Kalle Shirt mit einem Stoff von Lotte Martens

Werbung: Der Stoff wurde mir im Rahmen einer Kooperation / für eine Blogtour von Lotte Martens zur Verfügung gestellt

Im Frühjahr 2018 habe ich von Lotte Martens einen unfassbar tollen Stoff bekommen: „Vuurdoorn022“
Der goldgelbe Stoff, golden handbedruckt, ist Teil der damals neuen Kollektion „Party Animals“.

Ich war ja von ihrer vorherigen Kollektion 2017 schon begeistert und hatte damals „Koperenregen“ (Kupferregen) vernäht und eine Lourdes-Jacke daraus genäht. Ein immer noch sehr besonderes Teil in meinem Kleiderschrank. „Vuurdoorn022“ musste aber erstmal warten, denn leider wurde ich zum geplanten Näh- und Veröffentlichungstermin krank und konnte erstmal nicht mit dem Projekt starten. Ich wusste aber längst was ich etwas verspätet daraus nähen möchte: das Kalle Shirt von Closet Case Patterns / heute Closet Core Patterns. Darauf hatte ich schon lange ein Auge geworfen und hatte den Plot auch schon daheim.

Als ich wieder gesund war, machte ich mich motiviert dran. Da ich das Shirt aber doch seehr cropped fand, hatte ich den Schnitt vorsichtshalber um 5cm verlängert. Das passte auch gerade so noch für die Höhe des handbedruckten Panels. Zusätzlich habe ich unbedruckten Stoff zur Kombination bekommen. Aus dem bedruckten Stoff habe ich die beiden Vorderteile zugeschnitten. Damit der Druck ohne Unterbrechung gut zur Geltung kommen kann, hab ich mich für die Version A mit verdeckter Knopfleiste entschieden.

fertige, verdeckte Knopfleiste

Die Version A hatte Standardmäßig einen kurzen Stehkragen.

NACHDEM ich alles zugeschnitten hatte, fiel mir auf, dass das doch jetzt entweder dumm oder mutig war einen unbekannten Schnitt zu nehmen für diesen besonderen Stoff. Mich verließ dann doch der Mut und ich wollte lieber erstmal ne Probeversion nähen. An der Passform konnte ich jetzt – fertig zugeschnitten – eh nicht mehr viel ändern. Aber zumindest mit der Anleitung konnte ich mich ja schon mal vertraut machen und suchte dann in meinem Bestand nach einem Probestoff.

Leider hat mir das Ergebnis des Probe-Shirts von 2018 nicht wirklich gut gefallen. Ich habe den Blogbeitrag dazu auch erst ein halbes Jahr später veröffentlicht. Ich war wirklich lange mit mir am Hadern, was ich von dem Ergebnis halte, ob ich es tragen möchte, und behalten möchte. Auch Monate später hatte ich meine Zweifel noch im Beitrag erwähnt.

Das Ding ist: Als ich es das erste Mal auf der Arbeit anhatte, habe ich einige Komplimente bekommen, wegen des ungewöhnlichen Schnittes. Das hat mich sehr gefreut. Dennoch hab ich mich nie wohl in diesem Shirt gefühlt. Ich glaube ich hatte es seit Fertigstellung 2018 drei oder vier mal an.

Ein kleiner Grund ist, dass ich es nur mit einer High Waist Hose tragen kann. Und ich mir noch immer keine genäht habe. Ein etwas größerer Grund ist, dass das Shirt einfach nicht gut / sauber genäht ist, weil ich damals wirklich überfordert war mit der Anleitung und mit dem sehr steifen, störrischen Stoff. Der sorgte leider auch dafür, dass die Rundungen am Saum nicht gut wurden. Ein noch größerer Grund war, dass mir der Kragen üüüüberhaupt nicht gefiel. Mal davon abgesehen, dass ich einen kleinen Knopfloch-Unfall hatte und dort improvisieren musste…. Beim Blick in den Spiegel fiel mir immer der Kragen auf, der mir einfach nicht stand und mich immer wieder an einen Pabstkragen erinnerte 🙁

Der wohl größte Grund war aber meine schlechte Stoffwahl. Ich habe einen Stoff genommen der da war und der mir nicht fehlen wird, wenn meine Probe nicht tragbar werden würde. Was ich aber überhaupt nicht bedacht habe, ist der wichtige Fall des Stoffes. Ich hatte sehr steifen, schweren Stoff gewählt und das Hemd fiel damit einfach nur starr und kastig. Vor allem für die hintere Falte ist das leider total blöd. Die sah so natürlich nicht schön aus, stand aber auch richtig doll vom Rücken weg. Obwohl ich das selber von vorne nicht sehen konnte, hab ich das irgendwie beim Tragen gemerkt und ständig an mir rumgezuppelt

Aber auch der vordere Schulterbereich „steht“ quasi von selbst bei diesem Hemd. Und das ganze sieht dann nicht nur doof aus, es fühlte sich halt auch so starr an. Es fiel nicht fluffig an mir runter, es fühlte sich tatsächlich sperrig an.

So. Da hab ich nun diesen wundervollen Stoff von Lotte Martens schon zugeschnitten und dann war ich so dermaßen enttäuscht von meinem ersten Kalle-Shirt, dass ich es eigentlich nicht noch mal nähen wollte. Ja, es lag vieles davon am Stoff. Aber eben auch am Schnitt und der Anleitung.

Ich hab das Shirt eigentlich aus diesem Grund immer mal wieder angezogen, weil ich gehofft, habe, dass es mich doch noch überzeugt – denn….. Ich hatte den tollen Stoff doch schon zugeschnitten 🙁 🙁

Nach der ersten Enttäuschung hab ich den Stoff von Lotte Martens erstmal nicht mehr angerührt. Ich wollte ihn auf keinen Fall für ein Projekt verwenden, das mir dann gar nicht gefällt. Die Blogtour hatte ich bereits verpasst und nun das 🙁

Ich hatte dann gehofft ich finde noch einen Schnitt, bei dem die Schnittteile kleiner sind als die schon zugeschnittenen. Und so vergingen… ähm….zweieinhalb Jahre!!

Wann immer mir der Karton mit dem Projekt in die Hände kam, hatte ich zum einen ein schlechtes Gewissen, da ich mein Ergebnis mit dem Stoff eben nie gezeigt habe (da es ja kein Ergebnis gab). Aber auch weil ich es so traurig fand, dass dieser schöne Stoff so ungenutzt in dieser Kiste liegt.

Nachdem ich in letzter Zeit gefühlt nur BHs genäht habe, war mir mal wieder nach einem etwas aufwändigeren Oberteil und ich habe zunächst mal geschaut welche zugeschnittenen Projekte ich noch da hatte. Und da war sie wieder, die Kiste die auch diesmal gleich wieder ein schlechtes Gewissen erzeugte. Aber diesmal hab ich sie nicht wieder weggepackt. Wenn ich nach der langen Zeit keinen Ersatzschnitt finde, dann wird nun doch das Kalle-Shirt genäht!

Den Kragen hab ich noch mal neu zugeschnitten und mich für den richtigen Kragen entschieden. Dazu später noch mal mehr.

Der Stoff verhielt sich um Welten besser. Er war super gut zu vernähen und vor allem an den heiklen Stellen (Rundungen am Saum) war es viel leichter.

Obwohl ich mit Sicherheit von Jahr zu Jahr besser werde beim Nähen, hatte ich erneut deutlich mit der Anleitung zu kämpfen. Es fehlen schlicht und einfach diverse kleine Details.

Beim Hinweis wohin welche Falte bei der versteckten Knopfleiste gebügelt werden muss, hätten kleine Pfeile auf dem Schnittteil geholfen. Stattdessen hab ich alleine daran wirklich lange gesessen und immer wieder überlegt wie das dann angebracht wird und was Sinn machen würde. Beim Blick auf den Sew Along war schnell klar, dass ein weißes Hemd mit weißer Naht und weißem Vlies echt keine Hilfe sein wird.  Das hat mich so geärgert, dass ich den Sew Along nicht weiter zur Hilfe genommen habe und mich so durchgewurschtelt habe.

Ganz am Ende, beim Kragen war mir wieder mal etwas nicht klar, und ich habe doch noch mal in den Sew Along geschaut. An dieser Stelle war es ein grünes Hemd, man konnte die Details ein wenig besser erkennen. Aber das Ergebnis bei diesem Sew Along – ganz ehrlich – war so unsauber genäht, dass ich erneut an der Anleitung und der Liebe zur Gestaltung dieser gezweifelt habe!!

Leider hab ich den Kragen auch nicht schön hinbekommen. Keine Ahnung was ich da gemacht habe, aber die Enden des collar stands sehen unterschiedlich aus. Ich hoffe nun einfach, dass es beim Tragen kaum auffällt.

Ich habe den gesamten Sonntag damit verbracht dieses Hemd zu nähen und es hat mir leider zu einem Großteil keinen Spaß bereitet, weil ich stets mit der Anleitung zu kämpfen hatte. Ich war mir daher auch bis zur Fertigstellung sicher, dass es kein weiteres Kalle-Shirt geben wird.
Was ich auch einfach nervig finde, ist ständig zwischen den Versionen hin- und herspringen zu müssen in der Anleitung. Es wäre so viel einfacher, wenn man einfach der kompletten Anleitung für Variante A folgen könnte. Und einen eigenen Bereich für Variante B hätte. Das ist doch für die Designer bei der Erstellung der Anleitung nur copy and paste, aber eine so unfassbare Erleichterung, wenn man gleichzeitig näht und lesen muss!!
Ich habe bis zum Schluss keinen Frieden mit der Anleitung geschlossen und denke andere Designer haben auch schöne Schnitte! Es geht ja auch ein bisschen ums Prinzip 😉

Nun wo ich die ganzen Fotos sehe und auch im Vergleich beurteilen kann, wie das Shirt mit dem richtigen Stoff sitzen kann, komme ich doch ins Grübeln. Das Ergebnis gefällt mir nicht nur deutlich besser als das Erste, mir gefällt nun auch der gesamte Style viel mehr. Vielleicht möchte ich doch gerne noch weitere Kalle-Shirts haben? Grmpf….

Ich bin sehr froh, dass dieser tolle Stoff nun doch noch aus seiner Kiste durfte. Wenn auch reichlich verspätet. Den Stoff gibt es aber noch 🙂

Der Stoff fällt sooo toll und der Druck auf dem Panel kommt auch so toll zur Geltung. Die Farbe des neuen Shirts steht mir natürlich auch viel besser als die des ersten Kalle-Shirts. Auch der Kragen ist – trotz kleinem Fehler – deutlich besser für mich!
Genäht habe ich übrigens Größe 8.

Nun müsste ich aber doch mal bald ne High Waist Hose nähen und grübel schon welche Hosenfarbe gut zum Gold-Gelben Kalle-Shirt passen könnte??

Viele Grüße,

6 Kommentare zu “Kalle Shirt mit einem Stoff von Lotte Martens

  1. Liebe Melanie, das ist ja eine tolle Bluse geworden, gefällt mir sehr gut! Ich mag ja diese Drucke von Lotte Martens gerne, finde es aber schwierig, sie einzusetzen. Du hast das ganz toll gemeistert, perfekt, wie der Druck über die verdeckte Knopfleiste wandert.
    Wie schade, daß Deine schlechten Erfahrungen mit dem Probeteil Dich so ausgebremst haben. Ich finde die Probebluse auch nicht so schlimm- gut, der Stoff ist etwas steif, und der Kragen steht Dir nicht, aber darüber kann man doch hinwegsehen. Auf jeden Fall ist sie tragbar, die Paßform stimmt, und das ist doch der Zweck von so einem Probeteil. Natürlich ist die endgültige Version viel schöner, fällt perfekt und die Kragenform ist genau Deines. Die kleinen Ungenauigkeiten fallen nur Dir auf- ein Kragen wird nie ganz symmetrisch fallen, denn Du bewegst Dich ja auch ständig, wenn Du nicht gerade für ein Blof-Foto posierst:-)
    Interessant, daß Du mit der Anleitung so schlecht zurecht kamst, das kenne ich so nicht von den ClosetCore Anleitungen, aber Kalle habe ich noch nicht genäht. Wie auch immer, das Ergebnist ist toll geworden!
    Liebe Grüße, Barbara

    1. Vielen Dank 🙂 Ja, es ist wahrscheinlich besser, wenn man vorab weiß welcher Schnitt passen könnte. Kurzschnitte (Jacken, Shirts) gehen ganz gut.
      Bei der Probebluse war ich zwar etwas streng. Aber das macht echt was auf, wenn zu den eh schon genannten Punkten das Tragegefühl nicht so der Hit ist. Ich habe beim Schreiben des heutigen Beitrags auch mehrmals überlegt, ob ich das Probeshirt denn nun zurück in den Schrank trage… Ob ich es behalten möchte. Hab mich noch nicht entschieden 😉
      Der Kragen an sich ist nicht schief, nur die Stegrundungen-/Endungen sind irgendwie unterschiedlich. Aber ja, hier hoffe ich einfach, dass es nicht groß auffällt.
      Ich glaube, dass viele die schon eine ähnliche Bluse (von der Art des Saumes, verdeckte Knopfleiste, generell einen Standardkragen) genäht haben wahrscheinlich gut zurecht kommen würden. Das würde wahrscheinlich gar nicht auffallen, dass da einfach Infos fehlen. Wenn man das zum ersten Mal macht, dann weiß man leider nicht weiter. Einen Hemdkragen hab ich schon mal genäht, aber das ist so lange her, dass ich die Anleitung jetzt schon gerne ausführlich und richtig gehabt hätte. Ich sehe es dann irgendwie auch nicht ein für bestimmte Bereiche zu einer anderen Anleitung zu wechseln. Aber ja, ihre anderen Anleitungen sollen wohl deutlich besser sein. Wobei… Die Kelly-Jacket mit Lining und Kapuze ja eher gar nicht, dafür aber eben die Ginger… Dennoch schwierig. Ich würde leider bei einem zweiten Kalle-Shirt wieder an den gleichen Stellen hängen bleiben, hab mich jetzt wirklich nur durchgehangelt und weiß immer noch nicht wie es richtig gewesen wäre…..
      Aber ja, ich freue mich auch, dass dafür das Ergebnis dann doch so gut geworden ist.
      Danke für deinen Kommentar!! viele Grüße, Melanie

  2. Was für ein schönes Stöffchen und ich finde, dass dir die Bluse super gelungen ist. Kleine Unregelmäßigkeiten am Kragen stören das tolle Gesamtergebnis ganz bestimmt nicht und ich glaube auch nicht, dass das jemandem auffällt.
    Sehr interessant auch, wie die Stoffqualität das Gesamtergebnis beeinflußt; der Unterschied ist wirklich verblüffend.
    Viel Freude mit deiner wunderbaren Bluse und lG von Susanne

    1. Vielen Dank Susanne! Ich fand auch gerade die Unterschiede zum anderen Kalle-Shirt so verblüffend, dass ich sie unbedingt alle im direkten Vergleich mit Bildern zeigen wollte und nicht einfach nur per Verlinkung zum anderen Blogpost. Ich werde nun schauen, dass ich das Blusen- und Hemdennähen übe, damit mir in Zukunft nicht nur das Endergebnis gefällt, sondern auch der Nähprozess selber 😉
      Viele Grüße, Melanie

  3. Wunderschön! Ich bin sehr begeistert von der Bluse 🙂 Die Stoffe von Lotte Martens sind wunderbar, aber gar nicht so leicht zu verwenden, finde ich. Aber hier passt es einfach!
    Oh ja, die Stoffwahl macht so unglaublich viel aus – mit das Wichtigste, was man beim Nähen lernen muss und da hilft tatsächlich nur Erfahrung. Ich nähe seit 17 Jahren und mir passiert es trotzdem noch gelegentlich, dass ein Teil völlig in Ordnung wäre, wenn ich mich nicht beim Stoff vergriffen hätte. Der Fall ist ja nur ein Aspekt, manchmal passt auch das Muster nicht … aber umso toller ist das Gefühl, wenn man genau den richtigen Schnitt für den Stoff erwischt hat.

    1. Ja, es gibt ja auch größere Stoffe, aber gerade die bedruckten Panels sind ja leider schmaler. Es sind wohl nicht umsonst so viele Nähergebnisse von Kinderkleidung zu sehen auf ihrem Account… Aber ein bisschen spornt es auch an solange zu suchen, bis man mögliche Schnitte findet. Da sie ja auch Kombinations-Stoffe in normaler Größe verkauft, könnte ich mir mittlerweile auch andere Schnitte vorstellen, bei denen so ein Origami-Effekt Absicht ist. Weißt du was ich meine? Ein Schnittteil muss ja nicht immer unbedingt aus einem langen Stoffstück bestehen. Oder (normal lange) Blusen die auch vorne eine Art Passe haben, das gibt es ja auch.
      Ich werde mal die Augen offen halten, denn wenn mir das nächste Mal ein besonderer Schnitt der Art über den Weg läuft (den ich dann auch bereits erprobt habe), möchte ich unbedingt ein Panel mit Kupferdruck bestellen. Die sind so schön!

Schreibe einen Kommentar zu Nria Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Durch das Absenden deines Kommentars stimmst du den Richtlinien zum Datenschutz zu.