Weihnachtskleid 2021 – Grasser 704

Mein Weihnachtskleid ist nicht pünktlich zu Heiligabend fertig geworden. Aber das musste es auch gar nicht. Das gemeinsame Nähen sollte für mich eher Ansporn sein überhaupt eine ungefähre Zeitvorgabe zu haben und nicht zu sehr rumzutrödeln. Das hat auch geklappt. Ich habe in der Zeit 13/4 Kleider genäht. Damit hab ich im Dezember ungewöhnlich viel Zeit an der Nähmaschine verbracht. Manchmal hatte ich ein wenig schlechtes Gewissen weil andere Dinge und Personen dafür zurückstecken mussten. Aber dennoch hat mir die Zeit für mich alleine auch gut getan.

Rückblick -Mein Vorhaben:
Ein Hemdblusenkleid mit Kragen, mit langen Ärmeln und Manschetten und mit weitem (gefüttertem) Rock sollte es werden. Tagelang(!) habe ich einen passenden Schnitt gesucht und mir am Ende einen zusammengebastelt. Hiervon berichtet mein Plan zum Teil 1 des Sew Alongs auf Instagram

Instagram Beitrag WKSA Teil 1

Das Megan Nielsen „Matilda Dress“ mit der Ärmellänge und den Manschetten von Grasser #704.
Dass dieser Plan nicht aufging, hat der zweite Bericht auf Instagram gezeigt: 

Instagram Beitrag WKSA Teil2

Mir gefiel wie das Oberteil saß und ich mochte die Brusttaschen. Nicht so stimmig war die Form der Ärmel. Die hatte ich ja selber verlängert, das lag also nicht am Schnitt. Was mir aber am Originalschnitt überhaupt nicht gefiel war die Rocktaschenlösung. Sie sahen nicht schön aus und hatten so wie sie waren keine Funktion. Wenn ich meine Hände in die Taschen steckte (oder etwas anderes), sah das wirklich furchtbar aus. Aber ich wollte ein praktisches Kleid nähen und die Taschen sollten keine nutzlose (nicht mal hübsche) Zierde sein. Der Rock war zu lang (was ich natürlich noch hätte ändern können) aber es fehlte mir auch Volumen im Rock.

Ich war also einerseits zufrieden (Passform, Oberteil) aber dennoch war es nicht der Schnitt der mir vorschwebte und ich wollte ihn erstmal nicht zuende nähen.

Der eigentliche Plan – das Wanderkleid
Der Hauptgrund dafür war, dass dieses Weihnachtskleid eine tragbare Probe für ein geplantes „Wanderkleid“ werden sollte. Mein zukünftiges Wanderkleid möchte ich auch bei kälteren Temperaturen tragen (daher auch der Wunsch nach langen Ärmeln und hoch geschnittenem Kragen). Ein breiter Rock soll für viel Beinfreiheit sorgen und die Stoffwahl (es wird später Flanell) für die nötige Wärme und Gemütlichkeit. Es soll aber vor allem auch richtig hübsch sein. Oft ist Wanderkleidung ja nur praktisch. Da ich aber sehr viel spazierend und wandernd unterwegs bin, möchte ich nicht immer nur „praktisch“ rumlaufen, sondern eben praktisch UND hübsch gekleidet.

So in etwa sah das tatsächlich in meinen Vorstellungen aus 😉

Mit diesem Plan im Hinterkopf konnte ich das erste Kleid erstmal nicht weiternähen und eine neue Lösung musste her.

Muriel fragte mich mehr als einmal warum ich nicht einfach das Kleid Grasser #704 als Basis nehme und alles ändere was der Schnitt nicht mitbringt. Ich hatte mich aber zunächst ein wenig gesperrt und geschaut, ob es nicht doch einen fertigen Schnitt gibt, der all meinen Anforderungen entspricht. Der Rock des Grasser-Kleides war lang und schmal geschnitten. Außerdem ist es ein Jeanskleid und ich dachte es hätte überall Kappnähte und ich müsste bei jedem Nähschritt umdenken. Das klang mir zu anstrengend und ich wollte lieber stur nach Anleitung nähen. Aber weil Muriel hartnäckig blieb und ich auch nach erneuter Suche nicht „meinen“ Schnitt fand, ließ ich mich überreden. 

Die Stoffauswahl
Um nicht wieder 3 Meter Probestoff zu kaufen, musste etwas aus dem Bestand her und die Wahl fiel auf einen grauen Wollstoff der seit Jahren in der Schublade liegt, weil er eben grau ist 😉 

Dann fiel mir auf, dass der grüne Robert Kaufmann Mammoth Flannel Olive (der eigentlich mal eine Weste füttern sollte) eine tolle Kombination zum Grau sein könnte. Er würde das Kleid spannender machen und ich hätte schon ein wenig Übung für das Wanderkleid, das ich ausschließlich aus Karoflanell  (Robert Kaufmann Mammoth Flannel Rust) nähen werde.

Um sicherzugehen, dass die Stoffe wirklich gut harmonieren, hab ich mir zuvor die Zeit genommen das erstmal zu visualisieren. Das hat mir schon bei einigen Projekten vorab geholfen.

Links das Original-Grasser, rechts meine Änderungen

Die Karos
Ohne es zu merken, hab ich das Projekt damit dann doch deutlich aufwändiger gemacht als zuvor gewollt. Jedes Karo-Flanell-Detail musste nun exakt geplant werden: Wo soll welche Farbe und welcher Karo-Abschnitt auftauchen? Außerdem wollte ich natürlich alles exakt gespiegelt haben. 

Ich hatte eine genaue Vorstellung im Kopf und musste dann schnell erkennen, dass das wieder mal nicht umsetzbar ist: Die Karos meines Stoffes sind sehr groß und ergeben somit einfach einen komplett anderen Effekt als kleine Karos. Die meisten Schnittteile waren einfach nicht groß genug, als dass die Karos sich überhaupt wiederholen würden. Das hat aber überraschenderweise meinen Ehrgeiz geweckt und noch bevor ich irgendwas vom Kleid zugeschnitten habe, hab ich mich an alle Karo-Schnittteile gemacht und ausschließlich diese umgesetzt:

Die hintere Passe

Eigentlich wird sie im Bruch zugeschnitten. Da ich aber unregelmäßige Karos habe, ist sie bei mir nicht im Bruch. Damit ich wirklich 2 exakt gleiche Teile habe, hab ich mir die Abschnitte auf Folie gezeichnet und die Farben dazu geschrieben. Besonders tückisch an meinem Stoff: es gibt 2 Dunkelgrün-Töne die sich sehr ähneln, aber eben nicht die gleichen sind… Durch die Folie konnte ich aber vor allem auch gut erkennen welches Muster überhaupt im Mittelpunkt stehen soll, wieviel von jeder Farbe später sichtbar sein wird, was davon in der Nahtzugabe verschwindet, welche Farben später aufeinander treffen usw. Die Methode hab ich dann für alle weiteren Karo-Schnittteile angewendet.

Die vorderen Schulterpassen

Die Cuffs

Das war mir besonders wichtig: Ich habe exakt geplant wo welche Karos nach dem Annähen und Falten landen werden, denn das ist ja ein Bereich, den ich selber immer sehe, wenn ich das Kleid trage

Die Ärmelschlitze

Damit hab ich auch recht viel Zeit verbracht. Am Ende sieht man nur einen schmalen Streifen Stoff. Aber dieser schmale Streifen sollte trotzdem ein Karo-Muster zeigen. Und wenn man in der gesamten Hobby-Nähkarriere erst 2 Ärmelschlitze genäht hat, muss man erstmal drüber nachdenken welcher Teil hiervon später der sichtbare ist 🙂

Aber zum Glück hatte ich a) eine super gute Anleitung und b) diese Ärmelschlitze mit eben dieser Anleitung ja gerade erst genäht und so ließ sich auch dieses Rätsel lösen.

Der hintere Kragensteg

Hier habe ich mir erst im späteren Verlauf überlegt, dass auch dieser Grün statt Grau werden soll. 

Die Brusttaschen

Ebenso bei den Brusttaschen. Das Detail ist nur innen und nur ich sehe und weiß es. Aber es ist dennoch eine kleine Besonderheit über die ich mich freue


Die Änderungen für den Rock

Nachdem ich nun recht viel Aufwand für alle Karodetails betrieben habe (Aufwand der mir aber Spaß gemacht hat), hatte ich noch etwas Rest-Motivation übrig und hab mich als nächstes an die Rockänderungen gewagt. Da ich aber nur ungefähr wusste wie man ein Rockteil verbreitert, hab ich Muriel um Hilfe gebeten und wir haben das per FaceTime zusammen gemacht. Muriel hat mir u.a. Die Tipps gegeben die Abnäher rauszudrehen und auch die Taille wieder abzurunden. Denn ich habe sehr viel Volumen dazu gegeben und dadurch wurde die Taillenlinie doch sehr kantig. Die Länge habe ich außerdem um 24 cm gekürzt. Nach diesen Änderungen hab ich zunähst ein Proberock genäht um Länge und Volumen abschätzen zu können. Proberock ergab: Grünes Licht, die Änderungen waren erfolgreich 🙂

 

Die Anleitung für das Grasser Kleid #704
Die Anleitung ist auf Englisch und hat sehr viele Bilder. Die sind wirklich super hilfreich. An manchen Stellen hätte ich mir auch detailliertere Sätze gewünscht und musste ein wenig überlegen wie das wohl gemeint ist. Aber mit ein wenig überlegen kam ich dann doch immer drauf und habe mir noch den ein oder anderen Zusatz dazu geschrieben. Meist haben die vielen, guten Bilder meine Fragen geklärt und ich wusste dadurch wie was gemeint war.

Ein paar kleine Änderungen hab ich dennoch eingefügt:

Bei der Rückenpasse wird laut Anleitung die untere NZ umgebügelt und diese wird dann auf das Rückteil genäht. Ich habe stattdessen eine Innenpasse zugeschnitten und die Burritomethode angewandt. 

Auch die Vorderpassen habe ich rechts auf rechts an das Vorderteil genäht.

Als der Kragen an der Reihe war, kam ich tatsächlich dauerhaft ins Stocken und hab mir eine andere Anleitung für eine Bluse zuhilfe genommen. 

Da das Grasser Kleid #704 einen Jeansstoff vorsieht, werden alle Nähte mit Kontrastgarn doppelt abgesteppt. Ich habe jeweils nur eine Absteppnäht in der jeweiligen Stofffarbe gemacht. 

Die Brusttaschen werden erst ganz am Schluss angenäht. Das macht schon Sinn, da beschrieben wird, dass man diese dann exakter auf der Brust platzieren kann, da das Kleid ja nun bereits probegetragen werden kann. Ich wollte aber nicht das gesamte (schwere) Wollkleid unter der Nähmaschine haben und habe die Brusttaschen bereits anhand der vorgeschlagenen Markierung befestigt, als ich das Vorderteil fertig hatte. Ich bin aber mit der Platzierung sehr zufrieden.

Aus den zuvor geänderten Rockteilen habe ich auch noch Futterteile zugeschnitten. Es ist mir eh ein Rätsel warum so viele Kleider – und Rockschnitte ohne Futter daher kommen. Aber gerade für meinen Wollstoff (und später Flannel) würde ich ohne glattes Futter sicher keine Freude am Kleid haben.

Die Gürtelschlaufen und das dazugehörige Taillenband hab ich weggelassen. Ich mag den Look mit dem Gürtel für das schmale, lange Originalkleid. Für mein kürzeres, voluminöses Kleid fand ich es allerdings nicht nötig.

Fazit
Am Nachmittag des 26. Dezembers war mein „Weihnachtskleid“ dann so gut wie fertig. Nur die Knopflöcher hatte ich noch nicht genäht, da ich noch keine Knöpfe hatte für diese neue Stoffkombination. 

Mit langen Nadeln konnte ich das Kleid aber soweit schließen, dass eine Anprobe möglich war, die mich sehr glücklich gemacht hat: Das Kleid passte hervorragend und es gefiel mir unheimlich gut!!
Nur die Ärmel werde ich für die nächste Variante nach dem Schnitt ein wenig kürzen. Hier sieht man ganz gut, dass sie ein wenig zu lang sind:

Trotz kleiner notwendigen Änderungen habe ich nun erfolgreich den Schnitt gefunden mit dem ich mein Karo-Wanderkleid angehen kann und habe dazu noch ein tolles, tragbares Probekleid genäht, das sich auch nicht verstecken muss 

Die Knöpfe hab ich online gefunden: Knapsack von Merchant and Mills. Da mir vor Ort kein Geschäft bekannt ist, das diese (oder vergleichbar hübsche) Knöpfe führt, bin ich das Risiko eingegangen und hab die erforderliche Menge online bestellt ohne sicher zu sein ob die Farbe passt. Aber auch ohne sicher zu sein, ob sie rechtzeitig zum Schließen der WKSA Linkliste ankommen. Das hat leider nicht geklappt. Da ich das Kleid aber dennoch gerne zeigen und verlinken wollte, habe ich zunächst vorläufige Tragefotos online gestellt, bei dem ich die Knopfleiste nochmal durch Nadeln geschlossen hielt 😉

Die Knopfleiste war dann leider nicht ganz ohne: Obwohl ich sie mit Vlieseline verstärkt habe, verzog sich der Wollstoff einfach total. Die Knopflöcher wurden damit leider nicht gleichmäßig. Also weder die Knopflöcher selber noch die Position, obwohl ich eine Knopflochtransporthilfe verwendet habe. Ein Wollstoff ist eben doch kein perfekter Kleiderstoff… Aber gut, es ist eben doch nur das “Probekleid”, somit kann ich mit kleinen Schönheitsfehlern leben.

Ich freue mich schon auf das Nähen des “richtigen” Wanderkleides aus Flanell.

Nun stöbere ich erstmal durch alle anderen Beiträge des Weihnachtskleid Sew Alongs 2021.
Vielen Dank für die Organisation!

Liebe Grüße,

8 Kommentare zu “Weihnachtskleid 2021 – Grasser 704

  1. Hi Melanie,
    ich bin sehr stolz auf Dich, dass Du Dich so erfolgreich durch das Projekt gekämpft hast. Habe Dich sehr gerne unterstützt, auch, wenn ich manchmal das Gefühl hatte, gleich sprichst Du nicht mehr mit mir, wenn ich noch mal erwähne, dass Du die notwendigen “ganz einfach” selbst machen kannst :-).
    Die Knöpfe sehen perfekt zu dem Kleid aus. Ich bin schon sehr gespannt aufs fertige Kleid. Es ist ein Hammer-Kleid geworden.
    Lieber Gruß,
    Muriel

    1. Hi Melanie,
      hach, das Kleid ist sooo toll geworden. Vielen Dank für die vielen Detailfotos und die schönen Fotos im Wald.
      Viel Spaß beim Tragen und Erfolg beim richtigen Wanderkleid.
      Lieber Gruß,
      Muriel

  2. Deine Mühe hat auch mehr als gelohnt und ausbezahlt. Das Kleid ist so schön geworden und steht dir ausgezeichnet.
    Ich bin schon sehr gespannt auf das finale Wanderkleid, damit wirst du im Wandereinheitsfunktionsbrei garantiert auffallen.
    LG Miriam

  3. Dein Kleid ist toll geworden und der Aufwand, den Du bei dem Karoflanell betrieben hast, hat sich wirklich gelohnt. Das hat Du wirklich super präzise gearbeitet, ich bin echt beeindruckt.
    LG, Stefanie

  4. Ein Wanderkleid ist wirklich eine tolle Idee und Deine Umsetzung ist wie stets sehr spannend und professionell. Dann drücke ich die Daumen für die letzten Meter und dann frohes Wandern bei passendem Wetter! LG und ein gutes neues Jahr, Kuestensocke

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