Winslow Culottes und JerseyCamiSole Sommertop

Werbung, da Schnitthersteller und Marken genannt werden. Alles selbst gekauft

Nachdem ich vom sommerleichten Tragegefühl der letzten Flint pants so begeistert war, wollte ich unbedingt für Culotte-Nachschub sorgen. Die Winslow Culottes von Helen’s Closet hat Annegret mir wieder in Erinnerung gerufen. Davon hatte ich mal tolle Versionen beim Erscheinen des Schnittes gesehen, hatte die aber aktuell nicht mehr auf dem Schirm. Inzwischen hat sich bei dem Schnitt sehr viel getan. Das Internet ist voll mit wundervollen Nähbeispielen und Helen hat zusätzlich zu ihrem Sew Along auf dem Blog noch ein paar Varianten beschrieben. Hier ist eine Übersicht.

Eigentlich starte ich immer gerne mit dem Original bevor ich mögliche Varianten nähe. Aber ich wollte einen blauen Stoff aus dem Bestand nehmen und konnte mir mit dem Stoff sofort die Version mit dem Gummibund am Rücken sehr gut vorstellen.

Es gibt 4 verschiedene Längen und ich werde sie definitiv alle testen, denn ich finde sie alle wunderschön. Jede Länge gibt einen komplett (!) anderen Look. Und jeder einzelne gefällt mir extrem gut. Für meinen blauen Stoff sollte es Version C (¾ lang) werden. Leider kann ich ihn auch weiterhin nur “der blaue Stoff” nennen. Ich habe nicht mehr die geringste Ahnung woher ich ihn habe. Ich habe ihn online mal “mitbestellt” damit der eigentliche Stoff den ich dringend haben wollte nicht ganz alleine reisen muss. Der blaue Stoff hat jedenfalls eine tolle Haptik: weich und gleichzeitig glatt, aber nicht zu glatt und mit einer Struktur. Weiter unten gibt es eine Nahaufnahme. Und er ist viel leichter als er aussieht. Also nicht superdünn (und lange nicht so dünn wie der Flint-Stoff) aber noch so, dass er mit diesem Schnitt schön fällt.

Mein Bund ist schmaler als vorgesehen. Das liegt daran, dass ich den ersten Zuschnitt versaubeutelt habe. Ich habe mit einem sehr langen Lineal und einem scharfen Rollschneider gearbeitet, aber dennoch Schlangenlinien produziert. Und als ich dann noch Vlieseline zuschneiden wollte, war noch ein Stück vom Bund im Weg und ich habe auch noch ein Loch mittenrein reingeschnitten.  Für einen zweiten Zuschnitt war eigentlich nicht mehr genug Stoff übrig. Mit Mühe konnte ich noch einen Streifen mit 7 cm Höhe statt der geforderten 10 cm bekommen. Leider hatte das mehrere Folgen:

Ich hatte nicht mehr die erforderliche Nahtzugabe von 1,5 cm. Erst dachte ich: kein Problem, so viel Nahtzugabe braucht man ja nicht zwingend. Braucht man aber doch. Am Anfang werden an der Hose 2 Nähte innerhalb der Nahtzugabe gesetzt. Die erste sorgt dafür dass die gelegten Falten überhaupt befestigt werden. Eine weitere Naht sorgt noch dafür, dass sie nicht aufspringen. Diese Naht musste ich wieder entfernen, weil sie nun sichtbar außerhalb meiner NZ lag. Und natürlich hatte ich danach das Gefühl dass meine Falten jetzt leider extrem aufspringen. Was ich aber gerade an diesem Schnitt so sehr schätze ist, dass die Falten sich sooo toll legen und dass sie diese Rockform simulieren ohne sich vorne pampersartig aufzuplustern. Das wollte ich natürlich nicht zerstören, daher hab ich die Falten jeweils sichtbar aber mit einem sehr kurzen Stich fixiert.
Der Stoff war übrigens nicht gnädig. Die längere Linie, die ich wieder auftrennen musste, ist zumindest für mich noch sichtbar. Sicher würde mir da niemand so genau hinschauen, aber ich weiß es und sehe es. Beim Sitzen verschwindet das aber in der Sitzfalte.

Eine andere Folge des zu schmalen Bundes: Ich hatte das perfekte breite, feste und gleichzeitig weiche Gummiband in Blau im Vorrat. Blau wie meine Hose (jaaa das Gummiband ist eingearbeitet und niemand sieht es, aber ich kann mich selbst über sowas freuen). Aber das war jetzt leider zu breit für den nun schmaleren Bund. Ich habe ausgerechnet, dass mit meinem Bundmaß, der Minimum-Nahtzugabe (so dass immerhin der erste Falten-Feststepp-Stich verdeckt ist) und ein wenig “ease” genau 18 mm bleiben für ein Gummiband. Ich hatte nur welches mit 1cm Breite und 2 cm Breite und musste daher mein Projekt erstmal auf Eis legen. Aber dafür hab ich mich gefreut, dass es bei Prym tatsächlich Gummiband mit 18 mm Breite gibt.

Ein paar Tage später ging es dann weiter, der Bund konnte fertiggestellt und das Gummiband eingezogen werden. Es wird nur für das Rückteil benötigt und entsprechend der Rückenbreite zugeschnitten. Nach der Anprobe musste ich leider feststellen, dass die Hose um einiges zu groß war und die Hose nur von der Hüfte gehalten wurde. Also hab ich einen Teil wieder aufgetrennt und das Gummiband um 10 cm gekürzt. An diesem Punkt war ich sehr froh, dass ich den Hack von Helen verwendet habe. Alles noch mal abtrennen und den kompletten Bund am nahtverdeckten Reißverschluss anzupassen wäre aufwändiger geworden. Ich konnte mit dem Rückengummi schummeln um die Hose schmaler zu machen. Das Problem ist natürlich nur aufgehoben und nicht aufgeschoben. Ich weiß jetzt, dass ich nicht die Größe 8 bei diesem Schnitt habe. Aber welche es stattdessen ist, ob eine oder gar zwei Nummern kleiner, muss ich noch ausprobieren. Meine nächste Version soll die Originalversion mit nahtverdecktem Reißverschluss werden, da hab ich dann entweder Glück oder werde es nur verspätet anpassen müssen.

Nach diesem ganzen Aufwand rund um den Bund war die Hose dann aber schon fast fertig. Man kann den Saum der Hosenbeine versäubern und 1 x umklappen oder 2 mal umklappen. Ich hätte mich über letzteres gefreut, hab mich aber wegen des dünnen Stoffes nur ersteres getraut, damit das nicht so sehr aufträgt.

Die Hose hat Nahttaschen die die perfekte Größe haben und auch die perfekte Platzierung. Man kann wunderbar die Hände drin vergraben.

Das Ergebnis finde ich sehr sehr toll. Die Hose hat wirklich die Eleganz eines Rockes, ist aber so praktisch wie eine Hose. Gleich am nächsten Tag habe ich mir ein passendes Shirt genäht. Ich finde es schön, wenn die Shirts in die Culottes gesteckt werden können oder am Bund enden. Findet sich beides nicht wirklich in meinem Kleiderschrank bisher.

Ich hab mir kurz vorher auch noch den Hosenschnitt “Lola” von Schnittduett gekauft habe und hier zeigt sich mein Einkaufsverhalten noch mal deutlicher: Es ist ein PDF-Schnitt zum run-ter-la-den! Und dennoch hab ich mir gedacht “oooch, jetzt nur den einen Schnitt zu kaufen ist ja doof – was haben die denn noch so?” Und dann waren noch ein U-Boot-Shirt-Schnitt im virtuellen Einkaufskorb und eben dieses hier gezeigte Sommertop JerseyCamiSole. Wobei das zwar online so hieß, der Hashtag bei Instagram aber lasolejerseycami lautet (wohl weil es aus der la sole collection ist. Aber das muss man halt auch erstmal wissen) und auf dem Plot leider gar nichts drauf steht. Das war etwas verwirrend.

Das Top hat sowohl vorne als auch hinten einen V-Ausschnitt. Ich habe das Shirt allerdings verkehrtherum an, da ich gemerkt habe, dass es bei diesem Schnitt noch schöner ist, wenn der Rückenausschnitt tiefer geschnitten ist.

Eigentlich wird das Shirt mit Belegstreifen genäht. Ich hatte aber bei der Bestellung anscheinend nicht so genau hingeschaut und hatte gedacht es wird mit einem kompletten Beleg (für Halsauschnitt und Ärmel zusammen und eben so, dass keinerlei Nähte von außen sichtbar sind) genäht. Und das hat sich so im Kopf festgesetzt, dass ich es dann auch so nähen musste. Der Stoff reichte für 2 weitere Schnittteile. Vorder- und Rückenteil hab ich also noch mal ausgeschnitten, die Länge jeweils bis zur “Hierbitteverlängernoderverkürzenlinie”. Das Beleghirt habe ich einfach offenkantig gelassen, damit es nicht unnötig aufträgt. Damit der Beleg innen bleibt hab ich Nahtzugabe und Shirt am Halsausschnitt komplett abgesteppt und an den Armausschnitten soweit wie es möglich war.

Diese Verarbeitung ist um einiges friemeliger als bei getrennten Belegstreifen. Ich musste sogar noch mal online nach einem Video schauen bei dem das erklärt wird. Aber es hat sich sehr gelohnt, ich finde das Ergebnis superschön!

Den Stoff habe ich in Amsterdam gekauft und auch hier hab ich keine Ahnung von der Zusammensetzung. Ich hatte sogar die Verkäuferin gefragt die mir aber auch nicht weiterhelfen konnte. Aber er sah gut aus und fühlte sich toll an, also durfte er mit. Der Fühltest ergibt irgendwie eine verrückte Mischung aus Jersey und Webware, aber optisch auch noch ein bisschen wie so ein Poloshirt-Stoff. Vielleicht ist es auch ganz banal Interlock? Keine Ahnung, aber ich mag ihn. Und noch mehr mag ich wie gut er sich zu dem Shirt und auch noch in Kombination zur Culotte macht.

Genäht:

  • Winslow Culottes von Helen’s Closet in der Version C
    Gr. 8, aber nachträgliche Änderung vorgenommen: Rückengummi um 10 cm verkürzt
    Variante mit Gummiband am Rücken (nicht in der Originalanleitung aber hier erklärt)
    Die Stoffquelle kann ich leider nicht mehr benennen.
  • JerseyCamiSole vom Schnittduett
    Gr. 36
    Änderung: Komplettbeleg zugeschnitten aus Vorder- und Rückenteil statt Belegstreifen
    (und andersrum angezogen: Vorderteil mit tieferem Ausschnitt als Rückenteil)

Viele Grüße,

Verlinkt bei Du für Dich am Donnerstag und Sew La La

6 Kommentare zu “Winslow Culottes und JerseyCamiSole Sommertop

  1. Huch, irgendwie ist da glaube ich was beim Kommentar schief gelaufen. Ich hatte geschrieben, dass ich deinen Hosenrock sehr hübsch finde! Die Kombination mit Oberteil und Hosenrock finde ich sowohl von den Schnitten als auch von der Farbe richtig gut 🙂
    Liebe Grüße,
    Sarah

  2. Deine Culottes gefallen mir sehr. Die Winslow Culottes sind mir schon oft positiv aufgefallen und deine sind keine Ausnahme. Ich hab noch einen Viskosecrepe übrig, den ich wahrscheinlich dazu verarbeiten werde, sobald ich meine Nähmaschine wieder zurück aus der Wartung habe.

    Das Oberteil ist auch cool. Sieht richtig edel aus mit dem Komplettbeleg!

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