Ich hatte schon länger vor Radlerhosen zu nähen und mit der Zeit sammelten sich die unterschiedlichsten Anlässe dafür:
– Ich wollte gerne eine eher kurze Radlerhose (die möglichst wenig aufträgt) unter Röcken tragen
– Ich wollte gerne eine Radlerhose die ein wenig länger geschnitten ist und die ich zusammen mit Oversize T-Shirts tragen kann
– Für den Sport hätte ich auch gerne eine (mittellange), am liebsten sogar mit einem passenden Sport Top.
Es wurde also dringend Zeit, dass ich mich mit Stoffen und Schnitten beschäftige. Obwohl alle Hosen unterschiedlich aussehen sollten, wollte ich mir ungern verschiedene Schnittmuster dafür kaufen. Bei einem Blick in meine Schnittmustersammlung schien mir die Aila Leggings dafür passend. Die hatte ich auch schon 2 x in voller Länge genäht und konnte abschätzen welche Größe ich benötigen würde. Gerade bei Leggings und Radlerhosen schwankt das allerdings durch die Stoffwahl sehr. Ich hatte mal eine perfekt passende Stride Athletic Tights aus Italian Matte Lycra genäht und diesen Schnitt in der derselben Größe später aus einem Spoonflower Lycra. Letztere hatte ich nie an, weil ich nicht mal rein kam.
Sportstoffe kaufen ist noch mal ein Thema für sich. Ich finde selten Lycra den ich wirklich schön finde, denn ich mag ganz klar die matten Stoffe. Alles was stark glänzt, zu durchsichtig ist oder sich nicht schön und weich anfühlt kommt für mich nicht in Frage. Ich mag kein Lycra der sich anfühlt wie hartes Plastik. Und bei bedrucktem Lycra mag ich es nicht, wenn bei der leichtesten Dehnung nur noch weißer Rückseitenstoff zu sehen ist. Bei Fabwork.uk habe ich mal ganz tollen Italian Matte Lycra erworben. Daraus habe ich mir diverse Sportoutfits genäht (u.a. auch Radkleidung) die noch immer toll aussehen. Inzwischen verschickt ja kaum ein UK shop mehr nach Deutschland, aber den Stoff gibt es dort eh längst nicht mehr. Er war matt, soooo weich, super dehnbar und dennoch blickdicht und fest, dabei aber mega gemütlich – ich kann gar nicht beschreiben WIE toll und praktisch der war.
Vor kurzem hoffte ich, ich ich hätte eine neue Quelle aufgetan, weil mir Werbung von „evoli“ eingespielt wurde, ebenfalls mit einem Matte Lycra „Italy“. Ich hab ein bisschen recherchiert und es scheint als wäre der Sitz in Österreich, verschickt wird aber aus Deutschland(?) und sie haben u.a. Italienische Stoffe?? Ich habe dort zum Test 3 Stoffe bestellt, jeweils mit der Bezeichnung „Matt Lycra Vita/Malaga Carvico Italy“ in den Farben Black, Lavendel und Malaga. Mit letzterem habe ich gestartet:
Radlerhose für Röcke
Ich wollte eine möglichst unscheinbare Radlerhose unter Röcken tragen und habe mir dafür die Farbe Malaga bestellt. Für den Schnitt hatte ich mich ja schon entschieden: Die Aila Leggings hat auch eine kurze Variante: Die Aila Bike Shorts. Allerdings kommt diese mit einem recht hohen zweilagigen Bund daher der wahlweise noch mit aufgesetzten Taschen genäht werden kann. Das ist super praktisch um z.B. das Handy zu verstauen. Aber unter einem Rock wollte ich keinen Bund der so dick aufträgt. Ich habe mich daher für eine Variante mit Gummiband entschieden die es so in der Anleitung nicht gibt. Im ersten Versuch habe ich einfach die Bund-Schnittteile weggelassen und stattdessen ein Gummiband angenäht. Diese kurze Probe ergab allerdings, dass die Hose dann zu weit unten sitzt und ich im Alltag das Gefühl hätte ich müsste sie höher ziehen. Für die eigentliche Hose hab ich daher in der Höhe 3 cm hinzugegeben und dann ein 4 cm breites, weiches Gummiband angenäht. Leider geht mein Bestand da gerade zuneige, aber die schönsten und weichsten breiten Gummibänder die ich je gekauft habe sind alle aus dem Shop von Madalynne.com – so auch dieses das von meinem Maris Bralette übrig war:

Da man unter der Farbe Malaga alle anderen Farben durchscheinen sieht, habe ich mir eigens dafür aus den Resten noch eine farblich passende Unterhose genäht. Auch wenn ich diese Radlerhose wahrscheinlich nie ohne Rock tragen werde, mag ich einfach wie stimmig das nun ist 🙂 Ich gebe am Schluss des Beitrages noch mein Fazit für alle Stoffe.
Radlerhose mit Gummiband
Nachdem ich diese Unterziehhose genäht habe, hatte ich Lust auf eine weitere Radlerhose, diesmal für den Alltag, die aber ebenfalls nur mit so einem Gummiband auskommt. Da der Schnitt bereits angepasst war, ging es super schnell eine weitere Variante zu nähen. Die habe ich jedoch am Bein noch um 5 cm verlängert, weil ich die Original Biker Shorts Länge für den Alltag, bzw. vor allem in Kombination mit Oversize Shirts zu kurz fand. Das konnte ich hier aber nicht demonstrieren, weil es für die Konbination viel zu heiß war.

Auch hier wieder mit farblich passender Unterhose, denn diesmal (ohne Rock) hätte man andere Farben auf jeden Fall doll gesehen.
Radlerhose mit passendem Top
Und dann habe ich mir schon lange eine schwarze Radlerhose gewünscht, weil schwarze Radler (und Leggings) einfach so viel leichter zu kombinieren sind, als die oben gezeigte in Flieder. Ich habe noch mal die verlängerte und erhöhte Version gewählt und wieder ein schwarzes, wunderschön glänzendes Gummiband von Madalynne (ja, beim Gummiband mag ich den Glanz)

Fazit zu den Stoffen
Theoretisch bin ich damit zufrieden. Der Stoff ließ sich mit der Overlock und Stretch-Nadeln wunderbar vernähen, aber nun kommt mein ganz großes ABER für alle drei Stoffe (bzw. alle drei Farben des gleichen Stoffes):
In meinen Augen ist dieser Stoff nicht matt! Also ja schon matter als manch andere Sport-Lycras. Aber kein bisschen matt im Vergleich zum mir bekannten Italian Matte Lycra, dessen Suche ich einfach nicht aufgeben will und die daher nun von vorne losgeht…. Dieser Stoff ist glatter, weniger weicher und vor allem glänzender. Richtig schlimm glänzt er leider in der Sonne, da sind so richtig goldene Streifen auf dem schwarzen Stoff zu sehen. Für mich sieht das aus wie ein eine Mischung aus zu glänzendem Stoff der in der Sonne reflektiert, aber auch zu dünn und zu wenig dehnbar, so dass die Haut halt einfach durchscheint. Auf den Fotos ist das nicht gut erkennbar, aber im Alltag ist mir das sehr doll aufgefallen und es hat mich sehr gestört. Damit gibt es definitiv keine Wiederholung für mich für diesen Stoff. Und gerade die hellen Farben sind leider gar nicht blickdicht, das hat mich auch sehr gestört. Es gab in dem Shop aber ganz viele verschiedene Sportstoffe und ich habe nur den einen in verschiedenen Farben getestet.

Axis Tank mit Performance Stoff
Aber kommen wir mal zum Top, das hier auf den Bildern schon zu sehen war. Das wollte ich ursprünglich gar nicht haben um es mit dieser Radlerhose zu kombineren (obwohl ich die Kombi nun sehr mag). Ich wünschte mir seit einiger Zeit ein enges, bauchfreies Top für meine (Kauf-)Latzhose. Für die habe ich im Frühling letzten Jahres schon drei Bodies genäht, weil ich es generell schwierig finde Oberteile mit Latzhosen zu kombinieren. Eigentlich mag ich auch den Look zusammen mit einem Oversize Shirt, aber genau solche Shirts krabbeln leider mit der Zeit aus dem Latz hervor und sehen dann im Alltag ganz komisch aus. Daher der Wunsch nach weiteren enganliegenden Oberteilen. Die Bodies sind nämlich alle viel zu warm für die aktuellen Temperaturen.
Die Kombination mit einem bauchfreien Tank Top hatte ich nur in meinem Kopf, wollte das aber unbedingt umsetzen für den Sommer. Ich erinnerte mich daran, dass ich vor einiger Zeit das Axis Tank von Sophie Hines gekauft und getestet habe. In der Originallänge landet es bei mir genau in der Taille und krabbelt dann leider unschön hoch, weshalb ich es entweder verlängern oder verkürzen muss und es damit erstmal auf den UFO-Stapel gewandert ist. Zum Glück habe ich das Probeteil aufbewahrt, konnte es mit der Latzhose kombinieren und abschätzen wieviel ich kürzen muss. In der ersten Variante habe ich wieder die High Neck Version gewählt und diese um 4 cm gekürzt. Eigentlich werden am Arm, für den Hals und auch unten Bündchen aus dem gleichen Stoff angenäht. Ich habe dies nur für die Armausschnitte und den Halsausschnitt angewandt und unten wieder das gleiche (Madalynne-) Gummiband angenäht wie schon bei der Radlerhose. Die Probe habe ich aber nicht mit dem schwarzen Stoff genäht. Davon hatte ich nämlich nur noch genug da für genau ein Axis Tank (der Rest des Stoffes ist noch nicht vernäht, aber schon fest verplant) und ich wollte das finale/passende Top zur Latzhose unbedingt in Schwarz haben. Daher habe ich den Albstoffe Performance „Herbs“ angeschnitten, aus dem eigentlich mal ein anderes (längeres) Sportshirt werden sollte. Ich habe aber zum Glück genug bestellt, weil ich den Stoff so schön fand und so entstand die erste Axis Probe:

Das Ergebnis fand ich richtig gut, zur Latzhose wollte ich aber gerne ein leicht längeres Top. Vor allem in der Seitenansicht war es noch nicht exakt nach meinen Vorstellungen:

Für die schwarze Variante habe ich deshalb noch mal 2 cm hinzugegeben, so dass das Top im Vergleich zum Originalschnitt nur noch um 2 cm gekürzt ist. Außerdem habe ich an der Performance Variante schon gelernt, dass die Angaben für die Bündchen keinerlei Sinn ergeben. Die sind nämlich ca. so lang wie die jeweilige Arm- und Halsausschnitt-Strecke, kommen daher kaum auf Zug und stehen unschön ab. Das habe ich dann für die schwarze Variante angepasst:

Vor allem von der Seite sieht man den kleinen aber feinen Unterschied der Längenanpassung und ich mag das Ergebnis und den Look sehr.

Anschließend war ich aber noch neugierig darauf wie die Scoop Neck Variante aussieht. Vor allem wieder in Kombination mit der Latzhose. Zum Glück habe ich wieder eine Probe mit einem nicht geliebten Stoff gemacht, denn es war vom Schnitt schon ersichtlich dass die Scoop Neck Variante einen seeehr tiefen Ausschnitt hat. Dieser landete unter dem Latz (und das sah richtig komisch aus), daher habe ich den Ausschnitt etwas erhöht und (aus Mangel an weiterem Probe-Sportstoff) einen weiteren Test mit Performance Stoff gemacht:

Fazit: Zur Latzhose überzeugt mich der Scoop Neck jetzt nicht so. ABER: nachdem ich die zwei Tops genäht habe, hatte ich sehr! große! Lust drauf daraus ein passendes Sport-Set zu nähen:
Aila Bike Shorts in Original-Länge mit Originalbund
Weil ich die Radler-Länge für die Gummiband-Variante angepasst hatte, hab ich mir den Schnitt nochmals in der Originalversion ausgedruckt. Einzige Anpassung: Für die Beine hab ich Größe 42 gewählt, weil der Performance Stoff recht fest ist, die 4 Schnittteile für das Waistband habe ich aber nach oben hin auf die 40 auslaufen lassen.
Und für dieses Sport Set mit dem kurzen Top liebe ich auch die etwas kürzere Originallänge der Bike Shorts, hier zu sehen in Kombination mit dem angepassten Scoop Neck Axis Tank:

Auch wenn die Fotos hier anderes vermuten lassen: Ich habe nicht vor mit dem Set laufen zu gehen oder sonstigen Sport im Freien zu machen, daher hab ich jegliche Taschen weggelassen und die ganz einfache Waistband Variante gewählt. Für den Sport in den eigenen vier Wänden darf es gerne komplett schlicht sein und ich brauche ausnahmsweise mal keine zig Taschen an meinen Kleidungsstücken 😛
Hier noch die Bike Shorts in Kombination mit dem High Neck Axis Tank:

Ich glaub das ist mein Favorit.
Wäre ich nicht recht lange damit beschäftigt gewesen rauszufinden wie lang die Armbündchen und das Halsbündchen tatsächlich sein müssen, wäre vor allem das Top wirklich extrem schnell genäht. Bei der Radlerhose ist der Bund etwas aufwändiger, aber der Rest geht auch sehr schnell.
Eigentlich hätte ich genau dieses Top gerne noch in Taillenlänge. Also eben nicht bauchfrei und gerade so bis zum Hosenansatz reichend. Aber dafür muss ich noch herausfinden wie das Top verlängert werden kann. Es besteht nämlich (mit Ausnahme der Bündchen) aus nur einem Schnittteil. Vorne liegt es im Bruch, im Rücken wird es zusammengenäht.
Und dann gibt es noch eine tolle Color Blocking Variante, die damals der eigentliche Grund war, dass ich den Schnitt gekauft habe. Schaut mal hier – die schwarz-Rosa-Meshvariante von Sophie mag ich sehr!! Die gilt es also auch noch auszuprobieren 🙂
Jetzt schicke ich meine Outfits erstmal zum Me Made Mittwoch und schaue was andere Teilnehmerinnen genäht haben.

Naehkatze Carola
Vielen Dank, dass du uns so ausführlich mitgenommen hast. Der Teufel liegt hier tatsächlich im Detail und du bist drangeblieben und hast – zumindest für mich als Zuschauerin – ein paar tolle Outfits genäht. Schade, dass die Stoffe letztendlich doch nicht 100% gepasst haben. Aber du findest garantiert trotzdem Verwendung hierfür. Ich bin gespannt, wie es mit der Längenanpassung des Shirts weitergeht.