Envigado Vest von Itch to Stitch – oder auch: Die “Hundeweste”

In meinem letzten Blogbeitrag hab ich (u.a.) eine Weste gezeigt, mit der ich aber ganz und gar nicht zufrieden war. Warum ich so kritisch war, zeigt evtl. der Vergleich zu dieser tollen Weste (Die Enivgado Vest von Itch to Stitch) die ich im Frühling 2021 genäht habe. Eigentlich sind es sogar 2 Westen, da ich vorab eine (tragbare) Probeweste genäht habe.

Ich war zu dem Zeitpunkt noch recht frische Hundehalterin und mein Wunsch an die Weste war es einige Dinge auf der Hunderunde bei mir haben zu können ohne eine Handtasche, Bauchtasche oder Rucksack mitnehmen zu müssen. Im Winter kann ich mir einiges in die Jackentasche stopfen. Aber im Frühling und Sommer? Die Weste sollte mich also nicht wärmen, sondern mir einfach die Spaziergänge und das Training erleichtern. Als Basis für mein Vorhaben habe ich die Envigado Vest ausgewählt. Es gab es zu der Zeit aber auch gar nicht viel Auswahl an Westenschnitten. Die Dropje Vest fiel mir z.B. noch auf. Aber mir gefiel an dieser, dass die Weste tailliert ist, schick und sehr hochwertig aussieht. Zusätzlich zur Standard-Größentabelle gibt es sogar noch verschiedene Körbchengrößen.

Ich hatte bereits einige features im Kopf die mir die Weste bieten sollte. Und weil ich für die eigentliche Weste gute (und größtenteils auch teure) Materialien verwenden wollte, startete ich mit einer Probeweste. Ich habe Reststoffe genommen, weil ich ja noch gar nicht wusste wo die Reise hingeht. Jegliche Zusatztaschen und Fächer habe ich selber überlegt, hatte sie erstmal nur im Kopf und habe sie ohne Anleitung angebracht. Für den Fall, dass dies komplett in die Hose geht, hätte ich zumindest keinen Lieblingsstoff verschwendet.

Als Probestoff habe ich leichten blauen Baumwollstoff in Jeansoptik verwendet. Keine Ahnung woher, er war im Bestand. Leider ging mir der Stoff am Ende aber doch aus, so dass ich sowohl bei den Vordertaschen als auch bei der großen Rückentasche improvisieren musste. Hier bin ich ganz ehrlich: Schön finde ich diese bunte Zusammenstellung nicht. Aber da die Weste passt und einige Funktionen bietet, habe ich es auch nicht übers Herz gebracht sie auszusortieren. Also für die seltenen Momente in denen ich Dunkelblau oder Schwarz trage, darf sie doch mal mit raus.

Komplett zufrieden bin ich hingegen mit diesem Ergebnis, die eigentliche Weste:

Auf diesen Fotos sind die Taschen natürlich schon mit allerlei Dingen gefüllt… Aber ich zeige mal die einzelnen Funktionen. Teilweise noch im Vergleich zur blauen Weste, denn Dank der Probeversion konnte ich einige Dinge bei der rostroten Weste noch verbessern.

Schulterriemen
Für die Schultern habe ich mir Schulterriemen ausgedacht, die nicht im Originalschnitt enthalten waren. Ich finde sie schick, aber sie sollten hauptsächlich eine Funktion bieten: Wenn der Hund im Freilauf ist, wollte ich die Möglichkeit haben dort die Leine einzuhängen, so dass ich sie nicht in der Hand tragen muss. Bei der Probeweste habe diese noch mit Knopf befestigt und dafür Paspelknopflöcher genäht. Für die spätere Version habe ich Manteldruckknöpfe angebracht. Und obwohl ich Paspelknopflöcher richtig toll finde – passender und praktischer finde ich die Druckknopfvariante:

Fazit: Das hat funktioniert. ABER: wenn ich ehrlich bin nutze ich es nie. Ich habe inzwischen nur noch deutlich längere Leinen dabei, manchmal sogar eine 10 Meter lange Schleppleine. Die hänge ich mir dann eben nicht mehr an die Schulter.
Hier muss ich mir tatsächlich noch überlegen was ich mit Weste Nummer drei machen werde:
Die Schulterriemen sind schon zugeschnitten… Soll ich sie nähen, obwohl ich die Funktion nicht nutze? Oder lieber weglassen?

Die Taschen
Die für mich wichtigste und schwierigste Aufgabe die es mit der zukünftigen Weste zu lösen galt: Wasser für den Hund mitnehmen ohne es tragen zu müssen oder doch eine extra Tasche zu schleppen. Handtaschen oder Beutel mögen im Alltag kein Problem sein, aber wenn man sich um einen (damals noch sehr jungen) Hund kümmert, sich ständig zu ihm runterbückt usw, dann ist wirklich jede Tasche irgendwann im Weg. Die rutscht dann entweder ständig von der Schulter oder donnert – wenn es blöd läuft – sogar in den Hund 🙁
Rucksäcke etc. wollte ich wirklich erst mitnehmen müssen, wenn es auf größere Wanderungen geht und auch wir Menschen noch Essen und Trinken einpacken müssen.

Aus diesem Grund habe ich die Taschen der Weste deutlich (!) vergrößert und eine Art Blasebalgtasche gezeichnet, die die Größe der Wasserflasche aufnehmen kann, aber trotzdem nicht soooo sehr aufträgt, wenn die Flasche mal nicht dabei ist:

Leider war ich in der Länge der Tasche eingeschränkt. Durch die Länge der Weste und die Raffung in der Taille konnte ich die Tasche nicht auf die Länge der Wasserflasche anpassen. Bei der Probeweste hab ich aber schon schon festgestellt, dass die Flasche nach vorne kippt und habe nachträglich ein Gummiband eingefügt das das Kippen verhindert. Für die eigentlich Weste habe ich das dann direkt mit eingeplant:

Aber die linke Tasche ist nicht nur für die Wasserflasche da. Sie ist konzipiert für

  • Handy
  • Geldkarte und / oder Schein
  • Haustürschlüssel
  • Wasserflasche

Und da nichts lose rumfliegen soll, gibt es innerhalb der Tasche noch eine flache Tasche und dort hat alles seinen exakt abgenähten Platz bekommen.
Mit dem Hund bin ich immer zu Fuß unterwegs, da macht es für mich keinen Sinn, wenn der Haustürschlüssel an einem Bund hängt mit Autoschlüssel, Garagenschlüssel, Fahrradschlüssel, Briefkastenschlüssel und was sich noch so alles am dicken Schlüsselbund befindet. Ich möchte auf die Hunderunden nur diesen einen Schlüssel mitnehmen. Und damit ein einzelner Schlüssel nicht verloren geht, mache ich mir seitdem an jedes Kleidungsstück und an jeden Rucksack der für die Hunderunden konzipiert wurde einen kleinen Karabiner. Dort klicke ich meinen Schlüssel ein. Seitdem gibt es kein hektisches Kramen mehr oder die Angst ihn unterwegs zu verlieren. Für diese Weste habe ich an ein Schrägband das an der Weste befestigt ist, noch ein Gummiband befestigt. Somit kann ich die Haustür sogar öffnen ohne den Schlüssel vorher abzumachen.
So sieht es in der Tasche aus:

Die rechte Tasche beherbergt

  • Leckerlibeutel
  • Kotbeutelrolle

Leckerlis: Hier wurden zwei Leckerlibeutel bedacht:
Der Standard-Leckerlibeutel für Nassfutter wird mit Clip befestigt. Daher der entsprechende Stoffstreifen.
Die Schlaufe darunter ist für den Trockenleckerlibeutel, denn der wird per Karabiner eingehängt.
Kann man natürlich beide auch einfach lose in die Tasche machen, ist dann aber nicht so fancy 😉 Ich liebe es, wenn alles seinen Platz hat. Durch die Aufhängung mit dem Clip komme ich z.B. noch wunderbar an die Rolle daneben.

Die Hundepfeifenvorrichtung war natürlich auch nicht Bestandteil des Originalschnittes. Lose an mir baumelnde Hundepfeifen (hab ich schon öfter erwähnt..) sind für mich ein no go. 1 x gebückt, schon hat der Hund die Pfeife im Gesicht baumeln. Das geht schon beim Herunterbeugen beim Geschirr anziehen los…. Aber da ich selber nicht pfeifen kann, muss die eben immer dabei sein und bekommt daher bei künftiger Outdoorkleidung immer eine kleine Aufbewahrung genäht.
Bei der blauen Probeweste hatte ich zusätzlich noch einen kleinen Karabiner angebracht, damit ich die Pfeife auch nicht verliere, wenn ich sie gar nicht um den Hals tragen mag.
Bei der rostroten Weste fand ich es dann schöner nur einen D-Ring zu befestigen. Der Karabiner ist in dem Fall an der Pfeife.
Leider ist schöner nicht unbedingt praktischer. Denn trage ich die Pfeife doch um den Hals (z.B. weil ich ohne Weste, aber mit der Pfeife unterwegs bin) stört mich der kalte Karabiner am Nacken. Daher werde ich Weste Nummer 3 wohl eher wieder mit einem Karabiner ausstatten. Wobei es gar nicht sooo leicht ist so kleine Karabiner zu finden die auch noch gut aussehen und zur jeweiligen Weste passen.

Ein weiteres Fach das ich zusätzlich angebracht habe: Das große Rückenfach. Hier kann ich wunderbar kleine Frisbees verstauen oder auch 2-3 Dummies.

Damals war es eines der Highlights für mich: Am Rücken störten mich die größeren Sachen nicht und ich fand es richtig genial selbst dafür keine weitere Taschen mitnehmen zu müssen. Einige kaufen dafür Dummywesten. Aber wer mal nach Dummyweste im Netz schaut, sieht wie hässlich und klobig die meist sind…. Die würde ich mir nur kaufen, wenn ich wirklich intensiv Dummyarbeit betreiben würde. Da wir zwar Dummies besitzen, uns da aber nie richtig eingearbeitet haben (unsere Leidenschaft wurde das Mantrailing), hat sich beides bei uns nicht durchgesetzt. Denn auch die Frisbee verwenden wir inzwischen nicht mehr.
Ich hab mich daher beim Schreiben dieses Blogbeitrags kurz gefragt, ob ich es daher für Weste Nummer 3 weglasse. Da ich die neue/zukünftige Weste aber bereits im Anschluss dieser zwei zugeschnitten habe und inzwischen bemerkt habe, dass ich das Rückenteil inklusive beider Reißverschlüsse bereits genäht habe, hat sich meine Überlegung erledigt 😉 Macht aber nix, wenn es nicht genutzt wird, trägt es schließlich auch nicht auf:

Die Weste wird laut Originalanleitung nicht gefüttert, sondern wahlweise mit der Overlock versäubert oder mit Schrägband eingefasst. Ich habe mich für die Schrägbandvariante entschieden: Hong Kong Seam Finish. Für die Probeweste habe ich einen Mix aus vorhandenen Schrägbändern verwendet, für die eigentliche Weste wurde es ein Atelier Brunette Schrägband, das ich eigentlich für ein Kleid gekauft hatte. Aber als ich gesehen habe wie toll das zum Hauptstoff passt, wurde es erstmal zweckentfremdet. Einen Aufhänger habe ich daraus auch noch genäht.

Ich habe zwar sehr viel ohne Anleitung gearbeitet, kann aber trotzdem sagen, dass die Anleitung sehr gut und durchdacht ist und eine gute Verarbeitung beinhaltet.

Bente freut sich bestimmt auch, dass ich Dank Weste alles für ihn dabei habe und doch immer alle Hände frei für ihn.
Bei Ansicht der 1,5 Jahre alten Fotos fiel mir als erstes auf wie klein Bente da noch war. Und als zweites, dass ich die beiden damals gekauften Hundehosen gar nicht mehr trage, da meine selbstgenähten Jeans so! viel! bequemer sind 😀

Fazit zur Weste: Ich habe sie wirklich immer gerne getragen. Weitere Versionen müssen aber einen robusteren Stoff bekommen. Der hier gezeigte Tencel ist (war kurz) superschön, aber leider sah er schon nach der ersten Wäsche gar nicht mehr sooo gut aus.

Damit Versabschieden wir uns und lassen nur noch ein paar Fakten da:

Schnitt: Envigado Vest von Itch to Stitch, aber mit vielen eigenen Zusatzfunktionen
Größe: 4, aber minimal Weite in der Seite hinzugegeben.
Stoff: Tencel Twill “Copper”, 6OZ von Blackbird Fabrics (siehe Text, würde ich nicht empfehlen für die Weste)
Reißverschlüsse: von Wächtershäuser
Schrägband: Viskose Dune Chestnut von Atelier Brunette
Änderungen: größere Taschen plus Fächer innerhalb der Taschen; Rückentasche hinzugefügt, Hundepfeifentasche hinzugefügt, Aufhänger hinzugefügt

4 Kommentare zu “Envigado Vest von Itch to Stitch – oder auch: Die “Hundeweste”

  1. Wow, die Weste ist sehr schick und super durchdacht! Ich glaube, ich brauche den Schnitt auch, dabei habe ich gar keinen Hund 😀
    Ja, mit der Stoffwahl ist das immer so eine Sache … Ich hatte auch schon Fälle, wo ich im Nachhinein besser einen anderen verwendet hätte. Aber bei der nächsten Version kannst du ja auch das optimieren 🙂

    1. Danke dir 🙂
      Du kannst dir ja mal den Hashtag bei Instagram durchschauen, da sind jede Menge Nicht-Hundewesten dabei die echt schick sind. Allerdings… Ich glaube wenn ich sie wirklich als wärmende Weste nähen würde, würde mir das wärmende Lining fehlen, das würde ich ggf. ergänzen.

  2. Deine Weste ist großartig. Die Optik an sich ist schon richtig gut, aber ich bin besonders beeindruckt von diesen fast schon detailverliebten Taschen. Die sind bis ins letzte bisschen durchdacht. Jetzt überlege ich die ganze Zeit, ob ich nicht so eine Weste für die Gartenarbeit brauche, oder als Windbreaker beim Fahrradfahren.
    Viele Grüße, Stefanie

    1. Dankeschön!! Wo du grad Gartenarbeit erwähnst: Kennst du die Schnitte von Waffle Patterns ?? Z.b. „ Utility apron / Tool belt -Kaede“. Das ist sicher auch perfekt für den Garten. Sie hat einige Schnitte (Hose, Rock, etc.) die voller praktischer Taschen sind die alle unterschiedlich und „besonders“ geschnitten sind. Da hab ich auch ein paar Schnitte auf meiner to sew list 🙂
      Lieben Gruß, Melanie

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