Der Sport-BH der mal eine Kaufleggings war

Werbung, da Schnitthersteller, Stoffhändler und Marken genannt werden sowie shops verlinkt werden. Alles selbst gekauft

Über den Endurance Sports Bra habe ich ja eigentlich schon einen sehr ausführlichen Blogbeitrag geschrieben. Ich habe auch erzählt welche Änderungen notwendig waren und dass dieser Sport-BH damit für mich ein absoluter Erfolg wurde. Also warum so schnell hintereinander noch ein Beitrag?

Dieser Sport-BH war bis vor kurzem noch eine (Kauf-)Hose und ich freu mich wie Schnitzel, dass ich die Hose die mir eigentlich nicht gepasst hat, retten konnte. 

Gekauft habe ich sie online (zusammen mit ein paar anderen Teilen) bei einem Sale von Oysho Sports. Ich mag die Marke hauptsächlich, weil vieles im Sortiment warme, gedeckte Farben hat. Das ist im Bereich “Sportkleidung” eher eine Seltenheit. Leider fehlen bei dieser Marke an sämtlichen Sporthosen im Sortiment die Taschen. Was denken sich die Marketing-Leute und Produktentwickler wo wir beim Laufen unser Zeug verstauen?? Zum Glück bleibt mir ja weiterhin das Selbernähen. Viele Tipps für praktischere Sportkleidung habe ich hier hinterlassen

Diese Leggings hatte im shop die Bezeichnung “weiche Leggings mit Lorbeerblätter-Print” und ich glaube sie wurde als Yoga-Leggings beworben. Ich kann nicht mehr nachschauen, da mittlerweile ein neues Sortiment online ist und das alte komplett abverkauft und von der Webseite genommen wurde. Bei einer Yoga-Leggings hätte ich auf Taschen verzichten können, aber die Anprobe daheim zeigte sehr schnell, dass die Hose eh zu klein ist. Aber ich habe sie wie gesagt sehr günstig im Sale erworben und es gab auch keine andere Größe mehr, also stand ich vor der Frage, ob ich jetzt nur dieses eine Teil ersatzlos zurückschicke. Ich fand es wirklich schade um den Stoff der mir so sehr gefiel. 

Und dann kam mir die Idee, dass ich die Hose eigentlich auch zerschneiden könnte um mir einen Sport-BH draus zu nähen. Auch wenn ich nicht wusste wie genau sich der Stoff verhält – es ist ja schließlich Sportstoff, was soll schon schiefgehen..?
(Das Schild gab übrigens folgende Infos: 80% Polyester, 20% Elasthan.) 

Beim Aufschneiden der Hosenbeine war mir trotzdem etwas mulmig zumute, aber das Puzzeln beim Verteilen der Schnittteile hat dann direkt Spaß gemacht. Wie bei allen BHs die ich nähe, wollte ich auch hier darauf achten, dass linker und rechter Cup sich komplett ähneln, und das gleiche Muster in allen Schnittteilen aufweisen. Aber da das Muster auf der Hose eben nicht gleichmäßig und erstrecht nicht auf linkem und rechtem Bein gespiegelt verläuft, war das nicht so einfach. Zuerst hab ich mir sowieso erstmal das große Rückenteil gesichert. Für ein zweites war leider kein Platz, da hätte ich die DoGS (Direction of Greatest Stretch) schon seeeehr doll missachten müssen. Daher hab ich für das Innenteil ein Stoff aus dem Bestand gewählt: Mikrofaser von Sewy. In ähnlichem Creme-Ton hatte ich auch noch Laminat daheim, das passte gut.

Bei den Cup-Teilen war dann aber ein 100%iges Beachten des DoGS (und gleichzeitiges Beachten des gleichen Musters für rechten und linken Cup) auch nicht möglich und ich musste für einzelne Teile ein bis zwei Augen zudrücken und habe mich für weniger DoGS-Beachtung und mehr Muster-Beachtung entschieden.

Das war natürlich ein großes Wagnis was die spätere Passform angeht. Hinzu kommt, dass der Stoff wirklich sehr fest ist und nicht annähernd so viel nachgibt wie andere Sportstoffe. (Das hatte sich ja auch bei der Anprobe der Hose gezeigt….). Es war also kein völlig Entspanntes Nähen, das ich mir eigentlich erhofft hatte, da ich den Schnitt ja nun 2 x erfolgreich genäht habe.

Zunächst einmal musste ich das Projekt nach dem Zuschnitt erstmal zur Seite legen. Nachdem ich wusste was ich mit der Hose machen wollte, wollte ich zwar SOFORT zuschneiden, fürs Nähen fehlte mir aber die Zeit.

Etwa zur gleichen Zeit startete jedoch bei Instagram der BRAUgust. Muriel und ich haben spontan beschlossen, dass wir auch in diesem Jahr wieder mit unserem gemeinsamen Account 500and5_bramakingblog teilnehmen werden. Als wir die Themen durchgeschaut haben, hatten wir für manche Tage sofort ein passendes Projekt im Kopf, für manche entscheiden wir aber auch spontan ob wir mitmachen und welches Projekt passen könnte.
Tag 23 hat eigentlich das Thema “unexpected print”. Ich interpretiere es so, dass man einen Stoff vernäht hat, der eigentlich vom Muster eher nicht im Beuteschema liegt. Bei mir wäre das wohl alles Mögliche mit Tierfell-Aufdruck. Eher unwahrscheinlich das sowas in meinen Bestand gerät.
Mir ist aber stattdessen sofort eine weitere Interpretation in den Sinn gekommen:

Statt “unexpected print” nehme ich nun mit dem Thema “unexpected fabric” teil. Denn dieser Stoff kam ja wirklich sehr unerwartet in meinen Stash und mit seiner Bestimmung als BH hätte er sicher auch nicht gerechnet 😀

Jetzt musste ich das Projekt aber doch noch dazwischenschieben, denn ich wollte den noch nicht genähten BH unbedingt an Tag 23 zeigen, aber gerne schon in fertiger Version. Sonst hätte ich gar nicht berichten können, ob das Projekt “aus Hose wird BH” überhaupt funktioniert.

Fürs Nähen habe ich 2 Abende gebraucht: Einen Sonntagabend mit Dresdner-Tatort und ganz schauriger Blitzlicht-Stimmung (es war nicht viel Gewitter, aber geblitzt hat es wirklich den kompletten Tatort lang und es hat sich direkt eine Sonntagabend-Krimi-Atmosphäre eingestellt). In dieser Zeit wurden die Laminat-Cups und die Stoff-Cups fertig und beides habe ich noch aneinander genäht. Da die zweite Hälfte des Tatorts deutlich spannender wurde, wurde mein Nähtempo langsamer, sonst hätte ich sicher noch mehr geschafft.

Für den zweiten Nähabend hatte ich spannende Podcast-Unterhaltung (Audible – “180°”). Nach Ende der “eigentlichen Nähzeit” (es war ja Wochentag) von Abend Nummer 2 war ich gerade mit dem Falzband fertig. Aber wie das so ist: Nur noch schnell das Unterbrustgummi! Und wenn man das schon hat, ist es ja eigentlich nur noch der Reißverschluss und der BH ist schon fertig. Musste natürlich auch noch sein. Hätte eh nicht schlafen können, wenn ich 10% vorm Ende einen unfertigen BH im Nähzimmer warten lasse 😉 Also hab ich das auch noch gemacht und kurz vor Mitternacht hatte ich den BH fertig und auch bereits die Anprobe hinter mir und konnte sehr glücklich und zufrieden schlafen gehen. Trotz des deutlich anderen (weniger elastischen) Sportstoffs hat der BH 1a gepasst 🙂

Sowohl für den Reißverschluss als auch für das foldover elastic hätte ich gerne andere Farben ausgesucht. Etwas gedeckter und noch besser passend zum olivgrünen Sportstoff. Den Reißverschluss hätte ich aber vor Ort nirgends bekommen und hätte erst wieder eine Online-Bestellung machen müssen. Da hat dann die Vernunft gesiegt und ich habe genommen was da war und farblich einigermaßen passte. Die Reißverschluss-Länge von 16 cm bei dieser Breite die hier benötigt wird, war schon damals auch online nicht so schnell auffindbar. Eine sehr tolle Farbauswahl hab ich dann aber bei naehzutaten.de gefunden. Zum Glück hatte ich da gleich 5 Stück in verschiedenen Farben bestellt 🙂 Mit der Qualität bin ich auch sehr zufrieden. Die beiden Türkisen Sport-BHs wurden während ihres kurzen Lebens schon rauf und runter getragen und lassen sich sehr gut öffnen und schließen. Ich verlinke die Quelle am Ende des Beitrags. 

Auf diesen Fotos sieht man recht gut wie der Reißverschluss angebracht ist und wie der Reißverschluss-Schutz dafür sorgt, dass der Reißverschluss nicht die Haut berührt. In meinem Falle ist der Reißverschluss-Schutz selbstgenäht, das beschreibe ich in diesem Beitrag

Er ist toll geworden mein neuer Lorbeerblätter-Sport-BH. Noch toller wäre, wenn ich jetzt noch die passende Sporthose dazu hätte. Aber hätte ich die Hose, hätte ich keinen BH 😛  Cooler ist definitiv mein BH! 

Übrigens seht ihr oben bei dem Bild der aufgeschnittenen Einzelteile ja auch noch den Bund. Den hab ich mal aufbewahrt, denn ich hab schon eine Idee wie ich auch den noch verwenden könnte : Zusammen mit einer Kordel werde ich versuchen aus dem Bund ein Halstuch für sehr kalte Lauftemperaturen zu nähen.

Schaut ihr auch regelmäßig beim BRAugust vorbei? Egal ob ihr schon BHs näht oder noch mit dem Gedanken spielt, es lohnt sich sehr dem hashtag zu folgen, dahinter steckt wirklich soooo viel Inspiration ☺️ Und in diesem Jahr gibt es auch noch einen weiteren Fokus auf active wear. Für mich natürlich doppelt passend 😀

Viele Grüße,

 

Genäht:
Endurance Sports Bra von Greenstyle creations
Änderungen: seitliche Cups verkleinert; Fold over elastic anders als in der Anleitung beschrieben vernäht; RV-Schutz anders zugeschnitten und vernäht (alle Änderungen sind hier beschrieben)
Stoff: eine aufgeschnittene Kauf-Leggings
Reißverschluss: breiter 16 cm teilbarer Reißverschluss von YKK, bestellt über naehzutaten.de (sehr viele Farben vorhanden!)
Falzband / fold over elastic: Cremefarben (wahrscheinlich von Sewy, wird dort als Paspelband aufgeführt)
Innenstoff Rückenteil: Mikrofaser cremefarben: Sewy
Laminat cremefarben (wahrscheinlich von Sewy)

7 Kommentare zu “Der Sport-BH der mal eine Kaufleggings war

  1. Hi Melanie,
    ich würde mir zu gerne diesen Sport BH nähen. Leider ist mein Englisch nicht sehr gut und ich habe Angst, dass dann nicht richtig umsetzen zu können . Wie ist deine Einschätzung, ist da eine Bildanleitung dabei, mit der man klar kommen kann?
    LG Verena

    1. Hallo Verena,
      hast du denn generell schon mal einen BH genäht? Das wäre schon mal ein riesen Vorteil was das reine Verstehen der Bilder angeht.
      Es sind sehr viele Bilder dabei. Also wirklcih von fast jedem Schritt. Für die Vorbereitung wäre es aber sicher von Vorteil, wenn du auch den Text durchlesen könntest.
      Aber: ich habe gerade mal getestet: Die Funktion der Textmarkierung im PDF wurde nicht gesperrt 😀 (Machen ja manche Schnitthersteller). Also am Besten öffnest du dir das PDF auf dem Computer und übersetzt die Passagen einfach Stück für Stück mit einem Web-Übersetzer?
      Einige Begriffe kennen die Standard-Übersetzer natürlich nicht, aber da kannst du mich dann gerne fragen was gemeint ist. Und in meinem ersten Beitrag gibt es auch noch ein paar ausführlichere Infos. Aber wie gesagt, frag gerne wenn du hängst 🙂
      Viele Grüße,
      Melanie

  2. Danke für diesen Beitrag. Ich treibe seit letzter Woche wieder Sport und bin mit meinen Kauf-Sport-BHs überhaupt nicht zufrieden. Ein BH mit Reißverschluss stelle ich mir sehr sehr praktisch vor. Vielleicht wage ich mich endlich einmal an das BH-Experiment.

    Viele Grüße
    Carola

    1. Liebe Carola,
      ich will ganz ehrlich sein: wenn ich früher diese Verschlüsse an Kauf-BHs gesehen habe, dann habe ich immer gedacht „also ich werde meinen BH ja wohl noch hinten auf- und zumachen können“.
      Und ich nutze auch nie die Methode bei der man den (normalen) BH vorne schließt und dann rumdreht zum Rücken und dann erst die Träger anzieht. Aber: ich schrieb im ersten Endurance Beitrag schon: Was ich richtig hasse sind Sport-Tops! Wenn die richtig passen sollen (und Halt geben sollen), dann sind die einfach zu eng zum überziehen. Das rollt sich beim Überziehen richtig blöd. Und um noch mehr Klartext zu reden: Vollgeschwitzt wird das Ausziehen von Tops nach dem Sport nicht leichter.

      Bei den normalen Sport-BHs mit Verschluss hinten fällt mir das An-und Ausziehen daher wesentlich leichter. Aber erst jetzt wo ich die BHs mit Reißverschluss habe, kann ich aus Erfahrung sagen: Wenn du dich richtig ausgepowert hast und fix und fertig nur noch unter die Dusche möchtest: Dann ist dieser Front-Reißverschluss ein wahrer Segen!! Einfach ein richtig cooles extra goodie (neben der Passform – die ich aber ja erst minimal erarbeiten musste).
      Ich kann dir nur seeehr dazu raten deine eigenen Sport-BHs zu nähen. Ich trage ja schon lange keine Kauf-BHs mehr, wobei Sport-BHs die große Ausnahme bildeten. Aber je öfter ich Sport gemacht habe, desto größer war auch hier die Notwendigkeit und inzwischen trage ich höchstens mal zum Yoga ein Kauf-Top, für Sport bei dem ich viel Halt bei gleichzeitigem Comfort benötige aber nur noch die selbstgenähten Sport-BHs. Selbstgenähte Sportkleidung ist außerdem ein prima Motivator zum Sport zu gehen 😉
      Viel Erfolg beim Sport-BH nähen. Und melde dich gerne jederzeit wenn du Hilfe brauchst
      Viele Grüße,
      Melanie

  3. Den Stoff hast Du wirklich optimal gerettet! Der Reißverschluss passt doch farblich sehr gut dazu und der BH sieht aus wie gekauft. Nur dass man so einen gar nicht im Angebot findet. Wie immer hast Du den Nähvorgang in den beiden Posts sehr gut beschrieben, jetzt können wir alle loslegen 😉
    Liebe Grüße, SaSa

    1. Danke SaSa.
      Ja, das stimmt, die Farben passen. Hab sogar überlegt ob ich das mit den Farben überhaupt im Blogpost erwähne. Aber die Gedanken (die Farben passen nur so mittelgut) hatten mich während des gesamten Nähprozesses (im Hintergrund) begleitet. Und als ich den BH dann anprobiert hatte fand ich es total stimmig und war sehr zufrieden J Mir ist aber aufgefallen, dass es mir öfter so geht, wenn ich aus Vernunft vorhandes aus dem Stoffregal nehme und dann eigentlich sehr happy mit dem Ergebnis bin 😀

      Ich freu mich sehr, dass der BH gut ankommt und meine Beiträge ne gute Hilfestellung sind!
      Viele Grüße,
      Mel

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