Das Spatzjournal als Nähmaschinennadelaufbewahrung

Zumindest auf Instagram kam man in den letzten Wochen wohl nicht drum herum:
Das Spatzjournal von Spatz&Lux. Ich folge Heidi noch nicht allzu lange, daher hab ich es verhältnismäßig spät mitbekommen, dann aber schnell gemerkt, dass das Spatzjournal ganz schön cool und einzigartig ist. Und wenn ich es richtig mitbekommen habe, hat Heidi es eigentlich nur für sich genäht und Schnittmuster und Anleitung nur auf Bitten ihrer Follower*innen rausgebracht. Bis das soweit war, hab ich schon einige ihrer Beispiele bewundert, mich auch schon mit Sabrina drüber unterhalten und es ein wenig bedauert, dass ich es nicht benötige. Ich plane meine Termine nämlich ausschließlich digital. Das iPad ist für mich daher die beste Erfindung überhaupt und zusammen mit der Tastatur, dem Apple Pencil, GoodNotes und Procreate kann ich mir aussuchen wann ich ganz gewöhnlich tippe und wann ich gestalterisch plane. Also nein, ich brauchte leider kein Spatzjournal, so toll Heidis Versionen auch aussahen…

Bei einem Waldspaziergang kam mir wie aus dem Nichts die Idee wofür ich mir auch eines nähen könnte: Mein Nadelchaos!! Seit Jahren ärgerte es mich und dennoch tat ich nichts dagegen: Meine Nähmaschinennadeln flogen unsortiert in einem Kästchen rum und leider einzeln auch oft auf meinem Nähtisch. Wann immer ich die Nadel wechsel denke ich noch daran, dass ich die andere später noch in die passende Hülle zurückstecken muss. Aber das später ist dann manchmal Tage später und längst weiß ich dann nicht mehr was das eigentlich für eine Nadel war. Denn leider haben ja nicht alle Nadeln das geniale Farbsystem von Schmetz…

Aber selbst wenn ich die Nadeln wieder zurücksteckte, fehlte mir einfach das System welche schon benutzt sind und welche noch komplett neu sind. Je nach Projekt und ggf. arg empfindlichem Stoff, möchte ich mir gerne aussuchen ob ich lieber eine komplett neue Nadel verwende oder ob es auch eine tut die schon verwendet wurde.

Ich habe mir unzählige Male vorgenommen etwas zu nähen das gleichzeitig Aufbewahrung für neue als auch benutzte Nadeln ist (für benutzte hatte ich 2014 dieses Mäppchen genäht), aber ich konnte mich einfach nicht aufraffen.

Mit der Idee die mir dann für das Spatzjournal kam, war das aber anders, da war ich plötzlich Feuer und Flamme. Weil ich nun endlich einen Grund hatte mir Schnitt und Materialpaket zu kaufen, aber auch, weil ich schon wusste wie ich das mit den Nadeln lösen könnte und richtig Lust drauf hatte das auszutesten.

Den Schnitt gab es aber noch gar nicht. Nicht mal das Datum der Veröffentlichung stand fest, also hab ich mir sämtliche Benachrichtigungen eingeschaltet, drauf hingefiebert und solange etwas an meiner Idee gefeilt. Ich zeige übrigens weiter unten ganz genau wie ich das genäht habe, falls jemand die Idee übernehmen und die Nadeleinlagen gerne nachnähen möchte. Für alle anderen berichte ich jetzt erstmal nur von der Planung und Entstehung.
Ich habe die Größe Personal genäht.

Das Spatzjournal sollte meine Nähmaschinennadeln aber nicht nur aufbewahren sondern auch Ordnung in mein Chaos bringen. Ich wollte sehen welche Nadeln in welchem Fach stecken, und vor allem auch schnell prüfen können, ob die richtige Nadel für mein Projekt überhaupt vorhanden ist.
Ich brauchte das komplette Gegenteil zum Kramkästchen das ich zuvor immer mehrere Minuten lang durchwühlt habe: Ich wollte einen sortierten, aufgeräumten, guten Überblick. Daher plante ich Vinyl ein. Ich habe super gute Erfahrung mit dem Vinyl von Annie Unrein gemacht und es schon für diverse Projekte verwendet. Statt Planer-Einlagen aus Papier sollte mein Spatzjournal also Vinyleinlagen mit abgenähten Nadeletui-Fächern bekommen. Würde ich aber nur Vinyl verwenden, wäre die Gefahr wohl recht groß, dass mir die einzelnen Seiten aneinanderkleben. Außerdem sollte es ja auch eine Lösung für die schon verwendeten Nadeln beinhalten. Daher habe ich die Rückseite aus Filz genäht. Links können somit die benutzen Nadeln ihren Platz finden und rechts die entsprechenden neuen.

Weil ich unterschiedlich große Nadeletuis habe, habe ich auch unterschiedliche Fächer abgenäht.
Allerdings passen selbst die größeren Nadelhüllen in die kleineren Fächer.

Bevor ich Material bestellt habe, entstand aber erstmal der Prototyp aus vorhandenem Restmaterial: Etwas Vinyl hatte ich noch da und ein paar (eher dicke) Filzplatten. Damit konnte ich testen ob die Idee überhaupt aufgeht und wie groß die Fächer sein sollten. Leider konnte ich damit aber auch bereits testen, dass ich den 6er Locher (den ich extra dafür gekauft habe) nicht verwenden kann. 10 Blatt Papier sind deutlich dünner als Vinyl plus Filz. Das hat mich sehr geärgert, denn das würde bedeuten, dass ich alle Löcher selber stanzen müsste. 6 gleichmäßige Löcher pro Einlage. Na vielen Dank auch… Immerhin hatte ich mir gerade eine (seit Jahren gewünschte) Drehspindel zugelegt, das würde das vereinfachen. Ich möchte schon mal teasern: Während ich das  Spatzjournal genäht habe, war ich hauptsächlich fasziniert von der super guten Anleitung. Meine eigenen Einlagen zu nähen hat mir dann richtig viel Spaß gemacht, denn hier musste / konnte ich selber tüfteln und eigene Ideen umsetzen, sowas mag ich immer. Aber ohne Schmarrn, der Höhepunkt von allem war das Löcher stanzen. Ich hatte wirklich gedacht es wird mich nerven, aber es hat einfach nur Freude bereitet und jedes einzelne Klacken (wenn die Lochpfeife durch das Material gedrückt wurde) war Musik in meinen Ohren

Mit dem Prototyp kam dann übrigens auch die Erkenntnis, dass mein Filz zu dick ist, ich unbedingt eine dezentere Filzfarbe benötige und ich auch nicht mit farbigem Garn absteppen möchte (dachte zunächst der Kontrast wäre cool. War er aber nicht). Daher hab ich später transparentes Nähgarn verwendet und damit war ich dann mehr als zufrieden. Die Unterspule bekam exakt die Filzfarbe und schon war ich zufrieden und konnte in Serie gehen

Für das Spatzjournal hatte ich  nur das Materialkit bestellt, das war sehr hilfreich. Als Außenstoff habe ich mir den Strawberry Fields Canvas von Cotton and Steel ausgesucht. Auf den hatte ich eh schon länger ein Auge geworfen. Mit der Wahl des Innenstoffes hab ich mich lange schwer getan für innen eine geeignete, farblich passende Baumwoll-Kombi zu finden. Am Ende hab ich einen Blusenstoff angeschnitten, weil ich endlich loslegen wollte und nicht erneut etwas bestellen wollte. Da mir der Stoff aber zu banal war, plante ich noch eine Stickerei. Heraus kam diese:

Als ich den bereits zugeschnittenen, bevliesten und bestickten Stoff (online) Sabrina zeigte, machte sie mich drauf aufmerksam, dass da, wo die Stickdatei ist, eigentlich eine Einschublasche hinkommt. Oh… Bei mir wohl nicht….. Dass ich stattdessen 2 weitere Ecken aufnähen könnte, kam mir leider auch erst als Innen- und Außenstoff bereits vereint waren, daher sind die Innen-Ecken bei mir auch nicht überall angenäht.

Zum Glück benötige ich keine 2 Laschen. In der hinteren Lasche bewahre ich das SCHMETZ Nadel ABC auf.

Fazit zum Spatzjournal
Die ganze Art und Weise wie das Spatzjournal genäht wird ist total durchdacht und ziemlich cool. Auch die Anleitungsvideos sind super ausführlich und total hilfreich. Und das sage ich, obwohl ich sonst eigentlich überhaupt kein Fan von Anleitungsvideos bin und lieber nach ausführlich geschriebenen Anleitungen mit vielen Skizzen nähe. Aber noch am Erscheinungstag des Schnittes hab ich mir die Videos komplett angeschaut und nicht schlecht gestaunt was die Heidi da auf die Beine gestellt hat. Und kaum hatte ich die Videos zuende angesehen, konnte ich definitiv nachvollziehen warum Heidi nicht einfach eine Anleitung geschrieben hat.

Auch das Mäppchen ist im Anleitungsvideo genauestens erklärt. Und ich dachte mir noch: Also bitte, ein Mäppchen – dafür braucht es ja wirklich kein Video. Und eigentlich brauche ich auch kein Mäppchen, denn bezogen auf mein Nähmaschinennadeljournal wüsste ich jetzt gar nicht was ich da reinmachen sollte. Aber dann sah ich ja das Video und war dann selbst davon begeistert und dann war das Mäppchen sogar das allererste das ich genäht habe.

Und ich muss gestehen ich finde es entzückend. Der Innenstoff hat ein zartes Rosa, das gut zu den Erdbeeren passt. Leider bleibt das Mäppchen nicht im Journal, denn das ist eh schon viel zu dick.

Als ich gemerkt habe wie gut das mit den Einlagen klappt und wie gut sich alles vernähen lässt, hab ich hoch motiviert einige genäht. Erst als ich einen Stapel von 15 Einlagen fertig hatte und mir zum ersten Mal die Höhe bewusst wurde, dämmerte es mir, dass die Ringbuchmechanik diese Höhe gar nicht einfassen kann.

Und das war ja nur die Höhe der leeren Einlagen!! Da kamen ja dann noch die Nähmaschinennadelhüllen rein. Kleine Info am Rande: Ich bin ja eh großer Schmetz-Fan, weil ich finde, dass die verlässlich nähen, aber vor allem wegen des Farbsystems. Daher enthält die erste Hülle auch keine abgenähten Fächer sondern stattdessen die Farbübersicht der Schmetznadeln.

Gerade weil ich so oft vergesse die Nadel sofort zurückzustecken, ist es ungemein hilfreich auf den ersten Blick zu sehen welche Art von Nadel denn da lose rumfliegt. Nun sind sie mir aber noch lieber, denn die Schmetz Hüllen sind deutlich flacher als alle anderen Marken. Ich habe noch Nadeln von Organ und Prym und diese Hüllen sind viel dicker.

Schweren Herzens musste ich also aussortieren und habe nun nur das nötigste im Journal. Also z.B. nicht alle Universal-Nadeln die ich besitze. Hüllen in denen eh nur eine 70er Nadel steckt habe ich weggelassen, da bereits ein Set mit 70-80-90-100 im Journal steckt.

Leider habe ich vergessen Gummiband mitzubestellen, das gehörte zu den Dingen die im Materialpaket nicht mit drin waren. Mein vorhandenes, farblich gut passendes ist allerdings keine 3mm sondern 5mm dick. Ich habe einfach alle Löcher entsprechend größer gestanzt (und war sogar froh drum, denn für 5mm hatte ich eine Lochpfeife und konnte die Drehspindel nehmen 🙂 ) Nachahmung allerdings nicht empfohlen, denn mit dem dickeren Gummiband bekommt man Platzprobleme unter der Ringbuchmechanik.

Es gab ja diverse Varianten zur Kombination: Leder, Kunstleder, Kork, Vegatex… Ich habe mich für das Vegatex (= veganes Lederpapier) entschieden und bin damit sehr glücklich. In der Farbe Saharabraun passt es super zum Hintergrund meines Erdbeerstoffes. Es ließ sich aber auch super gut vernähen und ist dabei nicht so dick wie Leder oder Kunstleder.

Damit wäre alles über das Spatzjournal gesagt und ich zeige euch noch wie ich die Nähmaschinennadel-Einlagen genäht habe.

Anleitung für die Nähmaschinennadel-Einlagen
Die Größe der Einlagen beträgt 11 cm x 17,5 cm (BxH). Im Spatzjournal-Schnitt ist auch eine Einlagen-Vorlage enthalten. Meine Einlagen habe ich etwas breiter gemacht, da ich nicht wollte, dass die Löcher von meiner nutzbaren Breite abgehen.

Das Filz habe ich mit dem Patchworklineal in der endgültigen Größe 11 cm x 17,5 cm zugeschnitten.
Das Vinyl habe ich in der Größe 11 cm x 23 cm zugeschnitten. Der untere Teil wird später umgeklappt, so dass es das untere Fach bildet.
Ein weiteres Stück Vinyl hat die Größe 11 cm x 6 cm und bildet das obere Fach.

Damit meine Nadeletuifächer – trotz Lochungen auf der linken Seite – gleich groß sind, habe ich sie der Länge nach nicht in der Mitte abgenäht, sondern mit 1 cm Versatz.
Um ohne Markierungen arbeiten zu können und dennoch eine genaue Vorlage zu haben wo ich abnähe und wo ich das kleine Fach auflege, habe ich alle Filzstücke gebügelt. Aber ganz wichtig: Ohne Dampf, sonst schrumpft das Filz. (Für euch getestet…)

Also einmal längs gefaltet, mit 1 cm Versatz bügeln (hier half wieder das Patchworklineal)
und einmal mittig quer gefaltet bügeln

Zusammennähen:

(Auf meinem Vinyl war noch ein Schutzpapier, das habe ich drauf gelassen, bis ich es vernäht habe, denn damit lassen sich die Rechtecke besser zuschneiden)

Als erstes wird das Vinyl oben (sowie rechts und links) bündig auf das Filz gelegt. Der unten überstehende Rest wird umgeklappt und bildet das untere Fach. (1)
Das Vinyl kann nun rundherum einmal abgesteppt werden. Ich habe dafür eine Microtex 80er Nadel verwendet, Transparenzgarn von Madeira und als Unterfaden einen Gütermann Allesnäher in der Farbe des Filzes. Außerdem meinen Teflonfuß, da dieser nicht am Vinyl kleben bleibt. Es kann aber auch getrickst werden indem der Nähfuß von unten mit Masking Tape abgeklebt wird.

Das zweite, kleinere Vinylstück kann nun auf der Hilfsbügellinie (2) angelegt werden. Auch dieses Fach kann nun abgenäht werden: Oben rechts starten, die untere Kante abnähen, und wieder hoch zur linken oberen Kante.
ich habe dabei nicht verriegelt. Ich hole stattdessen den Oberfaden nach unten und verknote die Garne gut.

Nun werden noch die Fächer abgenäht. Je nach Breite der Nadelhüllen können 4 schmale Fächer entstehen (siehe Bügelfalte) oder aber nur das obere Fach an der Bügelkante abgesteppt werden. Ich habe beide Variante genäht, aber später festgestellt, dass selbst die breiteren Nadelhüllen noch in die schmal agesteppten Fächer passen.

Als letztes habe ich die Löcher gestanzt. Da mein Locher leider nicht durch die Lagen Vinyl und Filz lochen wollte, habe ich alle Löcher mit der Drehspindel eingestanzt (Lochpfeife 5 mm). Mit Hilfe der Vorlage aus dem Schnittmuster des Spatzjournals habe ich die Löcher vorgezeichnet (nur mittig jeweils ein kleiner Punkt). Die Vorlage habe ich aber nicht am Rand angelegt, sondern an der abgesteppten Linie, da ich die Naht nicht durchlochen wollte.

Damit habe ich sehr gute und überraschend gerade Ergebnisse erzielt.

Jetzt können die Einlagen befüllt werden.

Ich habe übrigens auch eine Testvariante genäht, bei der das Vinyl nicht als Untergrund verwendet wird. Also nur das Filz als Untergrund und 2 kleine Vinyl-Rechtecke als Fächer. Damit war die Einlage aber sehr labberig, das hat mir nicht gefallen.
Meine Variante finde ich genau richtig…. wenn auch nicht gerade in großer Anzahl mit einer Ringbuchmechanik dieser Größe – das ist mit 7 Einlagen schon gut gefüllt 😉

Das Wichtigste in Stichworten:
Material
dünnes Filz
Vinyl
transparentes Nähgarn
Microtexnadel
Normales Nähgarn (“Allesnäher”)

ggf. Teflonfuß

Zusätzlich etwas zum Stanzen für ca. 5 mm Durchmesser, z.B: 
– ein Locher der mehr als 10 Lagen Papier stanzen kann
 – Rundlocheisen
– Lochzange

 – Nietenpresse oder Drehspindel mit dem passenden Lochwerkzeug

Zuschneiden für Personal-Größe:
(Anzahl je nach gewünschter Einlagenzahl)
Filz in der Größe 11 cm x 17,5 cm
Vinyl in der Größe 11 cm x 23 cm
Vinyl in der Größe 11 cm x 6 cm

 

Viel Spaß beim Nähen,

2 Kommentare zu “Das Spatzjournal als Nähmaschinennadelaufbewahrung

  1. Wahnsinn was du dir alles für Gedanken gemacht hast, obwohl du ja eigentlich kein Spatzjournal brauchtest. Danke für die tollen Infos. Eine ganz tolle Idee daraus eine Nadelaufbewahrung zu machen.
    Ich möchte auch noch ein Spatzjournal für mich nähen, aber zur Zeit ist gerade so viel anderes los und ich komme kaum zum nähen.
    LG Tanya

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