Tücher

Der „Among the Shadows Shawl“

Ich habe länger nichts kreatives für andere gemacht. Weder genäht noch gestrickt. Und ich hatte ein wenig verdrängt wieviel Druck mir das macht. Zum einen zeitlich: pünktlich zum Termin fertig zu werden – denn meist ist es ja ein fester Termin wie ein Geburtstag oder Weihnachten zu dem ein Geschenk ansteht und ich es hasse es Gutscheine für etwas zu verschenken. Zum anderen auch vom eigenen Anspruch her. Ich bin ja inzwischen schon pingelig wenn etwas für mich ist. Bei selbstgestricktem bedeutet das: Ich stricke etwas zurück (oder ribbel es auf), wenn ich einen wirklich sichtbaren Fehler sehe. Ist es aber nicht für mich, dann ist irgendwie jeder noch so kleine Fehler sichtbar und wird behoben, auch wenn ich den Fehler erst viele Reihen später sehe.

Bei diesem Tuch fing die lange Vorbereitung schon bei der Farb- und Musterwahl an.

Ich wusste, dass ich meiner Mutter gerne ein Tuch zu ihrem nächsten (runden) Geburtstag stricken möchte. Ich wusste aber auch, dass sie eigentlich gar keine Tücher trägt. Also wie jeder andere benötigt sie (wenn es gar nicht anders geht) einen Schal, wenn es draußen sehr kalt ist. Aber ich habe sie innerhalb von Räumen noch nie mit Tüchern gesehen die sie einfach nur so zum Outfit kombiniert hat. Oder die sie getragen hat, weil sie nur leicht wärmen sollten. Und dennoch wollte ich ihr gerne eines stricken. Vielleicht gerade weil ich der Meinung war sie besitzt da noch nichts tolles. Wissen kann ich das nicht – wir wohnen an entgegengesetzten Ecken in Deutschland und sehen uns nicht häufig. Und wenn dann eher im Sommer. Aber fragen ging auf keinen Fall, denn meine Geschenke müssen wann immer es geht Überraschungen sein. Ich kann da auf keinen Fall fragen „Du sag mal, möchtest du, dass ich dir ein Tuch zum Geburtstag stricke? Würdest du das auch tragen? Und wenn ja welche Farbe und welche Form würden dir da gefallen?“ Nee! Geht nicht! Ich habe da irgendwie den eigenen Anspruch, dass ich errate was derjenige braucht. Evtl zu einem Zeitpunkt an dem der Beschenkte das selber noch gar nicht weiß Und dann besteht meine selbsterlegte Aufgabe darin, dass ich selber herausfinden muss was demjenigen steht und was er sich schon immer gewünscht hat. Ich weiß sehr wohl, dass das viiiiel mehr Zeit in Anspruch nimmt als die Personen einfach zu fragen „Hey – was wünscht du dir denn zum Geburtstag?“ Aber falls dann kommt „Buch XY, warte ich schicke dir nen Link“ dann finde ich das dermaßen unpersönlich, dass ich denke, dass die Person sich das doch jetzt auch super selbst kaufen könnte. Mir selber macht das Schenken dann einfach überhaupt keinen Spaß mehr. Oder noch schlimmer: Wenn die Antwort ist „Geld“. Wenn eine Person nicht wirklich hilfsbedürftig ist, möchte ich richtig ungern Geld schenken. Ich verstehe wenn jemand auf etwas großes sparen möchte, aber ich selber finde das unpersönlich und höchst unangenehm Geld zu verschenken. Ich verschenke gerne Überraschungen. Dinge mit denen der Beschenkte überhaupt nicht rechnet, die er sich aber immer schon gewünscht hat, mir aber eben nie erzählt hat. Und wenn es eine Überraschung bleiben soll, dann muss ich ja erraten was genau dieses „immer schon gewünscht“ sein könnte. Und das macht es natürlich anstrengend. Und zeitraubend. Und dennoch mache ich es immer mal wieder bei wechselnden Personen aus meinem näheren Umkreis.

Wenn bei der Geschenkeübergabe die Überraschung und die Freude dann wirklich groß ist, dann hat sich meine lange Vorbereitungszeit plus ggf. die Durchführungszeit falls das Geschenk selbst gemacht ist damit gelohnt und ich bin zufrieden 🙂

Das also zur (langen) Vorgeschichte. Ich wollte etwas Besonderes schenken, ich wollte eine Überraschung schenken.

Und obwohl ich meine Mutter eben nie in Tüchern gesehen habe, konnte ich mir Dreieckstücher so gar nicht an ihr vorstellen. Ich habe dann wirklich Wochen(!) damit verbracht ein geeignetes Strickmuster zu finden. Und gleichzeitig sollte es ein Muster sein das zumindest ein wenig Abwechslung für mich bietet. Gefunden habe ich bei Ravelry dann den „Among the Shadows Shawl“ von Kelene Kinnersly. Der hatte eine schöne Rundung und und mir gefiel die Struktur des einfachen Musters.

Die Art und Weise wie er dafür sorgt, dass der Anfang eben kein Dreieck, sondern eine Rundung wird, fand ich spannend. Der Rest war sehr schnell …. nicht mehr spannend. Aber der Vorteil davon: Ich konnte immer und überall weiter stricken ohne großartig zu denken. Und das habe ich dann gemacht: Bei jeder einzelnen Zugfahrt zur Arbeit und zurück, bei jeder noch so kurzen Autofahrt als Beifahrerin, im Wartezimmer und teils in meiner Mittagspause auf der Arbeit. Es war mein Mitnahmeprojekt für jeden Tag – 4 Wochen lang. Gestrickt habe ich solange bis die Wolle fast aufgebraucht war:

Ich habe 2 Stränge á 100g Malabrigo Arroyo in der Farbe „Choco 686“ und damit insgesamt etwas mehr als 600 Meter gekauft. Angegeben für das Tuch waren 384 – 411 Meter. Aber als ich das erreicht habe, fand ich das Tuch doch noch sehr schmal. Und ich hatte ja eh 2 Stränge, da ich schon geahnt habe, dass 300 Meter eben nicht ausreichen werden.

Das „Ende“ laut Strickanleitung. Bei mir aber erst Zwischenstand

Mit der Woll- und Farbwahl hatte ich mich übrigens auch schwer getan. Ich hatte eine bestimmte Farbe im Kopf, konnte sie aber nicht benennen (Brombeere? Aubergine? Aber nicht zu lila. Und nicht zu dunkel. Evtl leicht ins Bräunliche?? Und irgendwie meliert oder mit Farbverlauf!) Und einmal im Kopf konnte ich mir auch nichts anderes mehr vorstellen. Gefunden hab ich die dann Schlussendlich in einem französischen online shop. Bei „Lil Weasel“ musste ich nämlich Wolle nachbestellen, da meine vor Ort gekaufte Wolle „Woolly Muscade“ für mein Tuchprojekt „One more Stripe“ von Melanie Berg (liegt seither Brach) leider nicht gereicht hat. Aber somit haben sich immerhin die Portokosten aus Frankreich rentiert.

Mein Zeitdruck lag darin, dass ich das Tuch Mitte November verschenken wollte, zuvor aber gerne auch noch eines für meine Schwester stricken wollte die nämlich zuvor auch einen runden Geburtstag feierte. Nach langer Vorbereitungszeit konnte ich am 14. September mit dem Stricken starten und wurde exakt 4 Wochen später fertig: am 14. Oktober. Damit hatte ich auch noch mal exakt die gleiche Strickzeit für das Tuch meiner Schwester. Aber dazu nächstes Mal mehr 😉

Hier noch kurz die Fakten für dieses Tuch:

Wolle:
2 Stränge á 100g Malabrigo Arroyo in der Farbe „Choco 686“
(38,60€)
100 % Schurwolle; Garngruppe Sport, 5 ply
Die Wolle lässt sich sehr angenehm verstricken.

Der Flauschfaktor:
Mittelweich würde ich sagen. Nicht super flauschig, aber sehr angenehm weich.

Muster / Anleitung:
Among the Shadows Shawl“ von Kelene Kinnersly.
Englische Anleitung; $7.14 USD. Den Preis finde ich für das bisschen Muster ein wenig happig
Ob ich es nochmal, bzw. auch für mich einmal stricken werde, ist noch offen. Eher nicht…..
Die Anleitung ist sehr einfach zu verstehen, wird aber leider auch nach kurzer Zeit eher langweilig.
Das Muster kommt durch die ausgewählte Farbe leider nicht so rüber wie bei dem hellen Grau das bei Ravelry als Designbeispiel gilt.
Ich finde es dennoch schön und ich finde es sehr passend für meine Mutter für die ich die Anleitung ja gekauft habe.

Der Zeitfaktor:
4 Wochen als „immer mit dabei-Projekt“

Gestrickt mit: 
Lykke-Holznadeln 3,5mm

Stephen West – Vertices Unite Shawl

Die Ankündigung zum StrickelfenKAL (Knit ALong – organisiert von den Strickelfen) mit dem Aufruf „Strickt mit uns Designs nach Stephen West“ hat mich Ende Juni daran erinnert, dass ich seit Herbst 2018 die Anleitung und auch schon die passende Wolle für den Vertices Unite Shawl bereitliegen habe.

Mein anspruchsvollstes Projekt bis dato war allerdings der Drachenfels-Shawl und irgendwie habe ich mich noch nicht so recht an Vertices Unite rangetraut. Der Westknits-StrickelfenKAL war also ein gelungener Popotritt das kreative Tuch von Stephen West, das ich schon so lange angehimmelt hab endlich mal anzugehen.

Über Instgram habe ich während des KALs folgende Fortschritte gezeigt:

Die verwendete Wolle:
Aus der Essentials Cashlana DK hatte ich mir schon mal ein Stirnband gestrickt. Das war dann leider ein wenig zu klein für mich, aber das Garn fand ich toll. Es war gut zu verstricken und durch den Kaschmir-Anteil (20% Kaschmir, 80% Schurwolle) richtig schön weich. Damit war die Wolle schon mal ausgesucht. Ein weiterer Vorteil von dieser Wolle waren die vielen „ruhigen“ Farbtöne aus denen ich auswählen konnte. Ich wollte eine Kombination finden, die ich im Herbst und Winter mit möglichst vielen meiner Kleidungsstücke kombinieren kann. Die Farben hatte ich damals sehr akribisch ausgesucht. Da es aber eine Online-Bestellung war, habe ich diverse Farb-Screenshots solange nebeneinander platziert, bis ich bei dieser Auswahl gelandet bin:

Das Strickbild wurde mit der Essentials Cashlana von Anfang an unglaublich sauber. Ich hab das Tuch zwischendurch echt immer wieder sehr zufrieden angestarrt 🙂

Muster / Anleitung:
Eigentlich war es ja zu erwarten: Wenn man einfach nur Schritt für Schritt der Anleitung folgt, ist die Angst das Projekt könnte noch zu schwer sein völlig unbegründet.
Es war sogar so, dass es wirklich von Anfang bis Ende eine Freude war dieses Tuch zu stricken.

Boneyard war das erste Tuch das ich mit einer Anleitung von Stephen West begonnen hatte. Die Anleitung gab es kostenlos und sogar auf Deutsch über Ravelry. Vertices Unite habe ich (gerne) gekauft und hier musste ich mit der englischen Version Vorlieb nehmen. War aber kein Problem, es gab nichts was ich aufgrund von Sprachschwierigkeiten nachschlagen musste.

Nur für ein paar wenige Techniken musste ich das Internet zur Hilfe nehmen:

  • M1 = make one: Eine Masche die man durch einen Umschlag dazumogelt. Das war per Minivideo schnell abgeschaut
  • Pick up and knit into the last section: Ich glaube das war mein größter Angstgegner, dass ich mir vor dem Start noch nicht vorstellen konnte wie man denn all diese einzelnen Bereiche aneinander bekommt Das geschah dann durch Pick up and knit into the last section. Hier konnte ich mir anhand der Anleitung ungefähr vorstellen wie das gemacht werden könnte, hab aber zur Vorsicht noch ein Video angeschaut.

Und dann gab es im ganzen Tuch nur noch zwei Stellen mit denen ich mich etwas schwer getan hab:

1) In das entstandene Dreieck von Sektion 1 und 2 strickt man Sektion 3  (Siehe Instagram-Bild 2 und 3 oben). Das habe ich bestimmt 8 x versucht aber nicht hinbekommen. Allerdings war ich da anscheinend einfach nur unkonzentriert, denn die Lösung des ganzen war: einfach nur wiederholen / nachstricken was da steht. Ich habe wirklich 8 x immer wieder das gleiche gemacht (und wieder aufgeribbelt) und beim 8. Mal passte es dann. Keine Ahnung was da vorher falsch lief.

2) Der andere friemelige Part war nichts was mir merkbar schwer fiel. Aber nachdem ich Sektion 3 und 4 fertig hatte, war dann ersichtlich, dass ich es leider nicht geschafft habe sie zusammen mit Sektion 1 als schönen Spitze zusammenlaufen zu lassen. Das ist bei mir alles leicht versetzt. Evtl hab ich bei Sektion 1 ein/zwei Reihen vergessen ohne es zu bemerken??

Wer den Fehler finden möchte: Links bei meinem Zopf die Stelle an der Rauchgrau (Sektion 4), Safran (Sektion 3) und die Streifen aus Mauve und Kiesel (Sektion 1) zusammenlaufen (oder eben nicht so richtig spitz zusammentreffen)

Es ist kein Drama, aber ich werde beim nächsten Tuch mal drauf achten. Ein nächstes wird es nämlich definitiv geben. Das Stricken von diesem Tuch hat so viel Spaß gemacht! Ich habe ja zeitgleich noch den Boneyard-Shawl in Arbeit gehabt. Hier „durfte“ ich eigentlich schön stumpf immer nach dem gleichen leichten Muster vorgehen. Also ein Projekt bei dem ich mich gar nicht konzentrieren musste. Perfekt geeignet für einen Serien-Marathon mit dem Mann aber auch für die Zugfahrt zur Arbeit um 7 Uhr morgens. Das Problem war nur: Der anspruchsvollere Vertices Unite hat mir so viel mehr Spaß gemacht, dass ich den Boneyard immer mal wieder aus Vernunft einpacken musste, damit der auch weitergestrickt wird. Selbst als mein Vertices Unite eigentlich schon viel zu unpraktisch war, um es noch mitzunehmen, hab ich es weiterhin eingepackt und weiterhin unterwegs gestrickt (Instagram-Bild Nummer 4 aus der Reihe oben). Am unhandlichsten dabei waren die ganzen stillgelegten Reihen. Ich habe dafür Seile genommen die halt zur Hand waren, aber leider auch sehr lang und sperrig.

Die Passform:
Wenn ich #verticesuniteshawl bei Instagram eingebe, könnte ich gefühlt jedes zweite Tuch speichern und genauso nachstricken. Es gibt so unendlich viele tolle Farbkombinationen.

Der für mich größte Grund das Tuch nochmal zu stricken ist aber die Passform / die Größe meines Tuches. Ich hatte mich damals erstmal nur für die kleine Version des Tuches entschieden. Aber leider hatte ich zu der Zeit überhaupt nicht auf Tragebilder der kleinen Variante geachtet. Dann hätte ich gesehen, dass die Zipfel schon sehr nah am Hals enden. Auch mir ist das Tuch gefühlt deutlich zu klein (zu kurz?) Also natürlich kann ich es tragen. Aber mir hören die Zipfel des Tuches für meinen Geschmack zu weit oben auf. Wenn ich das Tuch nur mit und unter der Jacke trage ist die Länge völlig okay. Alles wird abgedeckt und ausreichend gewärmt. Ich bin alleine mit der Optik der Länge nicht 100%ig zufrieden. Wenn ich das Tuch ohne Jacke anlasse (also drinnen und aus Gemütlichkeit) dann kommt es mir einfach etwas zu kurz vor. Aber das sind jetzt nur meine Gedanken mitten im Sommer. Mal abwarten was ich darüber denke, wenn ich es wirklich brauche. Für die Fotos habe ich einen schlichten grauen Pullover kombiniert in dem ich schon nach kurzer Zeit sehr eingegangen bin. Es hatte fast 30 Grad. Aber da ich ein Herbst-Winter-Tuch präsentiere, hätte ich Fotos im ärmellosen Top auch komisch gefunden

Der Flauschfaktor:
Ich habe es schon angedeutet: Das Tuch ist nur was für kalte Außentemperaturen. Die Wolle ist sehr warm und dick und falls der Herbst sehr kalt wird oder aber der Winter gekommen ist, werde ich mich sehr über das kuschelig-warme Tuch freuen. Es fühlt sich außerdem sehr hochwertig an.

Beim nächsten Mal werde ich aus einer nicht so warmen Wolle die große Version stricken. Dann kann ich das Tuch öfter um den Hals wickeln und mir aussuchen wie und wo ich es trage.

Hier sind noch meine Reste aus dem Projekt zu sehen. Da ich die Farbkombination einfach so schön finde, versuche ich die Reste auch noch zusammen zu verstricken. Wahrscheinlich werden es passende Handstulpen zu meinem Schal. Ich habe immerhin schon ein Muster für Handstulpen mit 4 Farben gefunden. Die fünfte Farbe werde ich evtl einfach dazumogeln

Bei Instagram findet ihr unter dem Hashtag strickelfenkal schon einige Ergebnisse und noch mehr Fortschritte der anderen Teilnehmer. Und vielleicht gibt es ja auch noch den einen oder anderen Blogpost. Ich war jedenfalls extrem überrascht wie viele Muster Stephen West bereits entworfen hat.

Ganz lieben Dank für die Organisation des StrickelfenKALs! Ich bin dadurch um zwei Tücher reicher geworden und demnächst dann auch noch um einige Euro ärmer. Muss ja noch Wolle für den großen Vertices Unite kaufen 😉

Meinen Ravelry-Bericht mit den reinen Fakten gibt es hier zu sehen.
Aber auch am Ende diesen Beitrags hinterlasse ich noch ein paar kurze Fakten.

Viele Grüße,

Gestrickt mit: 
Nadeln: Lykke Nadeln der Stärke 3,5.
Wolle: Essentials Cashlana DK 25G; (80% Schurwolle, 20% Kaschmir); Lauflänge 62 m; 4,19 € /Knäuel
Verwendete Farben: Mauve (Sektion 1 und 5), Ecru (Sektion 2 und 5) Kiesel (Sektion 1 und 6), Safran (Sektion 3), Rauchgrau (Sektion 2, 4 und iCord-Rand)
In der Einteilung der Anleitung nach A-E sortiert: A Mauve; B Kiesel; C Ecru; D Rauchgrau; E Safran

Der Zeitfaktor:
Exakt kann ich es nicht mehr sagen (obwohl ich einen Strickmich-Planer besitze den ich grad offensichtlich nicht aktiv benutze), aber laut Instagram-Bilder: Keine 20 Tage…. Ich konnte das Tuch schwerlich weglegen, habe aber dennoch nicht täglich dran gestrickt. Die reine Strickzeit liegt also deutlich drunter. Ich versuche das beim nächsten Tuch zu dokumentieren.

„Boneyard Shawl“ – ein Dreieckstuch von Stephen West

Werbung, da Designer und Marken genannt werden. Alles selbst gekauft

Mit diesem Tuch habe ich wohl die einfachste und simpelste Anleitung von Stephen West rausgefischt. Wer den „Strickmeister“ kennt, weiß dass seine Anleitungen strotzen vor Kreativität, Farbexplosionen und verschiedenen Strukturen. Also warum ausgerechnet dieses?
Erst einmal bin ich ja noch Strickanfänger, somit kann einfach ja generell nicht schaden. Aber der Grund des Tuches war eine Fehlbestellung. In diesem Tuch stecken 5 Knäuel Lamana Perla in der Farbe Curry. Bestellt habe ich das Garn als Kit für ein Shirt. Ich habe bei der Bestellung aber nicht drauf geachtet, dass die Wolle nur Kaltwäsche verträgt. Ich habe sogar eine Maschenprobe angefertigt und diese auf 30° Wollwäsche gewaschen. Aber tatsächlich sah das Strickbild danach nicht mehr so schön aus wie vorher. Damit war es für mich definitiv raus beim Thema Kleidung. Und was macht man jetzt mit 5 (nicht so billigen) Knäuel wenn man sich grad noch frisch über sich selbst ärgert und das Geld Garn nicht einfach nur im Schrank versauern lassen möchte? Ich habe bei Ravelry geschaut was ich aus 5 Knäuel der gleichen Farbe stricken könnte und der Boneyard Shawl war das Ergebnis meiner Recherche. Jane (Jetztkochtsieauchnoch) hatte zur gleichen Zeit angekündigt, dass es im Juli bei Instagram den StrickelfenKAL zum Designer Stephen West geben wird. Das passte doch gut. Angestrickt habe ich aber schon Ende Juni. Meine Zwischenergebnisse die ich über Instagram gezeigt habe:

Der Anfang hat mich ein Weilchen beschäftigt. Mir war nicht von Anfang an klar, dass die beiden Maschenmarkierer mitwandern müssen. Nur so macht es wirklich Sinn und nur so klappt das Anfangsmuster.

Der Rest der Anleitung war wirklich kinderleicht. Nach ein paar Reihen brauchte ich auch keine Anleitung mehr. Das wenige das man beachten muss, kann man sich sehr gut merken. Zu 97% strickt man dann nur noch eine Reihe rechte Maschen, eine Reihe linke Maschen. Falls ihr wissen wollt was die andere 3 % sind: Den Boneyard Shawl gibt es kostenlos bei Ravelry.

Das Garn besteht aus 60% Baumwolle, 25% Alpaka und 15% Seide, ließ sich wunderbar verstricken und fühlt sich auch toll an.
Die Empfehlung der Nadelstärke: 3,5 – 4,5. Ich habe Lykke Nadeln der Stärke 3,5 mm verwendet.

Das einzige was mir an der Anleitung gefehlt hat, war eine Empfehlung zur Seillänge. Zwar bleibt es dem Stricker offen wie groß er das Tuch werden lässt, aber ich musste 2 x auf ein größeres Seil wechseln (150er Seil am Schluss), da ich den Umfang anfangs so gar nicht einschätzen konnte.
Was ich ebenfalls nicht einschätzen konnte: Wieviel Garn ich übrig lassen muss für den Rand. Auch hier gibt es keine Angaben. Nur dass der Rand ca. 5cm breit wird und man rechtzeitig schauen soll, dass noch genug Garn übrig bleibt. Ich war daher übervorsichtig und hab noch 1/2 Knäuel übrig.
Die finale Größe meines Tuches:

Ich habe hauptsächlich unterwegs während meiner Zugfahrten am Tuch gestrickt und 2 x im Café. Normalerweise weiß ich es unterwegs zu schätzen, wenn ich nicht viel denken muss und größtenteils einfach vor mich hinstricken kann. Hier hab ich mich jedoch oft…. ich will nicht unbedingt sagen „gelangweilt“… aber zumindest unterfordert gefühlt. Das führte dazu, dass ich nebenbei noch ein anderes, komplexeres Projekt von Stephen West angefangen habe: Das Vertices Unite. Beide Projekte habe ich dann immer abwechselnd gestrickt, wobei ich immer nur aus Vernunft zurück zum Boneyard Shawl gewechselt bin (ich wollte kein UFO riskieren) und mich immer gefreut habe, wenn das Vertices Unite wieder an der Reihe war. Das ist übrigens mittlerweile auch fertig und wird demnächst noch auf dem Blog gezeigt. Hier erstmal zwei weitere Fotos vom Boneyard Shawl:

Mein Fazit: Es ist kein Strickhighlight. Weder vom Spaß am Stricken noch vom Endergebnis. Aber es gefällt mir trotzdem und gibt ein schönes Basic-Tuch. Und gerade weil es einfarbig ist und aus meiner Lieblingsfarbe Curry, werde ich es im Herbst und Winter ganz sicher oft tragen und gut kombinieren können.

Viele Grüße,

Fakten:
Strickmuster: Boneyard Shawl von Stephen West
Garn: 4,5 Knäuel Lamana Perla (7,50€/Knäuel/50g); Farbe 08_Curry
verwendete Nadeln: Lykke Nadeln der Stärke 3,5 mm (Seillänge am Schluss: 150cm)
Maße des fertigen Tuches: 148 cm x 99 cm
Schwierigkeitsstufe: sehr einfach

„Drachenfels“ von Mairlynd

Werbung: Ich werde im folgenden Post Marken nennen, habe jedoch alles selber gekauft

Dieses Tuch habe ich bereits im Oktober 2018 fertiggestellt und auf Instagram gezeigt. Aber ich habe nun auch auf meinem Blog die Kategorie GESTRICKTES hinzugefügt mit diversen Untermenüs wie Tücher, Socken, Shirts (in Planung) und Strickzubehör. Ich werde nach und nach die Blogbeiträge schreiben und zuordnen, auch für Projekte aus dem letzten Jahr. Die Kategorie STRICKZUBEHÖR wird wohl selten mit etwas gestricktem befüllt, eher mit genähtem, aber eben für das Stricken.

Heute zeige ich euch das Tuch Drachenfels von Mairlynd (Melanie Berg). Es war mein erstes richtiges Strickprojekt nach unzähligen Strick-Startversuchen (verteilt über mehrere Jahre). Zuvor habe ich immer mal etwas angefangen, etwas neues versucht, es nicht hinbekommen… …und mich wieder dem Nähen gewidmet. Ich habe teils auch auf die  perfekte Anfängeranleitung „gewartet“ dessen Projekt mir aber trotzdem gefallen sollte. Irgendwann hatte ich es aufgegeben und mich eben an etwas richtiges gewagt. Das war dann Drachenfels. Und siehe da – es war gar nicht wirklich schwer. Hätte mir ja auch mal jemand eher sagen können ;o) Ich hatte aber auch lange kein Interesse daran Tücher zu stricken die kraus rechts gestrickt werden. Ich finde glatt rechts einfach so viel schöner. Aber die Farbkombination des Drachenfels-Tuchs hat mich extrem überzeugt. Die wenigen Muster darin habe ich mir dann auch als Anfänger zugetraut.

Am Anfang musste ich allerdings mehr recherchieren als Stricken. Es ging auch bereits los mit dem Maschenanschlag. Da kannte ich bisher nur einen einzigen, es war aber ein elastischer Maschenanschlag gefordert. Nach der Suche war ich dann geplättet wie viele verschiedene es gibt. Ich habe mich für den norwegischen Anschlag entschieden und mich mithilfe eines Videos durchgewurschtelt. Es waren aber ja auch nur 6 Maschen anzuschlagen.

Die nächste Hürde war kfbf. Bitte was? Aha: Knit front, back, front. Da gab es direkt die nächste Videounterbrechung. Bei den ersten zwei Versuchen hatte ich dennoch  das Gefühl ich müsste mir die Finger brechen bei der Ausführung. Aber bereits Versuch 3 und 4 lief dann schon sehr gut. Das waren dann schon erste kleine Erfolgserlebnisse.

Nun wiederholt man ja relativ häufig verschiedene Reihenabfolgen. Das hat mich anfangs schon leicht überfordert. Als ich dann mit 2 Maschenzählern gleichzeitig gearbeitet habe, ging es aber. Dachte ich zumindest. Ich habe nämlich leider etwas sehr wichtiges übersehen:

Abschnitt 1 und 2 haben jeweils Abfolgen die man erst getrennt strickt und dann abwechselnd wiederholt. Abschnitt 2
besteht aus 5 Abfolgen. Von denen die letzte Abfolge aber leider auf einer separaten Seite ist. Alles andere steht zusammen! Und wenn man schon weiß, dass man ab jetzt nur noch 1 und 2 immer wieder wiederholt gibt es scheinbar keinen Grund umzublättern. Da stehen aber leider noch 2 Reihen die mir nun im Muster fehlen.
Ich habe es aber erst ganz am Schluss gemerkt, als ich gesehen habe, dass die Tücher anderer anders aussehen als meines…. Hier hätte man echt das Layout entsprechend optimieren können. (Z.B. das Foto ein klein wenig kürzer und schon hätten die 2 Reihen noch mit drauf gepasst.) Ansonsten ist die Anleitung toll und eben auch mit ein klein wenig eigener Recherche auch bestens für Anfänger geeignet. Aber das hat wirklich meine Stimmung getrübt. Ich habe später noch entdeckt dass Julia-Maria (Feinmotorik) den gleichen Fehler gemacht hat bei ihrem ersten Drachenfels-Tuch.

Im Endeffekt bin ich auch deshalb froh, dass ich mich nicht getraut habe mein erstes großes Projekt gleich mit dem Garn zu stricken das in der Anleitung empfohlen wird (Cheeky Merino Joy von  Rosy Green Wool). Ich wollte nicht gleich 60€ für ein Übungsprojekt verballern.

Die gewählte Wolle hat mich dann knapp die Hälfte gekostet. Ich habe die „Essentials Merino Plus DK“ von Rico Design verwendet. Das Garn besteht aus 50% Schurwolle und 50% Polyacryl und ich würde es mal als mittelweich bezeichnen. Bei wirklich weich kamen wir leider wieder an ein Preissegment bei dem ich dann auch gleich die Cheeky Merino Joy hätte nehmen können…. Ich hab das Garn bei Wolle Rödel gefunden und dort nach etwas herbstlichem gesucht und dies war die einzige Wolle im gesteckten Preisrahmen die nicht nur Pastell oder Knalltöne hatte. Wirkliche Auswahl konnte ich auch bei  diesem Garn nicht treffen, es beschränkte sich tatsächlich auf die 3 Garne die ich kombinieren konnte. Die Farbbenennung ist nicht sehr kreativ: Rot, Anthrazit Tweed und Beige

Das Anthrazit in der Mitte gab es auch nur mit Tweed. Da hatte ich etwas Angst, dass es einen großväterlichen touch bekommt. Das hält sich am fertigen Tuch aber in Grenzen.

Bei diesem Projekt hatte ich zum Glück schon meine Maker’s Tote Stricktasche fertig. Das war eine Riesenhilfe, da ich das immer größer werdende Tuch anfangs ausschließlich unterwegs gestrickt habe (Bahnfahrten / Mittagspausen im Innenhof). Das Tuch selber hat viel Platz benötigt, ich brauchte stets 3 Knäuel, die beiden Maschenzähler und diverses andere Zubehör. Aber irgendwann hat das Tuch Dimensionen angenommen bei denen es trotz Projekttasche gar nicht mehr praktisch war es mitzunehmen und ich musste ein paar Sofa-Strickstunden einlegen.

Da mit den wechselnden Farben oft genug etwas neues passiert, kam beim Stricken keine Langeweile auf. Nur der iCord am Ende zog sich etwas. Andererseits gab es da wieder etwas nachzuschlagen und ich freute mich auch nochmal etwas neues zu lernen. Das Ergebnis des iCord-Abschlusses ist den Aufwand auch auf jeden Fall wert, es sieht sehr hochwertig aus.

Insgesamt stellte sich ein großes Erfolgserlebnis ein und das Gefühl endlich diese Hürde des „Stricken lernens“ überwunden zu haben. Nachdem ich dieses Tuch stricken konnte, traute ich mir auch zu andere Strickstücke nur mit Hilfe der Anleitung (die ja oft eher wortkarg sind) zu lernen. Das Drachenfels wollte ich aber unbedingt noch mal in weicher, schöner (Farben!) und richtiger und somit hab ich die Wolle für ein weiteres Tuch auch sehr schnell nach Fertigstellung des ersten bestellt: Die Cheeky Merino Joy in den Farben, Taupe, Edelweiß und Sonnenblume.

Das Tuch ist sogar schon sehr weit. Nur leider hab ich es irgendwann zur Seite gelegt. Erst hatte ich keine Zeit mehr, aber dann wusste ich nicht mehr an welcher Stelle der Anleitung ich aufgehört habe. Nun muss ich ganz ganz viele Maschen zählen um das noch nachzuvollziehen. Aber aktuell läuft ein KAL auf Ravelry (noch bis zum 07. Juli). Ich habe noch nicht die geringste Ahnung wie man über Ravelry bei sowas mitmacht. Aber das wäre ein guter Anlass das seit Monaten brachliegende Tuch endlich fertigzustellen. Auch wenn ich bei 30 Grad sicher nicht das Bedürfnis haben werde es dann gleich zu tragen.

Hier ist noch mein Ravelry-Eintrag zum Tuch.

Viele Grüße,