem Fall ist es ein Stretch Denim von Driessenstoffen für gerade mal 6,95€ der Meter. Er hat 10% Stretch und passte damit gut zur Girlfriend Jeans die (je nach Konfiguration) mit oder ohne Stretch genäht werden kann.
Richtig dolle zufrieden bin ich mit der Passform und der Länge. Ich habe nicht eine einzige Änderung an der Jeans vorgenommen.

Das heißt jetzt noch nicht, dass ich keine Ideen zur Optimierung hätte. Ich habe Bundhöhe „Mittel“ ausgewählt (die gesamte Konfiguration zähle ich am Ende noch auf). Und von vorne kann ich das auch bestätigen. aber wenn ich mich in der Hose hinsetze, gibt der hintere Bund definitiv zu viel Einblick:

Ich weiß jetzt leider nicht, ob das bedeutet, dass ich bei smartPattern zukünftig lieber immer „hoher Bund“ wählen sollte. Aber andererseits auch wieder faszinierend wie sehr der Bund dennoch anliegt. Und das obwohl ich nichts von der hinteren Passe wegnehmen musste. Diese Änderung habe ich nämlich sonst bei jedem Jeansschnitt, weil mir sonst selbst im Stehen der Bund hinten absteht.
Ein weiteres Highlight waren übrigens die Schnittteile. Die Nahtzugabe ist jeweils eingezeichnet und auch sonst hatten sie allerlei nützliche Infos. Auf dem Bund war z.B. eingezeichnet wo die Gürtelschlaufen später sitzen. Und es gab Schablonen für alles: Für die Gürtelschlaufenlänge, für die Absteppung des Reißverschlusses, für die Hosentaschengröße nach dem Bügeln, für die Hosentaschenpositionierung…
Meine Hosentaschen habe ich für die Anprobe übrigens nur angezeichnet und dann deutlich mehr nach oben und innen versetzt:

Auf dem Bild rechts oben sieht man auch ganz gut die O-Form der hinteren Passe. Auch das ist neu für mich und ich finde es sehr hübsch. Ob mir O oder Y besser steht muss ich aber noch analysieren 🙂
So, jetzt aber leider noch der Punkt warum ich anfangs doch etwas verhalten war. Denn bisher klingt ja alles super und ich mag die Jeans auch wirklich sehr und möchte sie noch mal nähen. Was mir leider nicht so gut gefallen hat ist die Anleitung. Sie ist sehr genau. Seeeeeehr genau. Für mich leider anstrengend genau. Ich gehe davon aus, dass sie eben auch alle abholen soll die zum allerersten Mal eine Jeans nähen. Wenn dies aber nicht der Fall ist, muss ich mich aber ja trotzdem durch unendlich viele Bilder scrollen. Und oft gibt es mehr als ein Bild für einen Schritt. Es gab alleine 4 Fotos wie EINE Schrittnaht gebügelt wird. Ehrlich gesagt brauche ich für sowas nicht mal 1 Foto. Und überhaupt bin ich großer Fan von technischen Zeichnungen für einzelne Nähschritte und eben nicht von Fotos. Aber auch das ist natürlich Geschmackssache und immer noch nicht mein eigentliches Ärgernis. Was ich wirklich gar nicht mochte: Ich musste mir die einzelnen Schritte zusammenklicken. Leider wird nur der Schnitt geliefert, nicht die Anleitung. Die gibt es ausschließlich im Netz und die ist leider nur ein Baukasten. Pro „Thema“ was ich abarbeite, muss ich mich durch verschiedene Weblinks hangeln und nach jedem Schritt eine andere Seite aufsuchen. Ich hätte gerne EINE Anleitung für exakt den EINEN Schnitt schon fertig zusammengestellt und den auch gerne offline als PDF Datei auf meinem iPad abrufbar. Und dafür würde ich sogar mehr zahlen, aber es wird leider nicht angeboten. Ich kann ja Jeans nähen und wurde auch gefragt, ob ich die Jeans nicht einfach so nähen mag wie ich es gewohnt bin. Die Schritte sind für mich ja nicht schwierig, bzw. könnte ich beim Einsetzen des Reißverschlusses auch diverse andere Anleitungen zur Hilfe nehmen. Aber die Antwort ist nein. Ich möchte wirklich jeden Schnitt den ich zum ersten Mal teste auch gerne mit der Anleitung der jeweiligen Designerin, des jeweiligen Designers testen. Weil ich neugierig drauf bin und weil ich auch gerne dazulerne. Und auch bei dieser Anleitung habe ich wieder etwas neues gelernt. Ich hatte einen kleinen Aha-Effekt beim Wenden der Bundecken. Nur eine Kleinigkeit, aber dafür bin ich sehr dankbar.
Ah, der Bund… Da war ja noch ein Fail:

ich würde mal sagen alles lief tippi toppi und passte auch wunderbar zusammen und aufeinander (Absteppnähte) bis… Bis der Bund dran kam. Und es ist nicht das erste Mal, das mir das passiert und ich weiß einfach nicht woher das kommt. An der vorderen Passe sah man noch, dass mit dem RV alles top lief und sich die Passe auch perfekt als V trifft. Und dann kam der Bund und der Knopf und das Knopfloch und es passt einfach nichts mehr!!? Manchmal kreire ich beim Ausformen der Bundende so einen kleinen Zipfel der höher steht als der darunter liegende. Aber diesmal hab ich das noch getoppt und die untere Bundkante trifft auch so gar nicht aufeinander..??
Das Rollkragenshirt werde ich übrigens am Mittwoch noch genauer vorstellen 🙂
Jetzt lasse ich nur noch meine Konfiguraton der Girlfriendjeans da, die ich gewählt habe:
Beinform: körpernah
Pasform: Schmal 10 ( = für Denim mit 10% Stretch)
Bundhöhe: mittel
Schritthöhe: normal
Hosenlänge: normal lang
Sattelform: O-Form
vordere Taschen: rund aus Passe
hintere Taschen: eckig aufgesetzt
Bundbreite: 40 mm
Bundart: Formbund
Schlitzart: Reißverschluss

Muriel.Nahtzugabe5cm
Richtig schön geworden. Der Jeansschnitt gefällt mir sehr gut an Dir.
Lieber Gruß,
Muriel
Mein Lebensspiel
Mir gefällt die Jeans sehr an dir. Bei der Anleitung kann ich dich auch voll und ganz verstehen. Ich empfand das System auch als umständlich und nicht ganz rund. Vor allem hatte ich es zu Beginn überhaupt nicht verstanden, wo ich den nun anfangen soll…
Ich hätte auch gerne eine PDF zum Abspeichern, schon allein, damit ich die Anleitung habe, sollte es das Label mal nicht mehr geben. Aktuell ist ja einiges an Bewegung im Markt…
LG Miriam