Die Dawn Jeans von Megan Nielsen

In meinem letzten Blogpost habe ich überstolz von meiner allerersten Jeans berichtet (die Morgan Jeans von Closet Core Patterns). Die Dawn die ich heute zeige war zeitgleich in der Planung, denn ich konnte mich wochenlang nicht entscheiden welche der beiden Schnitte ich nähen möchte. Es sollte auf jeden Fall eine Jeans ohne Stretch sein, daher gab es dieses Kopf an Kopf Rennen.
Ansonsten haben die beiden Schnitte aber nicht viel gemeinsam. Die Dawn ist eine high waist Jeans, während die Morgan nur hüfthoch sitzt. Dadurch waren auch ganz andere Anpassungen notwendig.
Für die Dawn habe ich einen 10 oz leichten, schwarzen Denim von mind the Maker verwendet. Mein Ziel war eine schlichte, schicke, enganliegende Jeans die zu möglichst vielen schickeren Oberteilen kombiniert werden kann. Ganz anders also als meine lässige, locker sitzende Waldrunden-Morgan Jeans. Beide sind gedacht für Denim aus 100% Baumwolle und beide werden durch einen Button Fly geschlossen. Aber mehr Gemeinsamkeiten konnte ich tatsächlich nicht erkennen.

Anpassungen
Ich habe Größe 12 genäht. Bei der ersten Anprobe zeigte sich aber leider, dass ich gerade so in die Hose kam. Bewegen ging nicht mehr, den Button Fly hätte ich auch nicht zubekommen. An den Außennähten habe ich dann 0,8cm aus der NZ herausgelassen. Damit war es von der Weite her perfekt.

Der Po saß richtig gut. Ab Höhe des Yokes stand die Hose jedoch ab. Erst hatte ich mich gewundert, denn bei der Morgan war der Yoke super, nur der Bund stand ab. Aber nach kurzem Überlegen machte es viel Sinn, denn die Dawn ist deutlich höher geschnitten. Dort wo bei der Morgan der Bund saß, ist bei der Dawn der Yoke. In der Mittelnaht des Yokes habe ich abnäherförmig 1,5 cm abgenäht und war zufrieden mit dem Ergebnis.
Man könnte etwas kritischer auch noch weiter außen eine Anpassung vornehmen, denn mir ist aufgefallen, dass sie da leicht Falten schlägt (siehe Nr (1) auf dem nachfolgenden Foto) aber in der Yoke-Mitte war die Anpassung nötiger und sehr erfolgreich (siehe Nr (2) auf dem nachfolgenden Foto), von daher bin ich bereits sehr zufrieden. Leider habe ich kein Vorher-Foto.

Die Länge
Ich bin nur 169 cm groß, habe aber trotzdem vorsichtshalber die längste Länge zugeschnitten, dann aber wieder 3 cm gekürzt.

Die Potaschen
Die Stickereien für die Morgan-Potaschen und die Dawn-Potaschen habe ich zusammen vorbereitet. Von den Bergen für die Morgan hab ich dann ja doch nur eine Tasche verwendet. Und von der Dawn… am Ende keine!
Aber mal von vorne: Zusätzlich zu den bestickten Dawn-Taschen (diese Stickdatei habe ich verwendet) habe ich auch noch schlichte Taschen vorbereitet. Der Grund: Die Positionierung der Potaschen musste für die Dawn ja erst noch bestimmt werden und das geht deutlich einfacher mit neutralen Taschen. Wie auch schon für Morgan hab ich dann auch für die Dawn die Taschen weiter nach innen versetzt. Die schlichten Taschen habe ich dann aber wieder abgetrennt und die Taschen mit den Raben-Stickscheren lieber auch erstmal nur geheftet. Ich war nämlich plötzlich nicht mehr mutig genug für die Taschen. Die Stickerei kam mir plötzlich viel größer und wuchtiger vor, jetzt wo ich sie auf der Hose sah. Ich habe hin und her überlegt, ob ich es so lassen sollte. Ich kam aber zu keinem Ergebnis, daher habe ich die ganze Hose geheftet, damit ich es beurteilen kann wenn ich sie anhabe. Leider hat auch das nur bedingt geholfen. Ich fand die Stickereien zu groß, aber wirklich schön. Daher konnte ich mich immer noch nicht entscheiden, ob ich sie dran lasse oder nicht. Zur Entscheidungshilfe habe ich das Ergebnis fotografiert und zusammen mit der Variante ohne Stickerei in einer Instagram Story gezeigt um dort abstimmen zu lassen. Ich habe derweil erstmal eine kleine Nähpause gemacht.
Die Mehrheit war dann eindeutig dafür, dass ich die schlichteren Taschen verwende und so habe ich es dann gemacht.

Und ich muss zugeben: Ich bin jetzt recht froh drum, weil die schlichten Taschen einfach gut zur (gewollt) schlichten Jeans passen:

Die Knöpfe
Ich habe noch einige ungeliebte Standardjeansknöpfe, die ich noch verwenden möchte, solange ich das Jeans nähen noch übe. Hier habe ich Prym Knöpfe verwendet die irgendwie einen rotbraun-Stich haben. Für den sichtbaren Außenknopf durfte es gerne etwas schicker sein und besser zur schlichten, schwarzen Jeans passen. Ich hab einen schwarzen Knopf aus einem Komplett-Set verwendet. Und obwohl wir das Originalzubehör verwendet haben und die Anleitung aus dem Set, wurden gleich 2 Knöpfe verbogen 🙁 Sehr ärgerlich. Also hab ich schlussendlich doch wieder einen Knopf von Blackbird fabrics verwendet, den ich mir eigentlich aufsparen wollte. Leider ist dieser 2mm kleiner als der ursprünglich geplante und mein Knopfloch entsprechend leicht zu groß. Ich hoffe die Hose bleibt bei allen Bewegungen geschlossen.

Nieten
ich habe schlichte schwarze Nieten verwendet, aber wieder nur vorne.

Am Coin Pocket habe ich mit 3 verschiedenen Garnfarben abgesteppt. Diesmal mit Denim Doc von Amann. Das Ergebnis ist total enttäuschend. Erstens musste ich den 3-Fach-Geradstich nehmen, damit man die Absteppung überhaupt sieht. Zweitens sind alle 3 Reihen aus dem gleichen Garn (nur eben in einer anderen Farbe) und jede Reihe sieht anders aus. Ich bleibe dann wohl zukünftig beim Gütermann Denim Garn, mit dem ich zum Glück alle restlichen Absteppnähte gemacht habe.

Das Label
ich habe wieder das Label vom Jeanswochenende verwendet. Da die Jeans vor diesem / für dieses Wochenende mitgeplant wurde, zählt das noch  😉

Das Innenleben
Diesen Patchworkstoff mit den knalligen Garnrollen hab ich glaub ich vor vielen Jahren mal auf einer Messe gekauft. Nur ein recht kleines Stück. Für die Taschen (wieder mit französischen Nähten genäht) hat er endlich eine schöne Verwendung gefunden.
Ein Hoch auf die Taschengröße und Taschenform der Dawn. Deutlich praktischer als die Minitaschen für die Morgan!!
Erst hatten mich die kleinen Taschen bei der Morgan nicht gestört, da ich mir eh nichts in die Vordertaschen stecke. Aber man kann nicht mal die Hände reinstecken. Das stört mich tatsächlich. Hier also deutlich besser 🙂

Im Bund versteckt sich ein weiteres kleines, selbstgenähtes Label mit dem Namen des Schnittmusters. 

Das Nähen
Auch diese Jeans durfte ich wieder in Gesellschaft nähen: Da auch Sabrina (Brina Sews) mit dem Gedanken spielte eine Dawn zu testen, haben wir uns (online) zusammen getan und ein Wochenende lang zusammen genäht.
Ihre Jeans wurde an diesem Wochenende auch fertig. Sie hat auch einen mind the Maker Denim verwendet in einem ziemlich coolen Blau und das Ergebnis gefällt mir sehr. Ihr könnt es auf ihrem Instagram Account sehen unter diesem Link
Das gemeinsame Nähen hat mir nicht nur Spaß gemacht, sondern mir auch wieder die nötige Motivation verschafft mich sofort an die notwendigen Anpassungen zu machen. Ich habe es zwar nicht geschafft meine Jeans an dem Wochenende fertig zu nähen, aber immerhin mit den Anpassungen war ich dann am Sonntag durch. Als ich in der Woche drauf abends alleine weitergenäht habe, musste ich die Jeans dann nur noch fertig nähen (Bund, Bund-Knopfloch, Saum, Knöpfe und Nieten anbringen).

Der Sitz / mein Fazit
Schon die allererste Anprobe hat mein Herz erfreut. Diese jeans sitzt wie eine zweite Haut. Aber ohne dabei zu eng zu sein. Ich kann sie anziehen ohne hüpfen oder zuppeln und sie fühlt sich exakt so an, als hätte sie MEINE Größe ❤

Es gibt aber auch einen Nachteil: Optisch mag ich es, dass sie eine high waist jeans ist und so weit oben sitzt. Es bringt aber leider auch deutliche Einschränkungen in der Bequemlichkeit mit sich: Wenn ich stehe und gehe ist alles tippi toppi. Wenn ich sitze überraschenderweise auch. Aber: Bei meinem ersten kompletten Probetragen habe ich gemerkt, dass der Bund mir wirklich immer sehr unangenehm in den Bauch drückte, wenn ich auf dem Sofa lag und von dort wieder hochkommen wollte. Da bremste der Bund mich sofort unangenehm aus und drückte in den Bauch.
Zu ihrer Verteidigung muss man aber auch sagen, dass sie auch nicht für Sofatage genäht wurde. Sie sollte keine bequeme Jeans werden die alles mitmacht und super bequem ist (Stichwort Morgan Jeans), sondern eben eine für „schick“. Und bei schickeren Anlässen liege ich ja eh nicht auf dem Sofa rum.

Der Body
Weil es sich schon für die letzten Jeans-Beurteilungs-Fotos bewährt hat, hab ich wieder einen schnellen Nettie-Body genäht. Bevor ich weitere nähe, muss ich aber erstmal abwarten wie die sich in meinem Alltag machen.

 

Meine Dawn darf heute beim Me Made Mittwoch teilnehmen. Ich bin gespannt wer dort schon alles Jeans genäht hat und würde mich auch über Erfahrungen mit der Dawn freuen!

11 Kommentare zu “Die Dawn Jeans von Megan Nielsen

  1. Auch diese Jeans ist dir offensichtlich sehr gut gelungen!!! Sie sitzt wie angegossen und so edel und schlicht wie sie daher kommt, hat sie mit Sicherheit das Zeug zum Lieblingsteil!

    Herzliche Grüße Irene

  2. Die sieht tiptop aus! Du hast die schmale Variante genäht? Die seht bei mir auch noch aus. Ich finde es so schön, dass du endlich deine für dich passenden Jeansschnitte gefunden hast. Durch das Jeanswochenende angeregt, möchte ich jetzt fast nichts anderes mehr nähen. LG Carola

  3. Sieht absolut klasse aus und sitzt durch deine Anpassungen perfekt.
    Obwohl die aufwändig bestickten Taschen richtig toll aussehen, hätte ich mich wohl auch für die neutralen entschieden; die Stickerei ist doch schon sehr prägnant .
    Glaube ich gern, dass beim Lümmeln auf dem Sofa der Verschluß des hochgeschnittenen Bundes zwickt, aber für solche Gelegenheiten kannst du den Knopf ja auch einfach öffnen.
    LG von Susanne

  4. Die Jeans ist grandios, die Passform ein Traum und die schlichte Gesäßtasche war die beste Wahl. Mir gefällt das farbenfrohe Innenleben und die tolle Verarbeitung.
    Nun gehts in die Massenproduktion.

    LG
    Sandra

  5. Wow, die sitzt richtig toll, klasse! Und super, wenn eine Jeans ohne Elasthan so bequem ist, trotz high waist. Da hast du ja jetzt gleich zwei gut passende Jeansschnitte, wie schön!
    Liebe Grüße
    Christiane

  6. Ich bin total beeindruckt von euren gemeinsam genähten Jeans. Nun konnte ich auch etwas über den Ablauf erfahren und kann mir noch besser vorstellen, dass ihr viel Spaß hattet. Ich scheue mich wegen der Passformanpassungen eine Jeans zu nähen. Wenn sie nicht perfekt sitzt, dann war die gesamte Arbeit umsonst. Umso begeisterter bewundere ich eure tollen Modelle. So schöne Details, klasse.
    Liebe Grüße Birgit

  7. Ich kann mich dem Abstimmergebnis nur anschließen, die schlichten Taschen zur eleganten Jeans sind eine gute Wahl gewesen. Ich verarbeite nicht so schöne Knöpfe auch gerne in den Hosenknopfleisten 🙂
    Die Dawn Jeans ist auch schon länger auf meiner Liste, gut dass du mich mit deiner schönen Variante daran erinnert hast!
    Grüße

  8. Das ist ja toll, dass du dich auch noch gleich für eine zweite Hose motivieren konntest. Ich find sie super, vom Schnitt her gefällt sie mir an dir sogar noch besser als die Morgan. Das mit der Stickerei für die Tasche ist zwar schade, aber ich hätte mich auch so entschieden. Evtl. hätte es als schwarze Stickerei auf dem schwarzen Stoff gepasst, aber so mit dem Kontrast wars einfach zu viel des Guten. Die schlichte schwarze Jeans ist ein Teil, das jede Arbeitszeit wert ist, denn man trägt sie andauernd (ich jedenfalls).

  9. Eine richtig tolle Jeans hast du dir da genäht. Ich bin immer wieder schwer beeindruckt, wenn ich diese detail-verliebten Ausarbeitungen sehe. Da steckt soooo viel Arbeit drin – Respekt. Das Ergebnis überzeugt auf der ganzen Linie und ich finde deine Entscheidung, auf die Stickereien zu verzichten, war richtig.

    LG Miriam

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