Das Fitting Band

Werbung – in diesem Beitrag nutze ich ausschließlich eigene Materialien und einen selbst gekauften Schnitt, aber es werden Marken und Accounts genannt

Eigentlich wollte ich heute meinen 2. Versuch des Black Beauty Bra’s zeigen. Da ich die Änderung von Versuch 1 zu Versuch 2 aber mit Hilfe eines Fitting Bands getestet habe und das Fitting Band auch tatsächlich in der Reihenfolge nach Versuch 1 genäht habe, zeige ich euch das erstmal und beschreibe worum es da überhaupt geht.

Ich selber kannte das bisher gar nicht und habe es erst in einem Kurs von LilypaDesigns bei The Great Bra Sewing Bee gelernt. Aber erst einmal die Erklärung wofür es überhaupt benötigt wird:

Wenn man bei einem BH-Schnitt seine passende Band-Größe gefunden hat, an den Cups aber noch experimentieren muss, dann kann ein Fitting Band perfekt helfen um nicht jedes Mal einen kompletten BH probenähen zu müssen.

Für den Black Beauty Bra wusste ich von meinem ersten Versuch schon, dass das Band perfekt passt. Bei den Cups hingegen hätte das eine längere Anpassungsreihe werden können. Wenn man ein Fitting Band für den Schnitt besitzt, kann man nach und nach Änderungen machen, muss dafür aber immer nur einen Cup nähen und kann diesen immer wieder in das Fitting-Band heften und beides zusammen anprobieren und bewerten. Weitaus zeitsparender und materialsparender als den BH immer komplett zu nähen um die Passform beurteilen zu können.

Ich wusste natürlich vorab nicht, ob ich einen oder fünf Versuche zur Anpassung benötigen werde (und ob sich das Nähen des Fitting Bands entsprechend lohnt). Was ich aber wusste ist, dass ich solange Änderungen vornehmen werde, bis dieser Schnitt perfekt passt. Weil ich ihn so schön finde und weil ich hochmotiviert war, durch meine erfolgreichen Anpassungen für den Bella BH. Ich war aber zusätzlich einfach neugierig auf die Methode und das Nähen selber. Es wird nämlich leicht anders genäht als ein Standard-BH.

Kurz hatte ich überlegt, ein wunderschönes Fitting Band zu nähen, da ich es ja aufheben werde 🙂 Aber eigentlich näht man für jeden BH-Schnitt ein eigenes Fitting Band, da die Rundungen des Rahmens ja auf die Cups des jeweiligen Schnittes angepasst sind. Somit ist das Band für einen komplett anderen Schnitt nur bedingt einsetzbar. Also war ich vernünftig und habe Restbestände verwendet, die ich nicht vermissen werde. Z.B. Träger und Bügelband die laut Webshop anders beschrieben wurden und aussahen, aber als “hautfarben” bei mir ankamen. Nicht so schön…

Das Band wird komplett genäht, nur eben ohne Cups. Also: Bridge (Brücke) und Cradle (Rahmen) aus den üblichen Materialien und mit nicht-dehnbarem Futter, ein Backband aus Powernet, der Verschluss, das Unterbrustgummi, die Ziergummis und auch ganz wichtig: Bügelbänder. Ein richtiger Sitz kann nur mit Bügeln getestet werden. Und damit der BH auch wirklich anprobiert werden kann: Trägerbänder.

Die Reihenfolge des Nähens ist ein wenig ungewohnt, da man ja kein Cups einnäht. Um diese aber später leicht einsetzen zu können, habe ich vor dem Einnähen der Bügelbänder

  • im ersten Schritt eine Stabilisierungsnaht ganz nah am Rahmen eingenäht (Blaue Naht)
  • im zweiten Schritt eine auffällige 1/4 inch-Naht eingenäht. (Rote Naht)

Auf dieser roten Naht kann später das Cup eingenäht werden (Heftstich). Mir half es aber auch zuvor schon bei der Platzierung der Bügelbänder (es fehlt ja die Cupnaht auf der die eigentlich platziert werden).

Die Bügelbänder ruhig etwas länger lassen, so kann man auch unterschiedlich lange Bügel testen

Anprobieren kann ich das Fitting Band natürlich nur wenn das Fitting Band auch Träger hat. Ich habe ein rechtes Cup zur Probe genäht. Ein Teil des Trägerbandes ist dort mit eingefasst, daher reichte mir auf der rechten Seite das Gegenstück zum Verbinden.

Auf der linken Seite hingegen werde ich kein Cup einsetzen und benötigte daher einen sehr langen Träger den ich seitlich befestigen kann zum Probetragen

Zur Anschauung mal an der Püppi. An mir selber hat das mit den Clips nicht gehalten und ich habe die Träger mit  Nadeln festgesteckt.

Da ich die Träger beidseitig recht lang gelassen habe, konnte ich den BH recht bequem anziehen und “festzurren”. Die Bügel habe ich in beide Seiten geschoben, so wird der Sitz noch realistischer dargestellt.

Ich konnte den Sitz des Cups anhand des Fitting Bands perfekt beurteilen und wusste damit, dass ich noch eine Kleinigkeit verändern möchte (siehe Stecknadel die noch eine Falte legt)

Die Cups habe ich übrigens nicht mit normalem Garn eingenäht, sondern mit “Washaway Thread”. Den Tipp dazu hatte ich vor langer Zeit schon mal bei einem Sewy Kurs bekommen und mir das Garn dann auch direkt zugelegt, es dann aber nie benutzt. Nun war ich sehr froh um den Kauf (meines ist von Madeira), so konnte ich gleich den Tipp von Lily umsetzen, die dieses Garn für das Einsetzen der Cups in das Fitting Band empfohlen hat. Als ich mein Cup wieder herausnehmen wollte, hatte ich mich auf ein längeres einweichen eingestellt. Aber es reichte tatsächlich die Naht nur kurz unter fließendes Wasser zu halten, schon konnte ich mein Cup ganz leicht ablösen. Ich war sehr begeistert. Definitiv toller als Auftrennen 🙂
Nur ein kleiner Tipp: Was NICHT klappt, ist das Garn anzufeuchten um es besser in die Nadel einzufädeln… Hatte das zwei Mal ganz in Gedanken gemacht und wurde dran erinnert, dass ich grad nicht mit normalem Garn nähe, sondern mit welchem dass sich auflöst bei Nässe 😉

Muriel hat auch schon Fitting Bänder genäht und während des BRAugusts auf instagram berichtet. Sie hat mir auch noch einige Tipps zum Nähen meines Bands gegeben. Vielen Dank dafür!!

viele Grüße,

4 Kommentare zu “Das Fitting Band

  1. Sehr interessant! Ich habe auch vor, bald auf sebstgenähte BHs umzusteigen. Eigentlich hatte ich vor, einen Kauf-BH aufzutrennen und das als Grundlage zu verwenden, aber der Sitz ist eben nur “gut”. Dieser Ansatz mit dem Fitting Band sieht jedenfalls sehr vielversprechend und zeitsparend für das “fine tuning” aus 🙂
    LG, Bettina

    1. Interessant.. Weiß gar nicht, ob ich mir die Mühe mit dem Auftrennen machen würde… Aber ich bin eh jemand der immer eine Anleitung braucht und schätzt…. Von daher nähe ich dann lieber komplett nach fertigen Schnitten. Aber wenn der Sitz dieses BHs nur gut und nicht perfekt ist, würde ich mir die Mühe wohl erstrecht nicht machen.
      Bevor ich das erste Mal BHs selber genäht habe, besaß ich aber keinen einzigen perfekt sitzenden BH. Nicht mal gut. Eher nur „okay / akzeptabel“. Der erste und einzige gute BH war aus einem Wäschekaufhaus mit viel Beratung und plötzlich hatte ich nicht mehr 75C sondern 70E. Dieses „E“ hatte mich sehr überrascht, denn es wird einem immer suggeriert, dass A-B automatisch kleine Körbchengrößen sind und D-??? große Größen. Eigentlich erschreckend, dass ich erst mit Mitte Dreißig wusste, dass das immer nur das „Verhältnis zu“ beschreibt. Meinen ersten selbstgenähten BH (den ich damals toll fand), finde ich heute nicht mehr gut und ich hab erst nach und nach gelernt wie toll so ein BH passen KANN, wenn man sich die Zeit nimmt sich damit zu beschäftigen. Ich kenne ja deine sonstigen Arbeiten und weiß, dass du Hosen und Mäntel nähen kannst. Ich bin mir sicher, so ein BH-Projekt wäre perfekt für dich!! Wann immer du Fragen hast und Hilfe brauchst melde dich sehr gerne!!
      Viele Grüße, Melanie

  2. Hallo Melanie, danke für den Bericht.
    Ich arbeite auch mit einem Fittingband. Barbara Boll hat mir das im BH Kurs in Wien 2016 (http://www.von-mema.de/2016/09/28/dessous-naehen-in-wien-tageskurs-update-bei-barbara-boll/) gezeigt. Es gibt noch eine interessante Anwendung. Hier (https://merckwaerdigh.wordpress.com/2014/08/08/step-7-sewing-the-fitting-band/) zeigte Margreet van Dam / Merckwaerdigh in 30 Schritten wie sie mit Hilfe so eines Bandes ein neues Schnittmuster entwickelt. Ich fand das sehr spannend.
    Schöner Gruß Mema

    1. Vielen Dank Mema!! Ich habe noch nicht alles durchgelesen, finde das aber sehr spannend. Hab mir mal ein Lesezeichen gesetzt und werde mir noch die Zeit nehmen da ausführlich zu stöbern 😀

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