Ich habe die Jacke heute schon auf dem Me Made Mittwoch Blog vorgestellt und würde empfehlen den Beitrag dort zuerst zu lesen. Hier, auf meinem eigenen Blog, gehe ich nämlich nur noch auf die Besonderheiten ein, erzähle was ich alles ändern musste und welche Hürden sich während des Nähens ergaben.
Die Jacke hat es mir nämlich nicht ganz leicht gemacht und das fing bereits vor dem Nähen an. Es gibt nur ein einziges offizielles Tragebeispiel von Named zu dieser Jacke, das könnt ihr hier sehen. Wie ihr dort seht, hat die Jacke auf den Fotos allerdings keine vollständig langen Ärmel. Da ich aber vorhatte die Jacke (auch) bei Regen zu tragen wäre es nicht sehr sinnvoll, wenn die Ärmel am Ende zu kurz wären. Ich habe nirgends die Information gefunden ob das Absicht ist und wie lang die Ärmel im mitgelieferten Schnitt sind. Zur Vorsicht habe ich den Ärmelschnitt um 5 cm verlängert bevor ich zugeschnitten habe. Mit der Länge bin ich sehr zufrieden.

Die Jacke selber habe ich um 5 cm verkürzt, was aber daran lag, dass mein Reißverschluss den ich bereits zuhause hatte 5 cm kürzer als erforderlich war.
Ebenfalls vor dem Zuschnitt des Stoffes habe ich das Rückenteil angepasst und die Nahtzugabe entfernt. Dort gibt es 3 cm Nahtzugabe, weil die Anleitung vorsieht die Rückenteile mit einer Kappnaht zu verbinden. Ich wollte dort keine unnötige Naht und habe den Rücken daher ohne Nahtzugabe im Bruch zugeschnitten.

Die Kappnähte sind leider auch das erste Negative über das ich berichten muss. Es war einfach extrem mühsam 2 unterschiedliche lange Nahtzugaben zu haben (2 cm +1 cm) und alle anfänglichen Nähte mit einer Kappnaht zu nähen. Es hat mir anfangs tatsächlich keinerlei Spaß gemacht diese ganzen Kappnähte zu nähen und nach der ersten Pause kam ich auch für 3 Wochen oder so nicht mehr so recht ins Projekt rein und musste mich sehr zwingen das Nähen wieder aufzunehmen und die Jacke fertigzustellen. Dass es danach fast nur noch mit normalen Nähten weitergeht, wusste ich da noch nicht 😄 Allerdings gab es noch genug weitere Hürden.
Nähreihenfolge:
Es gibt leider bisher nur 3 Shared Projects in Theadloops, aber dieser von sewingnightowl war sehr hilfreich. Sie berichtet (auf Englisch) sehr ausführlich über viele Gedanken und Änderungen zur Jacke, u.a. schreibt sie (grob übersetzt) folgendes über die Taschen: „Ich habe mit den Taschen angefangen, um die anspruchsvollen Nähte erst einmal hinter mich zu bringen. Ich verstehe nicht ganz, warum die Jacke in der in der Anleitung angegebenen Reihenfolge zusammengenäht wird. Warum sollte ich eine ganze Jacke unter meiner Nähmaschine herummanövrieren, um die Taschen anzunähen, wenn das doch eigentlich der logische erste Schritt wäre?“ Da musste ich ihr Recht geben und ich habe ebenso mitten in der Anleitung angefangen und zuerst die Taschen genäht und an den Vorderteilen befestigt.

Kordeln:
Auch hier bin ich ihrem Rat gefolgt und habe mich beim Einnähen des Kordelbandes an der Zeichnung ihres Beitrages orientiert. Ich bin sehr froh ihrem Vorschlag gefolgt zu sein die Kordelenden nicht nach Anleitung zu nähen. Ansonsten hätte die Kordel nämlich durch das Umklappen doppelt gelegen und hätte sicherlich dicker aufgetragen.

Allerdings durfte ich sie beim ersten Versuch direkt wieder abtrennen, denn die Art und Weise wie der Kordelloop laut Anleitung gelegt wird, setzt einen Kordelstopper mit nur EINEM Loch voraus, was vorher in der Anleitung natürlich NICHT erwähnt wurde 😣 Ich hätte jetzt neue Kordelstopper kaufen können, aber dann hätte ich die Jacke nicht mehr rechtzeitig fertigstellen können um sie heute vorzustellen und das geht natürlich nicht. Ich habe meine Kordelstopper aber dennoch verwenden können, indem ich die Kordel erst durch beide Kordelstopp-Löcher gezogen habe und erst anschließend die Kordel an der Jacke befestigt habe. So bin ich dann auch für die Kapuze und die Ärmel vorgegangen. Bei den Ärmeln bin ich aber noch ein weiteres Mal von der Anleitung abgewichen. Da werden die Kordelenden nämlich eigentlich gar nicht an der Jacke festgenäht, sondern lediglich durch einen Knoten geschlossen, der dann in den Ärmel geschoben wird. Ich wollte weder so einen großen Doppelkontenknubbel im Ärmelsaum, noch wollte ich dass dieser sich im Saum auch noch frei verschiebt. Ich habe daher auch hier die Kordelenden festgenäht.

Die Naht liegt später innen und ist nicht sichtbar. Alledings dürfte meine Kordel hier gerne deutlich kürzer sein. Unter anderem dadurch, dass ich ja gar keinen Knoten gemacht habe, finde ich den Loop optisch etwas lang geraten.
Auch bei der Kapuze wo ich dann eigentlich wieder (fast) nach Anleitung vorgehen konnte (nur wieder andere Reihenfolge wann die Kordelstopper angebracht werden) finde ich die Kordel-Loops etwas lang im komplett ungerafften Zustand.

Ihr habt hier evtl schon die bunten Ösen vorblitzen sehen: Flieder für den Saum und die Kapuze und (weil ich nicht genügend Flieder hatte) Orange für die Ärmel.

Eigentlich war nämlich der Plan, dass auch die Druckknöpfe eine so auffällige Farbe bekommen und einen bunten Kontrast bieten. Ich hatte farbige Druckknöpfe von Snaply bestellt, die ich bisher nicht kannte. Weil dort „Kunden die dieses Produkt kauften, kauften auch die PrymVario Zange“ stand, hatte ich irrtümlicherweise angenommen, dass diese bunten Druckknöpfe auch mit dieser Zange angebracht werden konnten. Konnten sie nicht. Und zu allem Übel wurde mir zunächst nur das Nachfüllpack ohne das dazugehörige Werkzeug angzeigt, was ich dann bestellt habe.

Nach dem Erhalt musste ich feststellen, dass weder die VarioZange noch das VarioTool mit diesen Druckknöpfen funktionierte und ich musste wohl oder übel noch mal das Paket mit Werkzeug nachbestellen und extra dafür eben auch noch mal Porto. Wäre schön, wenn dann alles gut gewesen wäre. Es funktionierte mit diesem Werkzeug (das ebenso nicht in die Zange passte) und einem Hammer zwar, aber erstens hasse ich es Druckknöpfe auf diese Art und Weise anzubringen und zweitens war ich HOCHenttäuscht von den Druckknöpfen. Sie waren einfach SO dick. Ich zeige im Vergleich dazu mal die (hier schwarzen) ebenfalls 15mm großen Prym Manteldruckknöpfe die es leider nicht in bunt gibt. Die sind soooo viel flacher.

Vor allem aber machen sie kein Geräusch. Die Druckknöpfe die ich über Snaply bezogen habe (von einem Tschechischen Anbieter) drehen sich in sich und klappern ganz laut. Beim Auf- und Zumachen hatte ich auch kein Vertrauen dass alles fest bleibt. Bunt hin oder her, das war kein annehmbarer Zustand, also flossen leider weitere 20 Euro in neue Druckknöpfe, diesmal von Prym. Damit war das Anbringen immerhin ein Kinderspiel, weil ich dafür das VarioTool habe.
5 Druckknöpfe brauchte ich für die vorderen Taschenklappen und die Blende, die anderen waren auf Kapuze und Kragen verteilt.

Die Position aller Druckknöpfe und Ösen habe ich übrigens mit Nahtband verstärkt. Das ist eigentlich dafür da Nähte von 3-Lagen-Laminat abzudichten, so dass kein Wasser hindurchkommt. Da hier aber sowieso mit Kappnähten gearbeitet wurde, hab ich das Nahtband stattdessen überall dort aufgebügelt wo ich ein wenig Verstärkung für die späteren Druckknöpfe brauchte

Ich mag den Look, dass die Kapuze wahlweise offen auf den Schultern liegt oder aber vorne verschließbar ist.

Für das Innenfutter der Kapuze hatte ich ursprünglich einen Nylon-Futterstoff vorgesehen. Den hatte ich 2023 schon passend bei Extremtextil mitbestellt. Aber als ich den gebügelt habe, zog er sich so hässlich zusammen und da fiel mir dann zusätzlich auf, dass ich die Farben gar nicht zusammen mag. Irgendwie wollte ich lieber was helleres, freundlicheres mit dem Butterscotch der Jacke kombinieren. Die Kapuze und ihr Innenstoff werden ganz am Schluss genäht. Die Kordel und Kordelstopper in Rosa waren also schon an der Jacke, da fiel mir auf wie gut ein Speckled-Stoff, der noch auf dem Tisch lag von einem Quilt den ich gerade nähe, dazu passt. Er hat Sprenkel in Rosa und Gold und beides passte richtig toll zur Jacke und den Kordeln und Kordelstoppern.

Die Jacke ist ungefüttert und sieht durch die Kappnähte und den Beleg von innen sehr „sauber“ verarbeitet aus. Es gibt auch einen Aufnäher. Er ist nicht, wie ich es sonst gewohnt bin, als Loop zwischen Kragen und Beleg genäht, sondern als Streifen quer über dem Beleg. Das ist ungewohnt, führt aber genausogut zum Ziel. Und weil die Jacke wirklich federleicht ist, muss der Aufhänger auch gar nicht viel aushalten.

Fazit: Ich mag die Jacke wirklich seeeehr gerne, aber komplett rund war die Anleitung von Named leider nicht und ich habe wirklich an einigen Stellen improvisiert. Durch meine Wanderung bei der ich die Jacke eigentlich nur für die Fotos angezogen habe, weiß ich aber nun, dass ich sie nicht nur als Regenjacke hernehmen werde, sondern auch Windbreaker.

