Der Lange Weg zum perfekten Body
Ich habe Bodies für mich eigentlich nie großartig auf dem Schirm gehabt. Obwohl ich es schon sehr hübsch finde, wenn ein enganliegendes Oberteil in eine Jeans mit einem perfekt passenden Bund gesteckt werden kann. Das kam aber für mich lange nicht in Frage, da meine Kaufjeans eben nie perfekt saßen. Denn wenn ich mit Hüfte und Oberschenkel in die Hose passte, war der Bund aber ganz sicher zu weit oder stand am Rücken ab.
Erst als ich 2022 das Jeans nähen für mich entdeckt habe (besser gesagt mich endlich getraut habe Jeans zu nähen und mich damit auch dem Thema Anpassungen zu widmen), besaß ich meinen ersten passenden (angepassten) Jeansbund. Ich war sooo glücklich und zugleich auch stolz darauf, dass ich wollte, dass diese Bilder auch auf dem Blog zu sehen sind. Es reichte mir nicht, dass dort nur die Bilder der Jeans selber zu sehen sind, ich wollte unbedingt fotografisch festhalten WIE GUT dieser Bund sitzt, weil ich mit 41 Jahren zum ersten Mal eine perfekt sitzende Jeans anhatte!!

Und tatsächlich war das auch der einzige Grund warum ich meinen ersten Body genäht habe: Bei der Suche nach dem passenden Oberteil, das ich in die Hose stecken könnte, damit der Bund auch gut fotografiert werden kann, wurde ich einfach nicht fündig. Pullover fielen direkt raus, die waren zu voluminös. Aber auch das enganliengendste Longsleeve kam immer wieder aus dem Bund herausgekrabbelt und sah in die Hose gesteckt einfach nicht so gut aus.
Rückblick: Der Nettie Body von Closet Core Patterns
Also nahm ich den Nettie Bodysuit Schnitt von Closet Core und nähte mir einen Nettie Body speziell für diesen Zweck.
Ich gebe zu, anfangs dachte ich schon noch ich würde den später auch viel tragen. Ich wählte einen Stoff den ich zuhause hatte (ich hatte es ja eilig die Fotos zu machen), der aber farblich auch gut zur Jeans passte. Und auch mit der Wahl des Mini-Stoffstückes für die Crotch gab ich mir Mühe.
Mit dem Ergebnis war ich nur so mittelzufrieden. Ich habe die Größe 8 genäht, dessen Tabellenmaße damals wirklich exakt meinen Körpermaßen entsprachen. Aber man sieht auf den Fotos im Originalbeitrag wie eng der tatsächlich sitzt. Auch die Ärmelweite hätte knapper wirklich nicht sein dürfen. Ggf. hätte ich da eine Nummer größer gebraucht. Ob eine Nummer größer die Falten um die Brust herum verbessert hätten, bezweifle ich allerdings. Das liegt wohl eher daran, dass der Schnitt keine verschiedenen Körbchengrößen bedacht hat. Ich gehe davon aus, dass Closet Core den Schnitt für die „Größen“ A und B hat. Denn mit einem C-Körbchen spannt der Stoff bereits sehr an den Seiten.
Was ebenfalls dafür spricht ist deren Idee der Variante mit dem großen Rückenausschnitt. Eigentlich ein super schönes Detail. Aber auch nur für diejenigen, die keinen BH tragen wollen (oder müssen). Für mich war es leider nichts, daher habe ich die Variante mit dem normalen Rücken gewählt und dazu auch erstmal den höheren vorderen Ausschnitt.
Am unzufriedensten bin ich aber mit dem unteren Sitz. Die Beinausschnitte sind lediglich mit Jersey-bindings versehen. Das verstärkt leider den (für mich) sehr unvorteilhaften Schnitt des Po-Bereiches. Der Stoff hört geht nur etwas über die Mitte der Pobacke. Ich bevorzuge Unterhosen (und damit auch Body-Unterteile) die den Po tatsächlich bedecken. Aber wenn dann auch das Gummiband fehlt, dann sorgt das leider umso mehr dafür, dass das bisschen Stoff das da ist die Mitte sucht. Ich stelle später noch Vergleiche verschiedener Passformen ein, da wird das sehr gut sichtbar.
Weil ich kurz danach meine zweite Jeans genäht habe und sehr zufrieden war, wieviel Details meiner ersten Jeans durch den Body auf den Fotos sichtbar ist, hatte ich sogar noch einen zweiten genäht. Auch diesen hatte ich für die Fotos angezogen und danach nie wieder. Nun – knapp drei Jahre später, wo ich es besser angehen wollte, hab ich den Nettie aber extra noch mal getragen, damit ich ihn wirklich frisch beurteilen kann. Dadurch wusste ich dann auch endgültig, dass der Schnitt nichts für mich ist.
Warum ein Body?
Aber warum bin ich das Thema nach so langer Zeit überhaupt noch mal angegangen??
Ich habe mir letztes Jahr eine (Outdoor-) Latzhose gekauft. Für diese wollte ich mir gerne mindestens ein passendes Oberteil nähen. Auf jeden Fall sollte das Oberteil optisch richtig gut zur Latzhose passen, nicht nur farblich. Dafür habe ich mich auch von seeeehr vielen Fotos mit Latzhose inspirieren lassen und mir haben all die Bilder mit enganliegenden Jerseyshirts immer am Besten gefallen.
Meine erste Idee war daher ein richtig gut sitzendes Longsleeve. Das wollte ich dann aber unbedingt verlängern. Denn wie die meisten Latzhosen hat auch meine seitlich die etwas tiefere Öffnung und da sollte das Shirt auf keinen Fall rauskrabbeln. Erst als der extra dafür bestellte Stoff schon da war, kam mir die Idee: Warum denn nicht einen Body? Der würde ja beides bieten: Den enganliegenden Look UND die Funktionalität: das Shirt bleibt mit einem Body definitiv da wo es bleiben soll. Von der Idee, die mir gerade noch rechtzeitig vor Zuschnitt kam, war ich dann richtig begeistert. Aber als nächstes fiel mir wieder ein was mir an meinen letzten Bodies so wenig gefallen hat. Darum wollte ich es diesmal anders angehen und den – für mich – perfekten Body finden.
Der perfekte Body
Zuersteinmal hatte ich Nettie dafür noch mal angezogen und die Infos gesammelt die mir daran nicht gefallen hatten. Und dann habe ich geschaut welche Body Schnittmuster es denn sonst noch gibt. Das größte Problem ist hier echt der Po. Teils war es schon auf dem Modelbild sichtbar, teils nach einer kurzen Bildersuche: Der Po hängt immer halb frei.
Zweites Kriterium war der Wunsch nach einem Schnittmuster mit wählbarer Körbchengröße. Das hab ich leider nur von einer Anbieterin gefunden (bei der mir aber der Rest des Schnittes nicht zugesagt hat). Aber immerhin sind Seamwork Schnitte wohl größtenteils für C-Körbchen konstruiert, weshalb der Orlando Body (ein Add-on fürs Orlando Shirt) auch mit in die engere Wahl kam. Pluspunkt hierbei: Orlando besaß ich eh schon. Ich habe aber dann noch Rowan von Megan Nielsen gekauft. Hier haben mich alle Bilder von ihrem Shop überzeugt. Perfekter Sitz bei den verschiedenen Models, verschiedene Halsausschnitte, verschiedene Armlängen, Shirt-Varianten inklusvie und der Po ist zumindest zum Großteil bedeckt, daran kann ich aufbauen und Anpassungen vornehmen 🙂
Bei Seamwork bin ich übrigens Größe 6 und bei Megan Nielsen (mit exakt den gleichen Werten in der Tabelle) die Größe 8. Diese Größen habe ich dann jeweils probegenäht. Erstmal exakt so, wie es der Bodyschnitt vorsieht, damit ich den IST-Zustand beurteilen kann.
Einzige Ausnahme: Seamwork hat eine kleine Kurve auf Brusthöhe. Die kenne ich von einem Craftsykurs bereits (Full Bust Adjustment for any pattern). Vor vielen Jahren habe ich in dem Kurs gelernt wie ich enganliegende Jersey Shirts durch eine kleine Änderung anpassen kann, so dass sie ohne Brustabnäher (und eigentlich auch ohne FBA) passen und eben keine Falten ziehen, weil der Stoff auf Brusthöhe zu sehr spannt. Orlando hat diese kleine Kurve bereits im Schnitt und passte damit an dieser Stelle auch sehr gut.
Dieses kleine Extra-Stück Stoff sorgt echt für einen viel besseren Sitz bei mir. Daher hab ich das bei Rowan auch direkt eingezeichnet und die erste Probeversion bereits mit dieser Änderung genäht.

Um die Unterschiede wirklich gut zu sehen und besser dokumentieren zu können, hab ich mich in allen drei Schnitten fotografiert. Im bereits 2022 genähten Nettie um einen Vergleich zu haben. Und in den frisch genähten Bodies Orlando und Rowan ebenfalls.
Der Sitz aller (an mir) noch mal zusammengefasst:


Zusatz zu Orlando: Die Nähtechnik für die „Unterhose“ gefiel mir nicht. Es wird ein Falzband verwendet. Bei diesem Beitrag wird aber noch eine Methode für dehnbare Spitze gezeigt. Und dort sieht man übrigens auch wunderbar, dass nicht nur mein Po nicht vom Stoff bedeckt wird.

Die Verschlüsse / Crotches:
Alle drei werden unterschiedlich genäht, sehen unterschiedlich aus. Darauf gehe ich noch ein.
Aber alle drei haben gemeinsam, dass sie exakt zwischen den Beinen geschlossen werden, was wirklich umständlich ist im Alltag. Ich sehe ja nicht wo ich schließen muss. Das wird vor allem dann friemelig, wenn der Body perfekt sitzt und die Schließe die eigentlich richtige Länge haben (und damit nicht unendlich dehnbar sind). Weil ich mich am Ende für die beste Schließmethode und die beste Crotchnähtechnik entscheiden wollte, hab ich mich damit wirklich lange beschäftigt, probegetragen und immer wieder darauf geachtet wie aufwändig das Schließen des jeweiligen Bodies ist. Resultat: Die Nähtechnik war dabei egal, es liegt einfach an der Positionierung die immer mittig zwischen den Beinen ist. Und damit war mein Entschluss gefasst, dass ich DAS ändern möchte und dass DAS meine eigentliche Anpassungs-Arie wird
Ich zeige trotzdem mal kurz die 3 unterschiedlichen Ergebnisse wie sie laut Original-Anleitung aussehen:

Alle 3 verwenden übrigens die Druckknöpfe die per Hand angenäht werden. Ich finde die Lösung (siehe Nettie oben) aber nicht so schön und habe Jersey-Druckknöpfe getestet die (nach kurzem Üben) relativ einfach mit dem Vario Tool befestigt werden können.
Nähtechnik der Crotches
1 Nettie) Wie die Crotch für Nettie genäht wird, hab ich ehrlich gesagt nur durch den Sew Along verstanden. Hm… Nähtechnisch und optisch keine Glanzleistung ehrlich gesagt.
2 Orlando) Beim reinen Durchlesen hat es hier auch noch nicht klick gemacht. Aber beim Schritt für Schritt Anleitung folgen während des Nähens wurde es dann schnell klar. Hier war ich positiv überrascht, weil ich dachte, dass die vielen Jerseylagen die hier aufeinandertreffen noch dicker auftragen werden.
Ich habe für mein Probeteil jetzt nicht wirklich akkurat sauber genäht und gehe davon aus, dass das tatsächliche Ergebnis gleichmäßiger aussieht. Ich finde die Technik und das eigentliche Ergebnis okay, mehr aber auch nicht.
3 Rowan – als letztes genäht) Hier war ich direkt begeistert. Sowohl von der Tatsache, dass hier für das Crotch-Stück Webware verwendet wird, als auch von der Art und Weise wie das angenäht wird (wer die Anleitung nicht hat kann hier beim Sew Along spicken)
Das ist nicht nur die schönste und (wie ich finde) schlauste Lösung – das hat mir tatsächlich richtig Spaß gemacht. Ich kann schon mal spoilern: Zum perfekten Body brauchte ich VIELE Probeteile, für die ich – um den Sitz auch wirklich beurteilen zu können – die Crotch jedes Mal komplett genäht habe. Probeteile nähen gehört wirklich nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Aber dieser Part hat mir immer besonders Spaß gemacht. Auch, weil ich dafür immer perfekt zum Stoff passende kleine Baumwollreste raussuchen konnte:

Für ein noch einfacheres Öffnen und Schließen habe ich dann aber noch überlegt, ob Klettverschluss nicht auch eine gute Lösung wäre. Ein bisschen Angst hatte ich, dass es zu sehr aufträgt oder aber nicht gut genug hält (also von alleine wieder aufgeht)
Aber beide Gedanken waren unbegründet. Ich habe dann an mehreren Orten (instagram, YouTube) auch noch mehrere Beiträge gefunden für Bodies die mit Klett verschlossen wurden. Ich weiß nicht, ob es Langzeit-Tests gab, aber diejenigen die es versucht hatten waren zufrieden mit der deutlich einfacheren Methode, daher hab ich es auch versucht. Und ich muss sagen: So sehr ich die Jersey-Druckknöpfe alleine für die Optik bevorzuge – zusammen mit Anpassung 3, die ich gleich erkläre, war das dann wirklich mein Favorit.

Hinzu kam, dass Klettband wirklich DIE Lösung war für meine Probeteile. Ohne wirkliche Schließung und Anziehen hätte ich niemals so gut testen können, ob meine Anpassungen erfolgreich waren oder nicht. Mal eben Klett anzubringen ging deutlich schneller. Und war natürlich besser für meinen eh nur recht kleinen Jersey-Druckknopf-Bestand.
Die Anpassungen
Weiter gearbeitet habe ich dann auch nur noch mit Rowan. Nettie war ja eh schon raus und Orlando hat außer dem guten (seitlichen!) Sitz an der Brust gar nichts für mich bieten können.
Anpassung 1 – der Halsausschnitt
Ich habe es bei der Zusammenfassung oben schon erwähnt: Der Standardausschnitt (Crew Neckline) ist wirklich extrem hoch. Das liegt daran, dass es zwar einen extra Ausschnitt für die V-Neckline -Variante gibt, aber nur eine gemeinsame Halskurve für Crew Neckline und Turtle Neck (siehe Rosa-Variante). Ich habe mir eine tiefere Kurve angezeichnet und habe dafür sowohl hinten (etwas) als auch vorne (etwas mehr) Rundung eingezeichnet. Anschließend habe ich die Strecke der alten und neuen Rundung gemessen und den Halsstreifen / das Neck Band entsprechend neu gezeichnet. Das hat auf Anhieb gut geklappt und ich war mit der neuen Höhe zufrieden.
Bei instragram auf dem Kanal von @whatbellamade wird übrigens eine super tolle Anpassung für einen Square Neck gezeigt. Siehe Beitrag (hier verlinkt) und Story Highlights. In den Stories gab es wirklich Schritt-für-Schritt Anleitungen für die Anpassungen am Schnitt, aber auch für die Nähschritte. Das möchte ich auch unbedingt probieren, aber nicht für den Body (und nicht für die Kombi zur Latzhose), aber wenn ich mal das Rowan-Shirt nähen sollte.
Anpassung 2 – der Po
Hier brauchte ich „nur“ 2 weitere Probeteile. Ich habe etwas mehr Rundung am Schnittteil angebracht. Beim ersten Versuch damit war es dann schon besser, aber noch nicht ideal und ich habe das Schnittteil noch mal angepasst. Hier der Vergleich aller Schnitte, aber auch noch Rowan vorher / nachher nebeneinander:

Mit dem weiteren Ergebnis war ich dann aber auch rundum zufrieden. Zumindest für diese Anpassung denn es gab noch eine weitere:
Anpassung 3 – der Verschluss
Wenn ich nun schon so aufwändig einen Body beurteile und anpasse, dann möchte ich ihn auch wirklich gerne tragen wollen. Dazu zählt dann auch, dass der Verschluss (z.B. durch die Breite) zwischen den Beinen nicht stört. Orlando fand ich zum Beispiel ein wenig zu breit. Aber noch mehr störte mich ja wie fummelig es war den Body wieder zu verschließen. Natürlich ist es generell kein Problem 2-3 Druckknöpfe zu schließen. Aber macht das mal, wenn ihr mit heruntergelassener Hose irgendwo anders als auf der heimischen Toilette hockt und es soll ggf. sogar noch schnell gehen. Ich habe mich dann wirklich auch irgendwann gefragt warum denn alle Bodies genau zwischen den Beinen geschlossen werden? Soll es die Optik vorne nicht beeinträchtigen?
Ich wollte zumindest mal testen, ob es nicht einfacher wäre den Verschluss vorne zu haben. Und hier begann die eigentliche Arbeit.
Ich wusste bereits bei Versuch No.1 dass es mir sehr zusagt, dass ich den Body vorne verschließen kann. Aber mein erster Versuch den Verschluss hinten zu verlängern und vorne zu verkürzen brachte leider auch einen schlechteren Sitz der Unterhose mit sich. Außerdem hat er gezeigt, dass mir auch wichtig ist, dass der oben liegende Verschluss dann exakt zum Schnitt passt. Die ersten Versuche sahen leider nicht wie gewünscht aus.
Ich habe es mir aber nun etwas einfacher gemacht: Für jede weitere Probe habe ich nur noch den unteren Teil des Bodys probegenäht. Also quasi eine Body-Unterhose. Denn obenrum saß Rowan für mich ja bereits perfekt und ich brauchte mich nur noch auf den Verschluss konzentrieren.
„Nur noch“ ist allerdings etwas untertrieben. So sehr ich das Nähen ja liebe… Probeteile gehören eher nicht dazu. Anpassungen aber erstrecht nicht. In diesem Falle wusste ich ja auch gar nicht was ich da tue und es war ein bisschen try and error. Ich wollte unbedingt, dass die Technik mit dem Facing (das kleine Webwarestück) bestehen bleibt und so habe ich jedesmal die Änderung am vorderen Schnitt und am hinteren Schnitt gemacht und auf beide Facings übertragen. Dann probegenäht und… wieder von vorne.
Ich habe das bestimmt 5 mal gemacht, bis ich wirklich rundum zufrieden war. Es galt die perfekte Höhe für den Verschluss zu finden (zu weit vorne oben war auch nix….) und dafür aber dann auch den perfekten Sitz (Verhältnis der Verschlusslänge hinten und vorne) und die perfekte Form, damit ich weiterhin auf eine ganz normale Unterhose schaue.
Ich kann zwar stundenlang und sogar tagelang die perfekte Taschenlösung für eine Jacke oder einen Rucksack entwerfen (ausdenken / zeichnen / probenähen). Aber die Geduld habe ich für Passform-Anpassungen von Kleidungsstücken in der Regel leider überhaupt nicht. Was mir hier seeeehr geholfen hat, war die Tatsache, dass ich ein ganzes Nähwochenende mit Muriel, Sabrina und Anna verbracht hatte. Aber auch die Tatsache, dass mir irgendwann bewusst war, dass ich an diesem Wochenende nichts anderes mehr nähen werde als diesen Body (bzw. eben noch nicht mal den Body, sondern wirklich nur Probeteile um dorthin zu gelangen) und dass das dann eben so okay ist.
Durch die vielen Probeteile konnte ich übrigens einen tollen Stash-Abbau betreiben. Ich hatte größere Jerseystücke die ich nicht mehr mochte (daraus habe ich anfangs die Bodies genäht) aber auch viele kleinere, die nicht mehr für ein Shirt gereicht hätten. Aus denen habe ich fleißig die Body-Unterhosen-Probeteile genäht. Die eigens dafür gekauften Stoffe brauchte ich dann wirklich erst anbrechen, als wirklich alles passte.
Ergebnis
Und so sah es dann übrigens aus, als alles passte. Jetzt hab ich so oft von Verhältnis Verschlusslänge vorne und hinten gesprochen, sowie Verschluss des Bodies „vorne“, dass ich jetzt auch noch zeigen möchte wie das dann aussieht.

Nun hat der Verschluss die richtige Breite, der Body aber weiterhin den perfekten Sitz. Vom Verschluss selber ist nichts zu spüren und er trägt auch nicht auf. Also auch mit einer Hose drüber ist da nichts zu sehen. Das Öffnen und Schließen könnte nun nicht leichter sein. Diese „kleine“ Änderung (mit großem Aufwand) hat sich sehr gelohnt und macht den Body so viel praktikabler, dass ich mir sicher bin, dass ich nun viel häufiger Bodies tragen werde. Daher habe ich mich dann auch auf das Nähen der Tragevarianten gefreut:
Meine 3 Body-Varianten
Ich habe mir 3 Varianten rausgesucht, weil ich wirklich alle Ausschnitte und Armlängen gerne mochte:

Rundhalsausschnitt, Langarm in Grau: Diese Variante schwebte mir von Anfang an für die Latzhose vor. Die anderen beiden entstanden aus Neugier und für etwas mehr Vielfalt im Kleiderschrank:
V-Ausschnitt, Dreiviertelarm, in Ocker: Die V-Variante nähe ich bei allen Shirts wirklich ungern. Man muss sooo präzise arbeiten an dieser V-Spitze, dass ich immer Angst habe es dort zu versauen. Als ich es dann geschafft habe, dachte ich erst der Halsauschnitt sei zu labberig (siehe Flatlays…). Aber als ich es dann anhatte, saß es wirklich perfekt. Die Dreiviertellänge des Armes habe ich gewählt, weil ich von diesem Stoff nicht genug für eine Langarmvariante besaß. Gefällt mir nun aber gut.
Turtle Neck, Kurzarm in Old Rosé: Die Variante wollte ich einfach aus Neugier noch testen. Eigentlich ergibt es wenig Sinn einen höheren Halsausschnitt zu wählen, aber dann nur kurze Arme zu nähen. Ich hätte super gerne Langarm genäht, aber von diesem Stoff hatte ich nur ein Reststück und das war alles was ich rausholen konnte aus dem Stoff. Hier versteckt sich übrigens auch noch eine kleine Änderung: Die Kurzarmversion aus dem Schnitt war mir persönlich ZU kurz. Ich mag es nicht, wenn ein Ärmel direkt in der Achsel aufhört. Daher ist mein Standard-Kurzarm nun etwas länger:

Eigentlich habe ich nun wirklich alles berichtet was es über meine Erfahrung mit den Bodies (und am Ende vor allem Rowan) zu erzählen gibt. Mein persönliches Highlight waren aber wirklich die Crotches an denen ich sehr viel Spaß hatte. Daher folgen noch ein paar Crotch-Bilder mit schönen Versäuberungen durch hübsche Baumwollreste


Mit dem ersten Baumwollstoff mit wirklichem Motiv, hab ich mir sogar noch eine Vorlage angefertigt, durch die ich sehe was nach der Nahtzugabe von 1,5 cm noch bleibt. Gut so, denn fast hätte ich einem Vogel den Kopf abgenäht. Hab mich dann stattdessen für einen anderen Stoff entschieden, bei dem es passte:

Und dann gibt es jetzt endlich noch Tragebilder, mit der anfänglich erwähnten Latzhose. Alle auf verschiedenen Wanderungen entstanden, bei den ersten schönen Frühlingstagen in diesem Jahr.
Alle 3 Bodies wurden also auch wirklich schon auf Funktionalität und Bequemlichkeit geprüft.



Ich bin sehr happy mit den Ergebnissen und der guten Passform. Es war ein langer Weg, aber genau so habe ich mir den perfekten Body vorgestellt 😃 Aber weil die Latzhose einen Großteil des Bodies verdeckt, hier auch noch mal Fotos mit Latz heruntergeklappt:

Und demnächst bekommt die Latzhose auch noch etwas passendes für obendrüber. Die Planungen laufen schon….
Aber nun schicke ich die Rowan Bodysuits erstmal zum Me Made Mittwoch, der heute von Jeannette in einem Kurzmantel eröffnet wird.
Sam
WOW , das ist mal eine ausführliche Erläuterung zum Thema Body. Herzlichen Dank dafür!
Vor allem die Idee mit dem Klett scheint mir genial. Ich nähe Bodies gern nach dem Body Baukasten von Katriny, weil da Langgröße direkt enthalten ist, war für mich der Gamechanger. Ich glaub deine Variation des nach vorn verlegten Verschlusses mit Klett werde ich mir da auch mal dran basteln.
🙂
Mel
Spannend. Der Baukasten ist mir bei meiner Suche gar nicht übern Weg gelaufen.
Meine Klettversion muss wohl erst ein paar Wäschen durchgemacht haben, bevor ich wirklich weiß, ob Klett eine gute Idee war. Aber den nach vorne verlegten Verschluss liebe ich sehr, das ist einfach nur praktisch.
Anonym
Hallo Mel,
ich lese die Berichte über deine Nähabenteuer sehr gerne Danke dafür.
Herzlichen Dank dafür.
Mema
Mel
Vielen Dank. Das freut mich sehr
Anja
Hallo Mel,
vielen Dank für die ausführlichen Erläuterungen zum Thema Body. Ich bin erstaunt, dass ich bei meiner eigenen Suche nach Body Schnitten vor 2 Jahren nicht auf diese Schnitte gestoßen bin. Oder sind sie so neu? Ich werde deinen Post jedenfalls in den nächsten Tagen mal als gemütliche Bettlektüre nutzen und mir alles nochmal genau durchlesen.
Meine beiden Body Balotta Versionen von Makesa Schnittdesign trage ich jedenfalls auch sehr häufig.
LG Anja (@anjasews auf Insta
Mel
Hallo Anja, ich glaube der neueste der dreien ist der Rowan. Zumindest Nettie gibt es schon sehr lange. Mir sagt der Body Balotta hingegen nichts. Auf der Webseite kann ich aber gerade auch nicht erkennen, ob er denn überhaupt einen Verschluss hat?
Anja
Ja, ja, hat er. So wie üblich zwischen den Beinen mit Druckknöpfen. Die Po-Bedeckung ist für mich gut.
marys.kitchen
Wow, das ist mal ein toller Beitrag mit viel Tiefe! Ich mag auch sehr deine Zeichnungen für mehr Privatsphäre. Sehr geschickt gelöst. Natürlich auch deine Bodys!
Der rosefarbene wirkt sehr edel!
Tolle Umsetzung und tolle Farben!
Vielleicht widme ich mich auch irgendwann dem perfekten Body. Dein Post macht Lust darauf!
Liebe Grüße,
Maria