Bei einem Online Nähen vor vielen Jahren hörte ich zum ersten Mal davon, dass Teilnehmerinnen Farbkarten von Stoffherstellern besaßen, die sie dann aber auseinander geschnitten haben um sie besser nutzen zu können. Für die Aufbewahrung wurden sie dann mit Hilfe von Schnüren auf einen großen Haken gefädelt. Der Teil klang für mich nicht so praktisch (zur Aufbewahrung / Übersicht), aber generell mochte ich die Idee bunte Kärtchen zu besitzen um Stoffe besser kombinieren zu können. Bedarf sah ich für mich aber keinen. Ich nähte hauptsächlich Kleidung und diese Farbkarten gab es nur für Patchworkstoffe.
Wenn ich mal keine Kleidung genäht habe, dann waren es hauptsächlich Taschen. Nicht, weil ich das Taschennähen mochte oder mir viele hübsche Taschen nähen wollte – es waren nur wenige und wenn dann eigentlich immer praktische Taschen (Stricktaschen, Hip Bags mit besonderen Funktionen, Hunderucksäcke…) die ich halt einfach brauchte und die es so eben nicht zu kaufen gab.
Im Bereich Deko oder Wohnen (Kissen, Quilts) hab ich gar nichts genäht, aber auch wenig gesehen, das mir gefällt. Gerade Quilts kannte ich hauptsächlich aus Stoffen und Mustern die nicht nach meinem Geschmack waren. Heute weiß ich, dass ich einfach nicht in der richtigen „Blase“ war und so viele „coole“ Accounts gar nicht kannte und ich daher so wenig Interesse daran hatte.
Erst als ich mich in eine Nähmaschinenhaube verliebt habe, dessen Anleitung es nur in der Nähgang gab, hab ich mal geschaut was die Nähgang denn eigentlich ist. Es gab dort lange Zeit hauptsächlich Quilts, Foundation Paper Piecing, typisches Patchwork, ein bisschen auch English Paper Piecing. Aber gerade, als ich überlegt habe, ob die Nähgang etwas für mich ist, kam dort das Taschenthema hinzu. Aber eigentlich wird auch die Beschreibung Quilt- und Taschenprojekte ihr nicht gerecht, denn es werden so viele Unterschiedliche Projekte genäht – z.B. auch viele nützliche Dinge für das Nähzimmer, dass ich erst mal gar nicht wusste wo ich anfangen sollte. Hier eine kleine Auswahl meiner bisher umgesetzten Projekte (und nur ein sehr kleiner Teil des tatsächlichen Inhalts der Nähgang).

Das soll gar keine Werbung für die Nähgang sein, viel mehr möchte ich zeigen und erklären, woher es kommt, dass sich mein Nähverhalten so sehr geändert hat. Ich hätte mich zuvor wirklich als reine Klamotten-Hobbynäherin eingestuft. Ohne Interesse und Bedarf an all den Dingen die aus Patchworkstoffen genäht werden.
Plötzlich war der Bedarf aber sowas von da. Ich kannte inzwischen viele verschiedene Patchworkstoffe. Ich wusste von der unterschiedlichen Dicke oder Haptik oder Optik und der Farbpalette. Und ich hatte plötzlich Bedarf an Farbkarten. Aber schnell merkte ich, dass es gar nicht mal so praktisch ist, zwar die Farbkarte einer Marke zu besitzen, deren Farben aber gar nicht nach eigenem Geschmack nebeneinander halten und frei kombinieren zu können. Ich konnte mit der Farbkarte prüfen ob der Stoff den ich online gesehen habe, wirklich die Farbe hatte, die ich mir vorgestellt habe. Aber ob dieses Gelb und jenes Grün denn gut harmonieren, konnte ich nicht ausmachen, weil ich diese beiden Farben nicht nebeneinander halten konnte und erstrecht nicht prüfen konnte, ob ein anderer Grünton nicht doch besser passt.

Und dann gab es noch einen kleinen Schubser von Täschi, denn in der Nähgang gibt es Quick Tipps: Kleine (aber soooo hilfreiche) Tipps im Videoformat. Täschi zeigt in einem Quick Tipp wie sie aus ihren Farbkarten kleine einzelne Farbkärtchen gebastelt hat und wie sie die aufbewahrt. Ich habe es nicht genauso nachgemacht (weder die Erstellung noch die Aufbewahrung der Kärtchen), fand das Video aber trotzdem extrem hilfreich. Oft braucht es ja erstmal eine grobe Richtung um überhaupt erstmal anzufangen.
Inzwischen war auch meine Freundin Anna in der Nähgang und ich habe mich mit ihr über den Quick Tipp und Farbkarten im allgemeinen viel ausgetauscht. Und dann war eigentlich schnell klar: Das ist ein Projekt das wir beide unbedingt haben wollen und wir hatten große Lust das zusammen anzugehen, obwohl sie im hohen Norden wohnt und ich im tiefsten Süden Deutschlands. Aber das hielt uns nicht davon ab alles gemeinsam zu planen und uns ebenfalls Farbkarten zu teilen. Bis auf ein paar wenige Ausnahmen reichen die Farbkarten der Händler nämlich meist für mehr als nur ein Farbkärtchen, da die Stoffstücke darauf recht groß sind.
Der Einfachheit halber nenne ich die kompletten Farbkarten der Händler jetzt mal Farbkarten und unsere gebastelten Mini-Farbkarten im folgenden Text Farbkärtchen
Per Nachrichten und Sprachnachrichten und Videotelefonie haben wir erstmal geplant wie unsere Kärtchen aussehen sollen: Wie groß sollen die Stoffe auf den Kärtchen sein, wie wollen wir sie beschriften usw. Dafür war aber zunächst wichtig welche Größe unsere Kärtchen bekommen sollten und dafür widerum mussten wir erstmal recherchieren worin wir sie aufbewahren wollen.
Statt vieler einzelner Kästchen wollte ich lieber ein großes Rack das viele kleine Schubladen enthält. Und ich wollte die bunten Kärtchen gerne sichtbar aufbewahren, weil sie einfach ein Hingucker sind und gute Laune verbreiten.

Der Kasten den wir ausgewählt haben ist stapelbar und erweiterbar. Ich habe hier 3 Kästen die je 4 Schubladen in der waagerechten haben übereinander gestapelt. Für meine aktuelle Anzahl an Farbkärtchen reicht mir das.
Dass wir erst diese Kästen bestellt haben, war sehr gut. So konnten wir erst ausmessen wie viel Platz denn wirklich in einer Schublade vorhanden ist. Zwar gab es online ein paar Daten, in der Realität sind die aber alle ein bisschen windschief und z.B. in der Mitte weniger breit als vorne und hinten. Wir haben uns schlussendlich für Quadrate aus Comic Boards in der Größe 5,5 x 5,5 cm entschieden. Es gibt diverse Comic Board Größen, da haben wir einfach geschaut welche Größe am meisten Sinn ergibt um mit möglichst wenig Verschnitt viele Quadrate in unserer Wunschgröße rauszubekommen. Für die Anzahl der benötigten Boards, haben wir uns aber erstmal beraten welche Farbkarten wir haben und uns noch kaufen wollen. Jede für sich, aber auch gemeinsam. Ich hatte schon Farbkarten von Speckled und Paintbrush. Anna besaß außerdem schon Pure Solids von Art Gallery Fabrics, Kona Cotton von Robert Kaufmann und Grunge von Moda. Für uns beide hinzu kamen dann noch Windham Fabrics, Tula Pink Solids und Moda Bella. Somit konnten wir schon ausrechnen wie viele Kärtchen wir basteln wollen und wie viele Klebeetiketten wir benötigen. Die Anzahl hat uns dann erstmal kurz überfordert. All diese Farbnamen einzeln in ein System schreiben und alle diese Kärtchen einzeln ausschneiden? Da würden wir ja ewig dran sitzen. Was die Beschriftung angeht hatten wir Glück, dass mein Mann uns den Großteil abgenommen hat. Teilweise sogar die Recherche der Farbnamen, vor allem aber die Automatisierung die dafür sorgte, dass die Farbnamen in immer der gleichen Art und Weise auf den hunderten (!!) Klebe-Etiketten erschienen, die Anna dann für uns ausgedruckt hat.
Und da wir ja nun auch die unfassbar hohe Anzahl an benötigten Kärtchen wussten, war klar dass das Schneiden dieser die noch viel größere Arbeit gewesen wäre: Wir kamen am Ende (für uns beide zusammen) auf eine Anzahl von 3700 kleine Farbkärtchen!! Wir hätten sie nicht alle sofort gebraucht. Darin einberechnet waren auch schon Farbkarten die wir noch gar nicht besaßen, die aber schon auf der Wunschliste standen (z.B. Shadow Play von Maywood Studio). Aber diese Mühe mit dem Schneiden möchte man sich ja auch nicht ständig neu machen. Wir wollten sie uns bei der Anzahl ehrlich gesagt gar nicht machen und so habe ich unsere Comic Boards in eine Druckerei gebracht. Dort wurden sie ratz fatz und unfassbar präzise geschnitten, das hätte ich auf keinen Fall annähernd gut hinbekommen.
Annas Anteil konnte ich ihr sogar recht bald darauf persönlich vorbeibringen, denn zusammen mit Mann und Hund habe ich sie kurze Zeit später besucht. Wir hatten einige Programmpunkte in ein paar Tage Besuch gequetscht, wollten die Zeit aber auch nutzen um unser Farbkartenprojekt gemeinsam zu beginnen.

Moda Bella Solids
Gestartet haben wir mit der riesigen Moda Bella Solids Karte. Wegen der unglaublich großen Farbauswahl wollten wir diese Farbkarte haben, obwohl wir die Bella Solids zu dem Zeitpunkt noch gar nicht selber vernäht haben. Es gibt aber einige deutsche Quiltshops, die viele Farben der Moda Bella Solids führen und ich habe außerdem gelesen, dass sich diese Solids sehr gut zu vielen Ruby Star Society Stoffen kombinieren lassen, weil die eben auch zu Moda gehören. Die Farbkarte hatten wir zu der Zeit (Frühjahr 2025 müsste das gewesen sein) allerdings nur aus den USA bekommen, aber immerhin waren die Stoffstücke darauf so lang, dass wir sie gut teilen konnten.
Den Anfang machten wir noch, indem wir Stoffe von der Karte abtrennten, diese in der Mitte teilten, woraus sich dann jede mit ihrem Etikettenstapel und Stoffkleber ihre Farbkarten geklebt hat. Relativ bald war klar, dass ich mit diesem System noch 3 Wochen Urlaub hätte dran hängen müssen. Eine neue Taktik musste her, wenn wir die Zeit gut nutzen wollten, so dass ich mit meiner Hälfte der Moda Bella Stoffstücke wieder heim fahren konnte.

Nun haben wir nicht mehr die ganzen Stoffstücke von der Farbkarte entfernt, sondern nur noch die Hälfte abgeschnitten und vorübergehend auf einem Zettel geparkt und beschriftet. So konnte Anna die Karte behalten (und zu einem späteren Zeitpunkt weiter machen) und ich die Zettel mit heim nehmen, wo ich dann alle restlichen Moda Bella Kärtchen fertiggestellt habe.

Hier gilt es noch zu erwähnen, dass gerade 18 neue Farben herausgekommen sind, durch eine Kollektion von Elizabeth Hartmann. Ich weiß nicht, ob das eine zeitlich begrenzte Aktion ist, aber der Laridae Quilting Shop bietet die als Stoffproben an (6 x 4 cm groß), was natürlich ideal ist um die Farbkärtchen zu ergänzen.
Tula Pink Solids
Die haben wir auch bei Anna geklebt und sogar fertig gestellt, da es eine eher kleine Farbauswahl ist. Ich weiß gar nicht, ob es Farbkarten von Tula Pink gibt – wir haben uns ein 5“ Charm Pack geteilt, das alle Solids enthielt.

Im Hintergrund sind die Solids in groß zu sehen, für einen Quilt: Links die kräftigen Farben, dessen Farbserie den Namen Dragon‘s Breathe trägt sowie rechts davon die pastelligen Töne mit dem Namen Unicorn Poop. Ich finde beides sehr treffend und die Farbauswahl wunderschön.
Speckled von Ruby Star Society
Ich habe als nächstes mit den Speckled weitergemacht, weil die zu der Zeit meine absolute Lieblingsstoffserie war (eigentlich noch immer ist). Sie sind weder Uni noch richtiges Muster und irgendwie passen sie als Kombinationsstoff immer. Die Speckled Farbkarte ist riesig und die Stoffstücke darauf viel zu groß für ein Farbkärtchen. Ich habe mir daher überlegt, dass ich meine Farbkarte gerne erhalten möchte und exakt die Hälfte entnehme für meine kleinen Kärtchen. Und trotzdem konnte ich damit einen Großteil der Kärtchen vorne und hinten bedecken.

Hinten sollte sowieso auf allen Kärtchen – egal welcher Serie – noch Platz bleiben für die Nummerierung und für einen Magnetstreifen. Es sieht nicht nur wunderschön aus, wenn die Kärtchen in einer gewissen Reihenfolge im Kästchen bleiben (bzw. immer wieder dahin zurückgesteckt werden können), es ist auch unglaublich praktisch um bestimmte Farben schnell wiederzufinden. Die Magnetfunktion erkläre ich gleich noch.
Zusätzlich zu der Standardfarbkarte besaß ich noch die Mini-Charmpacks mit den neueren Speckled Farben die 2024 herauskamen in zweifacher Ausführung. Ich habe ein Stoffstück für die Kärtchen verwendet und das andere auf eine Pappe geklebt und der Original-Farbkarte beigelegt. So kann ich wahlweise mit einzelnen Kärtchen oder aber mit der Gesamtübersicht arbeiten.

Ruby + Bee Solids von Windham Fabrics
Auch eine eher kleinere Serie mit nur ca. 70 Farben. Aber dafür sooo strahlende Farben, dass wir sie unbedingt mit aufnehmen wollten. Die Farbkarte war leider gerade überall ausverkauft, aber wir konnten auch hier Charm Packs ergattern. Dadurch fehlte uns leider sowohl die Farbzuordnung als auch die Farbnummerierung. Wir sind aber online fündig geworden, da sich schon andere die Mühe gemacht haben die Farben exakt in der Reihenfolge aufzulisten wie sie in den Charm Packs gepackt werden. Auch Camberville Threads hatte online eine richtig tolle Übersicht. Leider stimmte diese nicht mit der Reihenfolge unseres Charmpacks überein. Wichtig war das auch nur für die richtige Zuordnung der Etiketten. Wie wir sie später im Kasten ordnen (oder nicht) bleibt ja uns überlassen. Ich habe trotzdem mal 3 verschiedene Reihenfolgen getestet und mich am Ende für genau die Reihenfolge entschieden in der die Charm Packs zu mir kamen 🙂

Hier hatten wir übrigens jede unsere eigenen Charm Packs und ich habe nach dem Basteln der Farbkarten noch so viel übrig, dass ich aus den Resten einen kleinen Windham-Wanddeko-Quilt plane in dem alle Farben vorkommen.
Nach den Ruby + Bee Solids hab ich erstmal eine kleine Bastelpause eingelegt. Das nahm bis hierher schon recht viel Zeit in Anspruch. Einige Wochen später hat mir Anna aber ihre Farbkarte von Art Gallery Fabrics geschickt, damit ich mir die Hälfte davon abschneiden kann. Das war eine gute Motivation diese Serie und auch die restlichen 2 Serien in Angriff zu nehmen.
Art Gallery Fabrics Pure Solids
Die hatte ich lange Zeit gar nicht so auf dem Schirm. Ich wusste dass sie etwas glatter sind als zB die Windham Solids und um einiges glatter als die Paintbrush Solids. Was ich aber noch nicht wusste: Es war die Karte mit den schönsten Farbnamen und auch mit den treffendsten Farbbezeichnungen. So oft habe ich bei Moda Bella gedacht, dass der Name eigentlich gar nicht zur Farbe passt. Hier war es genau umgekehrt. Irgendwie hat es das direkt angenehmer gemacht die Kärtchen zu gestalten. Das und die Tatsche, dass ich die gesamte Farbkollektion bei angenehmen Temparaturen und im Beisein des Hundes auf der Terrasse erstellt habe

Auch von den Solids kamen später weitere Farben hinzu. Art Gallery hält die Farbkarten aber gut auf Stand und bringt immer mal wieder Neuauflagen heraus (die Karte von Anna enthält z.b. schon die Signature Pure Solids von Suzy Quilts) und auch Zusatzkarten, wie hier die Etheral Edition die 2025 erschien
Paintbrush Solids
Auch diese hab ich auf der Terrasse gestartet. Noch motiviert von den AGF, die sich wirklich gut von der Farbkarte trennen ließen und deren Farbnamen mir so gute Laune gemacht haben. Mit der Paintbrush Farbkarte verflog das direkt.

Die Karte wollte ihre winzigen (!!) Stoffstücke leider ungern hergeben und ich musste da echt kräftig nachhelfen und teilweise auch mit der Zackenschere die Ränder neu aufhübschen. Ich hatte zuvor auch lange überlegt ob ich die überhaupt auseinander nehme, gerade weil die so klein ist. Aber ich hab die Karte schon ein paar mal gebraucht und mich jedes Mal geärgert wie weit die Farben auf der Karte auseinanderliegen, die ich eigentlich gerne vergleichen möchte. Mit einzelnen Kärtchen zu arbeiten ist soooo viel angenehmer. Trotz der winzigen Größe wollte ich auch hier nicht drauf verzichten die Stoffe auch über die Ränder zu kleben, so dass von oben diese tolle Übersicht gegeben ist.

Was halt zur Folge hat, dass nur dieses kleine Stoffstück vorne zu sehen ist.
Mal zum Vergleich wie die (für mich optimale) halbe (!) Speckledgröße vorne (Rot) und hinten (Pink) aussieht:

Magnetrückseite
Und weil ich immer noch nicht erzählt habe, was es mit den Magneten auf sich hat, schiebe ich es hier ein. Das war eine Idee von Anna. Sie hat selbstklebende Magnetfolie verwendet und auf ihren Kärtchen 2 Streifen (glaube oben und unten) geklebt um die Kärtchen auch an ihre große Magnetwand in ihrem Nähzimmer pinnen zu können. Eigentlich wollte ich das nicht übernehmen, denn ich hatte keine Magnetwand und dachte anfangs auch ich bräuchte das nicht. Aber ohne Magnete können die Kärtchen leider nicht gerade in ihrer Box stehen. Es ist jeweils nur eine wirklich dünne Stoffschicht die eben immer nur oben über den Rand geklebt wird. Aber das läppert sich und sorgt dafür, dass die Karten in der Box nicht gerade stehen können. Hier ein Vergleich ohne und mit Magnetfolie:

Ich hätte das natürlich auch anders ausgleichen können, aber gerade weil die Folie selbstklebend ist, war das schon extrem pratkisch. Und inzwischen besitze auch ich eine kleine Magnetwand über meinem Zuschneidetisch. So kann ich erst in aller Ruhe alle in Frage kommenden Kombinationen testen und die Auswahl dann eine Zeit lang an der Magnetwand wirken lassen

Hier zu sehen ist eine tatsächliche Kombination für ein Quiltprojekt das ich in diesem Jahr umsetzen möchte. Ich bin sehr froh sowas nicht mehr anhand von Bildern aus dem Onlineshop entscheiden zu müssen. Aber auch vollständige Farbkarten wären hier nicht besonders hilfreich gewesen.
Eine letzte Stoffserie kann ich noch zeigen:
Robert Kaufmann Kona Cotton
Die Farbkarten für die Kona Stoffe sind schwer zu bekommen und oft mit wochenlanger Wartezeit verbunden. Obwohl es die erste Patchworkserie war die auch mir etwas sagte (um die ging es vor Jahren beim Online Nähen das ich oben erwähnte), war es mir persönlich nicht die wichtigste. Auch weil ich wusste, dass sich die Stoffe eh nicht (oder nicht leicht) von der Karte trennen lassen. Aber irgendwann hatte ich durch Zufall folgendes bei MillersQuilting gesehen:

221 Stoffmuster der Kona Cotton Farbpalette aufgefädelt auf einer Riesennadel. Das sind zwar deutlich weniger als die gesamte Farbpalette von Robert Kaufmann beinhaltet (sind es immer noch 365?) aber dennoch eine enorm gute Übersicht um schon mal mit einem Großteil der Farben zu arbeiten.
Ich habe leider vergessen ein Vorher-Foto der Nadel zu machen, aber meine kam mit einer Stempel-Nummerierung. Leider nicht so hübsch und immer an der gleichen Stelle wie die (Kugelschreiber?) Beschriftung auf den Stoffen von Muriel. Sie hat mir ein Foto ihrer vollständigen Stoffprobennadel zugeschickt. Meine Stempel waren teilweise durchgestrichen und korrigiert und teilweise mitten auf dem Stoff oder eben kreuz und quer. Weil das Schneiden und Beschriften bestimmt ein großer Aufwand war, war ich da nicht allzu böse drum und habe versucht die Nummerierung so gut wie es ging auf die Rückseite meiner Kärtchen unterzubringen und sehr oft war das möglich und sah dann so aus:

Hinten war die Nummerierung von MillersQuilting die nämlich leider gar nichts mit der eigentlichen Stoffnummernbezeichnung von Robert Kaufmann zu tun hat. Und da ich dessen Karte ja nicht besaß hatte ich wirklich Probleme beim Zuordnen meiner Beschriftungsetiketten zu den richtigen Farben. Ich habe den Shop angeschrieben und nach einer Liste gefragt, aber erstmal lange keine Antwort erhalten und mich dann selber dran gemacht. Der Online Shop selber war zum großen Teil behilflich. Ich konnte die gestempelte Nummer im Shop eingeben, in der Beschreibung den Kona Farbnamen finden und mir dann mein jeweiliges Etikett mit der RK Farbnummer raussuchen. Leider führte der Shop aber gar nicht alle 221 Farben die auf der Nadel waren und ich hatte einige übrig die noch auf Zuordnung warteten. Anna war so lieb mir ihre Farbkarten auszuleihen. Sie war übrigens gar nicht gemeint in der Erzählung am Anfang, aber auch sie hat ihre Kona Farbkarten exakt so ausgeschnitten und aufbewahrt:

Mit diesen kleinen Mini-Kärtchen die ich genau so gruppiert lassen wollte, war es immer noch ein ziemlich großer Aufwand, aber immerhin nun machbar.

Irgendwann war auch das geschafft und meine Sammlung von Kona Stoffen ergibt immerhin auch 2 Schubkästen

Einige Zeit nachdem ich fertig war, kam dann übrigens plötzlich noch ein Wordfile von MillersQuilting mit den Farbbezeichnungen 😉
Tipps zum Nachmachen
Durch die Anzahl der verschiedenen Stoffhersteller war das alles einiges an Arbeit. Aber für mich war es die Mühe defitiniv Wert. Für Nachahmer mit Nähgang Zugang würde ich empfehlen vorab den Quick Tipp von Täschi zu schauen. Für alle anderen ist es ja durch die vielen Bilder und die ausführliche Erzählung auch recht selbsterklärend wie die Karten gemacht werden können.
Als kleine Zusammenfassung noch mal:
- Wir haben Comic Boards verwendet und uns bei der Größe der Boards und bei der endgültigen Farbkärtchengröße nach unserer Wunschaufbewahrung gerichtet. (Einfach mal recherchieren, hier gibt es vieles sowohl bei Bürozubehör als auch bei Teeaufbewarung).
Wir wollten unsere Kärtchen gerne quadratisch, aber das ist ja Geschmackssache. - Die Etiketten sind von Avery und haben die Bezeichnung 3667. Wer nicht mit einem Computerprofi verheiratet ist (oder sich nicht selber mit Automatisierungen auskennt), kann die auch online bei Avery selber beschriften, auch wenn das natürlich etwas mühseliger ist.
- Die Größe der Stoffstücke hätte ich am liebsten einheitlich gehabt. Aber da wirklich jede Farbkarte andere Stoffmustergrößen liefert war das nicht machbar. Bzw. hätten wir uns dann am kleinsten (Paintbrush) orientieren müssen und das will ja wirklich niemand.
- Für das Aufkleben der Stoffe hatten wir auch Klebeband in Betracht gezogen, es dann aber u.a. wegen der Menge die wir produziert haben dagegen entschieden. Wir wollten eine schnellere / einfachere Handhabung mit einem Klebestift der so ähnlich funktioniert wie ein Prit-Kleber. Es gibt unzählige Stoffkleber in dieser Art. Das war mir vorher gar nicht bewusst. Ich mochte am liebsten die Rechteckigen, weil sich die am einfachsten großflächig über unser Stoffrechteck verteilen ließen. Leider haben wir die Erfahrung machen müssen, dass einige Kleber- und Stoffmarken sich nicht untereinander vertragen und den Stoff fies verfärben an den Klebestellen. Probiert das also unbedingt vorher aus und wartet einige Tage, das zeigt sich nämlich leider nicht direkt und (besonders fies) nicht bei allen Farben. Wir haben es mehrere Tage nach Fertigstellung einer Serie gemerkt und es waren besonders die gelb-grünlichen Stoffe betroffen und einige Rottöne.
Einsatz der Farbkärtchen
Die Kärtchen waren bei mir seither schon viele Male im Einsatz. Hier helfe ich Anna gerade bei einer Farbzusammenstellung, bei der Motivstoffe, Musterstoffe, Unistoffe und sogar Gummibänder zusammen passen sollen. Wir hatten viel Spaß beim Raussuchen der perfekten Kombinationen.

Gerade helfen sie mir aber auch bei meinem längerfristigen Projekt „Nähzimmer verschönern“. Ich nähe gerade einige Dinge speziell für mein Nähzimmer und möchte dass die Stoffe die nah an einer gestrichenen Wand stehen oder hängen gut zu eben dieser Wandfarbe passen. Online hätte ich das wirklich nicht aussuchen können, in diesem Falle aber eben auch nicht in einem Stoffgeschäft. Von mir also eine dicke Empfehlung für so ein Bastelprojekt, auch wenn es wirklich etwas aufwändiger ist, es lohnt sich sooo sehr. Vor allem, wenn sich zwei zusammentun, Stoffe und gaaaanz viele Gedanken teilen während der gesamten Projektphase 🙂

Anna
So ein schöner Beitrag! Neben all den vielen Farbtupfern feiere ich sehr wie uns dieses Projekt allen Kilometern zwischen uns zum Trotz verbunden hat. <3
Susanne
ich bin begeistert, was für ein Aufwand, aber die Mühe hat sich definitiv gelohnt
viel Spaß mit deinen Farbkarten